Ein Mann hält ein Messer.
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Unter anderem mit einem Messer versetzte ein Koch Menschen am Freisinger Bahnhof in Angst und Schrecken.

Urteil nach „filmreifen Szenen“

Amoklauf mit Messer und Beil: „Zombie“-Koch droht Taxi-Fahrerin mit dem Tod

Mit Messer und Beil hat ein Mann Menschen am Freisinger Bahnhof zu Tode erschreckt. Jetzt stand er wegen seiner „filmreifen Szenen“ vor Gericht.

Freising – Die Polizei schrieb dem Ganzen einen terroristischen Hintergrund zu, als am 16. Oktober 2020 gegen 20.30 Uhr gemeldet wurde, dass zwei Männer mit Hackebeil und Küchenmesser den Freisinger Bahnhof aufmischen würden. Deswegen rückte sogar das SEK aus. Laut Aussage eines Taxifahrers im Prozess am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Landshut spielten sich „filmreife Szenen“ ab.

Eine Horde Menschen sei mit Geplärr“ an seinem Taxi vorbeigerannt – ein Mann mit Beil hinterher. Dann sei der Angeklagte mit dem Messer gekommen. „Wie ein Zombie“ sei er gegangen, schilderte der Taxifahrer.

Kurz darauf seien beide Männer zurückgekommen und hätten in sein Taxi einsteigen wollen. Er habe aber abgelehnt: Denn der eine sei voller Blut gewesen und hätte ihm nur das Taxi schmutzig gemacht. Wie sich dann herausstellte, stammte das Blut von den Männern selbst. Im Vollrausch hatten sich die beiden Köche mit Messer und Beil selbst verletzt. Ein Alkotest ergab damals Werte von 1,93 beziehungsweise 2,29 Promille.

Mit blutverschmierten Händen droht der Koch, die Taxifahrerin zu töten

Laut Anklage waren die Männer auf eine Gruppe Menschen zugelaufen. Dabei sollen sie Messer und Beil gut sichtbar in den Händen gehalten haben. Die Gruppe ergriff die Flucht, die Köche verfolgten sie. Zudem beschimpften und bedrohten sie die Flüchtenden, wobei laut Anklage aber stets ein Abstand von zehn bis 15 Metern bestanden habe. Erst als die Sirenen der Polizei zu hören waren, gaben sie die Verfolgung auf. Eine Taxifahrerin erlebte dann noch bange Sekunden, als einer der Köche seine blutverschmierten Händen an die Taxischeibe klatschte und drohte, die Fahrerin zu töten.

Einer der Köche ist zwischenzeitlich untergetaucht. „Ich kann dazu leider nicht viel sagen“, meinte der andere in der Verhandlung und machte einen alkoholbedingten Blackout geltend. Er wisse nur noch, dass er an dem Tag mit seinem Mitbewohner drei Flaschen Wodka getrunken habe, so der 22-jährige Münchner, der wegen Bedrohung angeklagt war. Er sei „frustriert“ gewesen, weil er seinen Job verloren hatte. Er hatte an dem Tag seinen Arbeitsplatz räumen müssen. Warum er und sein Mitbewohner Messer und Beil bei sich hatten, wisse er aber nicht.

Zeuge findet, die Polizei habe die Stimmung am Bahnhof „aufgebauscht“

Eine Polizistin bezeichnete die Stimmung am Bahnhof als aufgewühlt. Erst später habe sich herausgestellt, dass man von einem Amoklauf weit entfernt gewesen sei. „Das wurde von der Polizei aufgebauscht“, sagte der Taxifahrer auf die Frage von Richterin Cornelia Görgner, wie er „auf einer Skala von null bis zehn“ die Angst der Leute einschätzen würde. „Ich habe mich jedenfalls nie bedroht gefühlt.“ Eine Massenpanik sei zwar nicht aufgekommen, resümierte die Staatsanwältin, aber es habe eine bedrohliche Situation geherrscht. Eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten sei deshalb tat- und schuldangemessen.

„Die Bedrohungslage war so schlimm nicht“, kommentierte Verteidiger Michael Pencze. Er wies zudem darauf hin, dass sein Mandant erst als Zweiter der Gruppe gefolgt sei und der Abstand somit schon um die 20 Meter betragen habe müssen. Gleichwohl bereue es sein Mandant, dass er all „diese Umstände“ verursacht hat. Michael Pencze beantragte daher eine Bewährungsstrafe von drei Monaten.

Richterin: „Man läuft ja nicht umsonst weg“

Richterin Görgner verhängte schließlich eine Bewährungsstrafe von vier Monaten. Das Handeln des Angeklagten sei „potenziell sehr gefährlich“ gewesen. Es sei dunkel gewesen, da hätte schon jemand überreagieren und ein Polizist einen Schuss abgeben können – und schon hätte man „das schönste Chaos“ gehabt. Und auch wenn der Taxifahrer besonnen geblieben sei: Die anderen hatten durchaus Angst, war sich Görgner sicher: „Man läuft ja nicht umsonst weg.“ (kö)

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