Nikolaus im Hubschrauber
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Mit dem Helikopter steuerte Santa Claus im Dezember 1952 vom Erdinger Air Depot der US-Armee aus Freising an. Insgesamt flogen sechs Santas in ihren Hubschraubern 97 bayerische Waisenhäuser an.

Santa Claus kam 1952 aus der Luft zu Freisinger Kindern

Nikolaus im Hubschrauber: Fast 70 Jahre altes Freising-Video aufgetaucht - wer erkennt sich wieder?

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Mit dem Hubschrauber kam Santa Klaus 1952, um Freisinger Kinder zu beschenken. Das 68 Jahre alte Video dazu ist jetzt wieder aufgetaucht - und hier zu sehen.

  • 1952 fand in Freising „Operation Christmas“ statt: US-Soldaten kamen als Nikolaus verkleidet mit dem Hubschrauber zu Kindern.
  • Ein Film, der jetzt wieder aufgetaucht ist, zeigt Szenen von der damaligen Aktion.
  • Das Landratsamt sucht Menschen, die sich selbst oder andere auf den Filmaufnahmen wiedererkennen.

Freising – Gespannte Erwartung herrschte am 5. Dezember 1952 in Freising: Der heilige Nikolaus hatte sein Kommen angekündigt. Für diese Jahreszeit wäre das an und für sich nichts Besonderes gewesen. Der heilige Wohltäter nutze aber erstmals ein hochmodernes Verkehrsmittel: einen Hubschrauber.

Dutzende von Kindern und Jugendlichen waren ab 11 Uhr auf das ehemalige Werksgelände der alten Ziegelei Steinecker in Freising geströmt, um den Nikolaus zu empfangen. Heute steht dort das Marriot Hotel. Doch der Nikolaus hatte umdisponiert. Deshalb ging es hinauf zum Pallotti-Heim, wo sich bereits die Schwestern des Kinderheims mit ihren Zöglingen und die Waisenhausreferentin Hella Kirchberger eingefunden hatten.

Unter dem Jubel der Kinder landete Nikolaus den Helikopter

Um 12 Uhr war es endlich soweit: Unter dem Jubel der Kinder schwebte Sankt Nikolaus mit einem Helikopter der US-Armee ein. In der sogenannten Goldfischglaskabine des Hubschraubers vom Typ Bell 47 konnte man ihn schon von Weitem gut erkennen: Es war diesmal nicht der fromme Bischof mit Stab und Mitra, sondern ein draufgängerischer Santa Claus, der Freising seine Aufwartung machte. Angetan mit einem langen Bart steuerte er in rot-weißer Montur höchstpersönlich das Luftfahrzeug.

Die spektakuläre Landung des Weihnachtsmannes in Freising bildete 1952 den Start der „Operation Christmas“ in Bayern. 

Die spektakuläre Landung des Weihnachtsmannes in Freising bildete im Jahr 1952 den Start der „Operation Christmas“ in Bayern. Die Benefizaktion wurde erstmals in diesem Jahr weltweit von der US-Air Force durchgeführt. Daran erinnert übrigens die romantische Komödie „Alles Gute kommt von oben“, die kürzlich beim Streaming-Dienst Netflix erschienen ist. Die „Operation Christmas“ kam elternlosen und bedürftigen Kindern zu Gute. Sie erhielten von den US-Militärs Lebensmittel und Spielsachen. Während über den Inseln des Pazifik die Air Force ihre Geschenke abwarf, bescherten in Deutschland Piloten in Gestalt des Santa Claus die Kleinen.

Eine Hollywood-Schauspielerin zog mit die Fäden

Die Projektleitung für Bayern teilten sich zivile und militärische Kräfte. Chester S. (Jim) Wright, Beauftragter der US- Regierung für München, hatte die Idee aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland gebracht. In den USA beschenkten nämlich bereits seit 1914 Wohltätigkeitsorganisationen unter dem Motto „Give every child a Christmas“ Kinder aus armen Familien alljährlich zur Weihnachtszeit. Colonel Ben Funk, Kommandeur des Erdinger Air Depot, und seine Frau Judy, die früher als Schauspielerin in Hollywood gearbeitet hatte, planten die strategische Umsetzung. Und so erhoben sich in den ersten Dezemberwochen des Jahres 1952 sechs Helikopter vom Erdinger Air Depot der US-Armee in die Lüfte. Insgesamt 97 bayerische Waisenhäuser sollten angeflogen und etwa 10 000 Kinder bedacht werden.

Mr. Wright und Colonel Funk ließen es sich nicht nehmen, bei der Auftaktveranstaltung der Bescherungsaktion in Freising mit dabei zu sein. Bereitwillig stellten sie sich den Fragen der Journalisten. Und die waren in großer Besetzung nach Freising gekommen. Neben den Vertretern der Lokalpresse hatte sich ein Radioreporter des Bayerischen Rundfunks nach Freising begeben.

Die Redaktion der Wochenschau „Welt im Bild“ entsandte ein Kamerateam nach Freising, das die Ereignisse filmte. Bereits am nächsten Tag lief der Beitrag in den deutschen Kinos. Dieser 40-sekündige Film hat sich bis heute im Bundesarchiv erhalten. Das interessante Zeitdokument ist auf dem YouTube-Kanal des Landratsamtes Freising unter https://lrafs.de/nikolaus zu sehen.

Colonel Funk machte in den folgenden Jahren Karriere bei der US-Armee und brachte es bis zum Generalmajor. Nach seiner Militärzeit arbeitete er für die Raumfahrtindustrie. Hochbetagt starb Ben Funk mit 98 Jahren im Jahr 2012.

Wer erkennt sich auf den Fotos?

Strahlende Augen: Über die Packerl freuten sich die Kinder. Manch einer aber hatte auch sichtlich Respekt vor Santa Claus.

Was aus den Freisinger Kindern wurde, die mit Begeisterung und Ehrfurcht die Geschenke des Santa Claus entgegennahmen, ist noch nicht bekannt. Wer die gefilmten und fotografierten Personen oder sogar sich selber erkennt, wird gebeten, sich ans Landratsamt zu wenden per E-Mail an besucherdienst@kreis-fs.de. Es wartet eine kleine Überraschung.

Bernd Feiler, Kreisheimatpfleger

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