Georg Miedl, Ärztesprecher des Landkreises Freising, beim Impfen
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Ärztesprecher Georg Miedl sieht in der Aufhebung der Impfpriorisierung einen „Bärendienst für Ärzte und Bevölkerung“.

Immer mehr Bürger wollen Termin verschieben

„Bärendienst“ für alle: Ärztesprecher kritisiert Aufhebung der Impfpriorisierung - Ärger auch im Impfzentrum

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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In dieser Woche will Bayern im Rahmen der Corona-Bekämpfung die Impfpriorisierung für Hausärzte aufheben. Der Freisinger Ärztesprecher kritisiert das.

  • Die bayerische Staatsregierung will in dieser Woche die Impfpriorisierung für Hausärzte aufheben.
  • Der Freisinger Ärzesprecher Georg Miedl kritisiert das: Der „Willensdruck“ der Patienten auf die Ärzte werde dann noch größer.
  • Ärger auch im Impfzentrum: Immer mehr Bürger wollen aus Urlaubsgründen ihren Termin verlegen.

Landkreis Freising - Für den Freisinger Ärztesprecher Georg Miedl ist die Aufhebung der Impfpriorisierung ein „Bärendienst für die Ärzte und die Bevölkerung“. Die Politik habe damit wohl sozialen Frieden schaffen wollen, vermutet Miedl. „Aber erreicht wird das genaue Gegenteil. Denn hier wird den Menschen etwas vorgemacht, was einfach nicht umsetzbar ist. Denn diese Neuregelung bringt uns nicht ein Impffläschen mehr – und damit keinen Fortschritt.“

Das Problem, das Miedl nun auf sich und alle anderen Hausärzte zukommen sieht: „Der Willensdruck der Patienten wird jetzt noch größer“. Ärzte hätten ihm schon signalisiert, dass bei ihnen die Grenze des Zumutbaren schon erreicht sei. Jetzt müssten sie aber noch mehr Zeit damit verbringen, Impfwilligen zu erklären, warum sie derzeit noch keinen Corona-Schutz erhalten könnten. „Damit wird die Aufhebung der Impfpriorisierung zum zusätzlichen Hemmschuh.“

Auch der BRK-Chef versteht die Maßnahme „überhaupt nicht“

Albert Söhl, als BRK-Kreisgeschäftsführer mitverantwortlich für das Impfzentrum, sieht es genauso. „Warum man das jetzt nicht einfach so weiterlaufen kann wie bisher, verstehe ich überhaupt nicht. Die Ärzte erleben ja jetzt schon einen Ansturm, dass sie kaum noch wissen, wo ihnen der Kopf steht.“

Miedl stellte klar, dass die Ärzte sich das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen ließen. „Wir rufen an, wir laden ein.“ Und das werde auch künftig bei den derzeitigen Liefermengen möglichst nach Priorisierung geschehen. Lediglich wenn unerwartet Vakzin übrig bleibe, würde man ihn auch an Jüngere verabreichen.

Etliche Bürger wollen ihren Impftermin verschieben - aus Urlaubsgründen

In den kommenden beiden Wochen stehen bei den Hausärzten – wie auch im Impfzentrum – ohnehin vor allem Zweitimpfungen an, erklärt Miedl. „Da werden wir nur minimal Impfstoff für Erstimpfungen erhalten.“

Mit einer anderen Art der Erwartungshaltung hat es das Impfzentrum Freising in jüngster Zeit verstärkt zu tun. Etliche Menschen versuchen, ihren Impftermin zu verlegen, um Kollisionen mit dem geplanten Urlaub zu vermeiden. „Das ist das allergrößte und allerschlimmste Problem, das wir derzeit haben“, berichtet Söhl und stellt klar: „Die Verlegung eines Impftermins gibt es nur aus gesundheitlichen Gründen und mit einem entsprechenden Attest.“

Söhl warnt: „Dann ist der Termin eben weg“

Ein Beispiel: Kürzlich fiel der Termin einer Zweitimpfung für einen Freisinger auf den Tag, an dem zugleich eine Herz-OP für ihn angesetzt war. „Da haben wir die Impfung natürlich gerne nach vorne geschoben.“ Für alle, die erwägen, ihren Impftermin aus Urlaubsgründen verstreichen zu lassen, macht Söhl unmissverständlich klar: „Dann ist der Termin eben weg.“

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