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Hauen und Stechen um die „Dritte“: Ansturm auf Freisinger Impfzentrum hat begonnen - Kritik an Politik

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Von: Manuel Eser

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Älterer Herr beim Impfen
Die Nachfrage nach Drittimpfungen wird am Impfzentrum Freising immer größer. Deshalb wird der Betrieb schnellstmöglich wieder hochgefahren. © Lehmann

Die vierte Coronawelle hat am Impfzentrum Freising einen Ansturm ausgelöst. Das Callcenter ist überlastet, der Vize-Leiter hat eine Bitte an die Bürger.

Freising – Die Infektionszahlen schießen in die Höhe, die Intensivstation ist überbelegt, und auch die Impfbereitschaft geht wieder deutlich nach oben: Wie Hubert Böck, stellvertretender Leiter des Freisinger Impfzentrums dem FT mitteilt, sorgt die harte vierte Corona-Welle zu einem großen Ansturm aufs Impfzentrum.

Zwar gebe es hier keine Bilder wie etwa in Augsburg, wo Riesenschlangen am Wochenende draußen in der Kälte auf einen immunisierenden Pieks warteten. „Bei uns läuft es relativ koordiniert ab, weil bei uns Impfungen inzwischen wieder nur mit Termin möglich sind“, berichtet Böck. „Aber unser Callcenter ist gut überlastet. Die Leute drängen auf Termine – lieber heute als morgen.“ Bei den meisten Anrufern gehe es um das Boostern, aber es komme auch vermehrt wieder zu Nachfragen nach Erstimpfungen.

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Der neuen Dynamik kann das Impfzentrum aber erst ab kommender Woche Rechnung tragen. Denn am 23. November wird der neue Impfstoff bestellt – angepasst an den deutlich gestiegenen Bedarf. „Wir wollen den Betrieb wieder auf rund 500 Impfungen pro Tag hochfahren“, betont Böck. Zum Vergleich: Derzeit erhalten etwa 170 Menschen täglich eine Spritze.

Es ist ja schön, dass sich Politiker dazu berufen fühlen, ständig neue Strategien auszurufen, aber dann müssen sie das auch in Vorgaben ummünzen.

Hubert Böck, stellvertretender Leiter des Impfzentrums

Um die Steigerung leisten zu können, ist auch wieder deutlich mehr Personal nötig als zuletzt. „Wir sind gerade dabei, alle Helfer wieder zusammenzutrommeln“, berichtet der stellvertretende Leiter des Impfzentrums. Ob Ärzte oder ehrenamtliche Helfer – alle werden händeringend gebraucht. Zudem hofft Böck auf Unterstützung durch die Bundeswehr.

Kritik an Politik: „Hat halt nicht zugehört“

Und die Politik macht weiter Tempo. Inzwischen will Ministerpräsident Markus Söder die Booster-Impfung nicht erst nach sechs, sondern schon nach fünf Monaten ermöglichen – und dürfte damit das Hauen und Stechen um die Drittimpfung intensivieren – sehr zum Ärger von Böck: „Es ist ja schön, dass sich Politiker dazu berufen fühlen, ständig neue Strategien auszurufen, aber dann müssen sie das auch in Vorgaben ummünzen.“

Bürger sollen sich, wenn möglich, online anmelden

Gedankenspiele des Ministerpräsidenten, den Impfstatus abzuerkennen, wenn zwischen Zweit- und Drittimpfung eine zu lange Pause liegt, führen bei Böck ebenfalls zu Kopfschütteln. Die Politik habe schlichtweg zu spät reagiert. „Wissenschaftler sagen schon lange, dass es zur Immunisierung drei Spitzen braucht. Das ist bei fast jeder Impfung so, warum sollte das bei Corona anders sein? Aber die Politik hat halt nicht zugehört.“

Um jetzt weiter koordiniert arbeiten zu können, bittet Böck, sich – wie vor der Erstimpfung auch – wieder online anzumelden. Die Telefonleitungen seien schlichtweg überlastet. „Und es ist auch nicht so, dass man telefonisch schneller einen Termin bekommt. Denn unsere Mitarbeiter im Callcenter müssen auch online schauen, wann für den Anrufer ein Termin frei ist.“ Die Hotline sei in der Hauptsache als Service für ältere Menschen gedacht, die mit dem Internet nicht so firm seien.

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