Gewalt gegen Frauen
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Ein Freisinger (53) ist auf einen Elfjährigen losgegangen und beleidigte ihn rassistisch. 

Freisinger wegen Körperverletzung vor Gericht

Mann packt Buben (11) am Hals und beleidigt ihn - „Das nächste Mal zünde ich dich an!“

  • vonAndreas Sachse
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Weil er vermutete, dass ein Bub sein Auto beschädigt hatte, packte ein Freisinger den Elfjährigen am Hals, zerrte ihn herum und beleidigte ihn rassistisch.

  • Ein Elfjähriger soll das Auto eines Freisingers mit einem Gegenstand beworfen haben.
  • Der Mann packte den Buben am Hals und beleidigte ihn rassistisch.
  • Der 53-Jährige wurde jetzt verurteilt.
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Freising – Das „Jedermannsrecht“ erlaubt es, einen Verdächtigen festzuhalten, bis die Polizei kommt. Davon machte im Oktober 2019 ein 53 Jahre alter Freisinger Gebrauch: Weil er vermutete, dass ein Bub sein Auto beschädigt hatte, packte er den Elfjährigen am Hals, zerrte ihn herum und beleidigte ihn rassistisch. Das Amtsgericht Freising befand, dass der Mann völlig überzogen reagiert hatte. Er wurde wegen Körperverletzung und Beleidigung verurteilt.

Angeklagter soll gedroht haben: „Das nächste Mal zünde ich Dich an!“

Der Angeklagte soll den Buben, der aus einem nicht näher benannten afrikanischen Land stammt, nicht nur minutenlang am Hals gepackt haben. Zeugen bestätigten, dass er dem Elfjährigen im Anschluss drohte: „Das nächste Mal zünde ich Dich an! Dann kannst Du nach Afrika zurückschwimmen und dort Autos verbrennen.“ Der 53-Jährige bestand darauf, bloß gesagt zu haben: „Dann kannst Du in Dein verbranntes Land zurück!“ Das Gericht sah auch hierin eine rassistische Beleidigung.

Opfer (11) berichtet: „Ich habe gebettelt, er soll mich loslassen“

Zweieinhalb Monate nachdem in den USA ein Polizist dem Schwarzen George Floyd sein Knie fast neun Minuten auf den Hals gedrückt und der Mann dadurch letztlich erstickt hat, erinnert der Vorfall, der nun in Freising verhandelt wurde, ein wenig an das tragische Ereignis in Minneapolis.

Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, mit seiner rechten Hand den Hals des Buben gepackt zu haben. Als der 53-Jährige das Kind zu seinem Auto gezerrt habe, soll sich der Griff automatisch geschlossen haben. Der Junge habe verzweifelt gebeten, von ihm abzulassen: „Ich habe gebettelt, er soll mich loslassen.“

Zwei Minuten soll der Mann den Jungen so festgehalten haben, der Bub selbst sprach von drei bis vier Minuten. Während der Prozedur soll der 53-Jährige ihm mit einer Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet haben. Als er ihn schließlich wieder losließ, „bin ich weinend zu meinem Fahrrad zurück“, berichtete der Junge.

Der 53-Jährige gab an, zuvor vom Fenster aus beobachtet zu haben, wie der Elfjährige mit zwei Freunden die Straße entlang radelte. Unmittelbar unter seinem Küchenfenster soll der Bub eine Flasche auf den Wagen geschleudert und Reißaus genommen haben. Der Angeklagte teilte dem Gericht mit, sich erinnert zu haben, dass ihm erst unlängst die Kennzeichen vom Auto gestohlen worden waren. „Dass ich den Jungen zur Rede gestellt habe, ist meiner Meinung nach okay.“

Angeklagter beruft sich auf „Jedermannsrecht“

Der Freisinger berief sich auf Paragraf 127 der Strafprozessordnung, auf das sogenannte Jedermannsrecht, wonach Verdächtige von jedermann vorübergehend festgenommen werden dürfen, sollten diese, auf frischer Tat ertappt, fliehen wollen. Trotz Kfz-Versicherung sei der Freisinger bei 500 Euro Selbstbeteiligung nicht vom Haken. Daher habe er das Recht gehabt, den Jungen festzuhalten.

Offen indes ist, ob der Elfjährige wirklich fliehen oder nur zurück zu seinem Rad wollte. Eine Nachbarin widersprach dem Angeklagten. Zeugen bestätigten zudem die Aussage des Jungen, wonach er keine Plastikflasche, sondern Bonbonpapier auf das Auto geworfen habe. Angeblich habe er den Abfalleimer hinter dem Wagen treffen wollen. Das glaubte das Gericht jedoch nicht: Der Mülleimer war außer Reichweite.

Freisinger mehrfach vorbelastet

In den Augen der Justiz reagierte der 53-Jährige völlig unangemessen, denn auch für Paragraf 127 gilt die Maßgabe der Verhältnismäßigkeit. „Es ist sicher Quatsch, einen 40 Meter entfernten Abfalleimer mit Bonbonpapier treffen zu wollen“, sagte der Richter, „Doch zwei Minuten am Hals packen und durch die Gegend ziehen, das geht gar nicht.“ Demnach hätte es gereicht, den Jungen am Arm zu fassen. Für das Gericht stand zudem fest, dass der Angeklagte den Elfjährigen rassistisch beleidigen wollte – egal, ob er von „verbranntem Land“ gesprochen oder gedroht habe: „Nächstes Mal verbrenne ich Dich“. Der Richter fand deutliche Worte. „Sie wollten das Opfer in seiner Herkunft herabwürdigen. Das ist rassistisch.“

Der Angeklagte, der unter anderem wegen Betrugs und ausstehenden Unterhalts mehrfach vorbelastet ist, wurde wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe über 1800 Euro verurteilt. Zudem wurde ihm sein Waffenschein entzogen.

Bei einem Spiel der C-Junioren des SE Freising ist es zu einem Rassismus-Eklat gekommen. Die Spieler wurden von Zuschauern und Gegnern übelst beschimpft. Die streiten alles ab.

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