Ein Auszubildender an einer Maschine.
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Im Handwerk würde sich Kreishandwerksmeister Martin Reiter über zusätzliche Auszubildende sehr freuen. Symbolbild

Trotz Pandemie

Zum Glück kein „Corona-Jahrgang“: Arbeitsagentur, IHK und BSZ ziehen zum Ausbildungsstart positives Fazit

Zum Herbstbeginn starteten zahlreiche Freisinger Jugendliche als Azubi in einem Betrieb der Region. Trotz Corona sind die Verantwortlichen mit dem Ausbildungsstart zufrieden.

Landkreis – Zum Herbstbeginn starteten zahlreiche Freisinger Jugendliche als Azubi in einem Betrieb der Region. Turbulente Monate liegen hinter ihnen: Aufgrund der Corona-Pandemie mussten Prüfungen verschoben werden, Berufsberater verlegten ihre Gespräche von der Schule ins Internet, Infomessen wurden abgesagt, Bewerbungsverfahren verzögerten sich, und so weiter.

Ausbildungsbereitschaft weiterhin hoch

„Doch trotz aller Unsicherheiten und Veränderungen blieb auch einiges beim Alten“, berichtet Nikolaus Windisch, Chef der Agentur für Arbeit Freising. „Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe im Landkreis war in den letzten Monaten insgesamt weiterhin hoch. Die Zahl der Ausbildungsstellen, die im Berufsberatungsjahr 2019/2020 bei der Arbeitsagentur gemeldet waren, sei im Vergleich zum Vorjahr nur leicht rückläufig.“ Ebenfalls positiv: Wieder konnten fast alle Jugendlichen pünktlich in eine berufliche oder schulische Ausbildung starten. „Einen ,Corona-Jahrgang‘ sehen wir hier glücklicherweise nicht.“

Die Freisinger Betriebe meldeten 1121 zu besetzende Ausbildungsstellen, 78 Stellen weniger als im Jahr zuvor. Zum Ausbildungsstart waren 222 Stellen unbesetzt, 32 mehr als vor einem Jahr. Zugleich meldeten sich 907 junge Frauen und Männer zur Ausbildungssuche, 107 weniger als im Vorjahr. Davon waren zum Ausbildungsbeginn noch 14 ohne berufliche oder schulische Perspektive. „Jugendliche, die bisher keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben, sollten sich aber nicht entmutigen lassen. Viele Unternehmen stellen Azubis auch noch nach dem regulären Ausbildungsstart ein“, erläutert Harald Brandmaier, Leiter der Freisinger Berufsberatung.

Zum Ausbildungsbeginn waren noch offene Ausbildungsstellen in unterschiedlichen Bereichen gemeldet. Gesucht wurden etwa angehende Kaufleute im Einzelhandel, Lagerlogistikfachkräfte, Kaufleute für Speditions- und Logistikdienstleistungen, Fleischereifachverkäufer und Zahnmedizinische Fachangestellte.

Das Handwerk

Freisings Kreishandwerksmeister Martin Reiter würde sich über zusätzliche Auszubildende sehr freuen. Insgesamt wurden im Handwerk im Landkreis seit Jahresbeginn 277 Lehrverträge abgeschlossen, 31 Verträge oder rund zehn Prozent weniger als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. „Bei den Berufen, die in der Kreishandwerkerschaft Freising organisiert sind, verzeichnen wir aber in fast jeder Sparte eine Mehrung: am Bau, bei den Fahrzeuglackierern, den Bäckereifachverkäufern, den Malern, Schreinern, Zimmerern und Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik,“ berichtet Reiter. Die Obermeister seien seit Jahren sehr engagiert dabei, Ausbildungsberufe vorzustellen.

Die IHK

Etwas stärker rückläufig ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bereich der Industrie- und Handelskammer: 512 neue Auszubildende starteten in den Betrieben im Kreis Freising, 21,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Bildungspolitischer Sprecher Hubert Schöffmann sagt: „Corona hat den bayerischen Ausbildungsmarkt nicht verschont und führt im Ergebnis neben anderen Faktoren zu sinkenden Neueintragungszahlen im IHK-Bereich.“

Der Ausbildungsmarkt zeigte sich trotzdem als robust und aufnahmefähig. Die Unternehmen setzten zur Fachkräftesicherung weiterhin auf die betriebliche Ausbildung. Herausforderungen seien die der Stabilisierung und der Ausbau auf der Nachfrageseite.

BSZ Freising

Am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum mit der Berufsfachschule für Kinderpflege, der Fachakademie für Sozialpädagogik sowie der Berufsschule werden in diesem Schuljahr 2388 junge Frauen und Männer unterrichtet. Die Zahlen sind damit insgesamt leicht rückläufig. Der Unterricht in Fachklassen für Wirtschaft und Verwaltung, Elektro- und Informationstechnik, Metalltechnik und Nahrungsberufe. Von den neu aufgenommenen 864 Schülern haben 205 Jugendliche keinen Ausbildungsberuf. Sie werden in schulischen Vollzeitangeboten unterrichtet.

Schüler mit Fluchthintergrund ohne Ausbildungsberuf besuchen Berufsintegrationsklassen. Zusätzlich neu eingerichtet wurde eine „Neustart-Klasse“ für Jugendliche mit besonderen persönlichen Problemlagen. „Unser Ziel ist es, diese Jugendlichen durch ein vollzeitschulisches Bildungsangebot wieder an die Gesellschaft und den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heranzuführen,“ erläutert Schulleiter Daniel Spreng.

Stabile Zahlen in den Bereichen Fleischerei und Bäckerei

In das erste Ausbildungsjahr am BSZ sind 134 Auszubildende weniger als im vergangenen Schuljahr aufgenommen worden. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Industrie- und Feinwerkmechanikern, den Kaufleuten für Speditions- und Logistikdienstleistungen sowie bei den Kaufleuten für Büromanagement. Ein leichter Rückgang ist bei den Industriekaufleuten zu verzeichnen.

Stabile Zahlen gibt es in den Bereichen Fleischerei und Bäckerei sowie im Einzelhandel, bei Anlagenmechanikern, Kfz-Mechatronikern und Fachinformatikern. Einen leichten Anstieg gibt es bei den Elektronikern. Derzeit noch stabil sind die Zahlen bei den Servicekaufleuten im Luftverkehr, da zum Lockdowns im Frühjahr bereits die Ausbildungsverträge abgeschlossen waren.

Leicht rückläufig sind die Schülerzahlen an der Staatlichen Berufsfachschule für Kinderpflege: Hier werden 107 Schülerinnen und Schüler in vier Klassen beschult – neun weniger als im Vorjahr. An der Fachakademie für Sozialpädagogik kann hingegen mit 130 Studierenden ein Zuwachs von 18 Personen verzeichnet werden. Der 2019 eingeführte Ausbildungsgang „OptiPrax“ für Fachabiturienten und Abiturienten sei auch diesmal gut angenommen worden. Insgesamt absolvieren derzeit 36 Studierende diese dreijährige Erzieherausbildung in Vollzeit mit Theorie- und betreuten Praxisphasen.

Ungewisse Zukunft aufgrund der Pandemie

„Eine abgeschlossene Ausbildung ist für junge Menschen der Grundstein für ein erfolgreiches Berufsleben. Für Betriebe ist der eigene qualifizierte Nachwuchs eine wichtige Voraussetzung für den Fortbestand des Unternehmens. Auch in schwierigen Zeiten wie diesen ist es deshalb unerlässlich, in die Ausbildung junger Menschen zu investieren“, fasst Arbeitsagentur-Chef Windisch zusammen. Die Bilanz für das Berufsberatungsjahr falle angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen insgesamt positiv aus. Vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen sei eine Prognose für die weiteren Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt aber schwierig. ft

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