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Kritischer Geist statt plumper Parolen: Antisemitismusbeauftragter diskutiert mit Freisinger Schülern

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Von: Andreas Beschorner

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Sprang für die erkrankte Charlotte Knobloch ein: Oberstaatsanwalt Andreas Franck diskutierte mit Schülerinnen und Schülern des Camerloher-Gymnasiums viele Fragen zum Thema Antisemitismus.
Sprang für die erkrankte Charlotte Knobloch ein: Oberstaatsanwalt Andreas Franck diskutierte mit Schülerinnen und Schülern des Camerloher-Gymnasiums viele Fragen zum Thema Antisemitismus. © Lehmann

Seit Jahren steigt die Zahl antisemitischer Straftaten. Nun hat ein Oberstaatsanwalt Freisinger Schüler für das Thema sensibilisiert.

Freising – „Impfen macht frei“: Sind solche und ähnliche Parolen strafbar? Sind solche Vergleiche zwischen Einschränkungen während der Corona-Pandemie und dem Holocaust strafrechtlich relevant? Ja, sagt die Bayerische Justiz. Das war nur eine von vielen spannenden Fragen, denen am Donnerstag die neunten und zehnten Klassen des Freisinger Camerloher-Gymnasiums beim Projekttag „Antisemitismusprävention“ nachgingen und über diverse Aspekte diskutierten.

Auf den Vortrag von Charlotte Knobloch, der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, mussten die Schüler allerdings verzichten. Die 89-jährige Überlebende des Holocaust, die angekündigt war, befindet sich in Isolation und kuriert ihre Infektion aus, wie Schulleiterin Andrea Bliese mitteilen musste. Doch auch ohne die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und frühere Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses waren Vortrag und Gespräch in der Aula eine aufschlussreiche, interessante, manchmal auch brisante Angelegenheit.

Zahl der antisemitischen Straftaten hat sich in wenigen Jahren mehr als verdoppelt

Oberstaatsanwalt Andreas Franck, seit Oktober 2021 Antisemitismusbeauftragter der Bayerischen Justiz, war gekommen und zeigte sich zunächst begeistert über den „kritischen Geist“, den die Schüler in den vorangegangenen Workshops gezeigt hätten. „Da ist mir um die Zukunft unseres Landes nicht bange.“ Und das, obwohl seit 2016 eine beunruhigende Entwicklung zu beobachten sei, weil die Zahl der antisemitischen Straftaten in Bayern von rund 200 kontinuierlich auf 510 im Jahr 2021 angestiegen sei. Mit ein Grund dafür, einen Antisemitismusbeauftragten zu berufen.

Man will, so Franck, als Justiz „Zeichen setzen“ – zum einen, um Juden in Deutschland zu zeigen, dass die Justiz fest an ihrer Seite stehe, zum anderen, um Straftätern zu zeigen, dass man sie streng verfolgen werde. Und: „Wir sensibilisieren.“ Es gehe nicht an, die Geschichtsbücher einfach zuzuklappen und zu sagen, das Thema sei „erledigt“.

Antisemitismusbeauftragter sensibilisiert für den richtigen Weg

Jene Sensibilisierung war es auch, für die Franck ins Camerloher-Gymnasium gekommen war: Antisemitische Parolen oder auch Bilder seien geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören – und damit eine Straftat. Deshalb der Appell und die Warnung an die Jugendlichen: Wenn solche Äußerungen etwa im Internet oder in den Sozialen Medien auftauchten, „nicht liken“, sondern „Daumen nach unten“. Und schon gar nicht weiterleiten, denn auch das sei eine Straftat, bei der es „ungemütlich“ werden könne – Hausdurchsuchung und Gerichtsverfahren inklusive.

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Nachdenken, sich darüber Gedanken machen, Einhalt gebieten, es der Polizei melden: Das sei der richtige Weg, betonte Franck. Denn Extremisten würden versuchen, über solche Wege zu erreichen, „dass man es doch gar nicht mehr so schlimm findet“. Nach dem Präventionstag und dem „kritischen Geist“ der Schüler zu schließen, besteht diese Gefahr am Camerloher-Gymnasium aber mit größter Wahrscheinlichkeit nicht.

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