Michael Eberwein wartete mit einem hoch ambitionierten Vortrag auf. Sein Ziel: Auch einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Menschen teilhaben lassen, wie so eine Bundestagswahl im Landkreis abläuft.
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Michael Eberwein wartete mit einem hoch ambitionierten Vortrag auf. Sein Ziel: Auch einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Menschen teilhaben lassen, wie so eine Bundestagswahl im Landkreis abläuft.

Freisings Wahlleiter Michael Eberwein analyisiert

Briefwahl: Immer mehr Freisinger stimmen daheim ab - die Gründe liegen auf der Hand

Der Trend erreicht einen neuen Höhepunkt: Immer mehr Bürger geben ihre Stimme per Briefwahl ab. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Freising – Die nächste Bundestagswahl steht vor der Tür – also genau der richtige Zeitpunkt, um sich mit diesem Thema noch einmal genauer auseinanderzusetzen. Michael Eberwein, Leiter des Freisinger Wahlamts, hat sich am Montagabend Zeit genommen, um für Interessierte einen großen Bogen von den demokratischen Grundsätzen bis zu bis hin zu speziellen Regelungen zu spannen. Leider ließ das Interesse der Freisinger zu wünschen übrig, denn es kamen nur sieben Gäste zu der Veranstaltung im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie.

Trotz des mangelnden Interesses am demokratischen Grundsatzwissen wartete Eberwein mit einem hoch ambitionierten Vortrag auf. Sein Ziel: Auch einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Menschen teilhaben lassen, wie so eine Bundestagswahl im Landkreis abläuft.

Insgesamt 320 Wahlhelfer engagieren sich in Freising

Dabei gelang Eberwein aber auch, spannende Rückblicke zu liefern, die von dem meisten Menschen vermutlich längst wieder vergessen worden sind – beispielsweise den Unterschied zwischen Mehrheits- und Verhältniswahl, und wann das überhaupt genau losging mit dieser Art zu wählen. Gerade für Erstwähler wäre Eberwein mit seinem Vortrag der Mann der Stunde, denn bis ins Detail erklärte er am Beispiels Freising auch, wieviel Arbeit für Helfer in einem Wahlsonntag steckt. 14 Stimmbezirke hat die Stadt Freising, dazu kommen dann noch die Ortsteile - je nach Wahl unterscheidet sich allerdings die Anzahl der Wahllokale deutlich. Grund: Bei einer Kommunalwahl steigt mit dem Aufwand der Auszählung auch die Zahl der Wahllokale.

Für die Bundestagswahl heuer wird es in Freising 20 Wahllokale und 20 Briefwahllokale geben. Für jedes Wahllokal werden 8 Wahlhelfer benötigt - insgesamt also 320 Freiwillige, die am 26. September auf den Beinen sein werden. Soviel hatten wir noch nie, betonte Eberwein.

Mehr als ein Drittel der Wähler stimmen per Briefwahl ab

Was es auch noch nie gab: Heuer gibt es mehr Freiwillige als nötig – für Eberwein eine höchst erfreuliche Entwicklung. Aber es sei auch eine ganz andere Entwicklung zu bemerken, die 2021 einen Höchststand erreicht habe. Immer mehr Freisinger wollen nicht mehr in ein Wahllokal gehen, sondern nutzen die Möglichkeit zur Briefwahl.

Zu den Zahlen der vergangenen Bundestagswahlen: 2009 gab es in Freising 7000 Briefwähler, 2013 bereits 8500 – vier Jahre später waren es dann schon 10 000 Bürger, die von daheim aus ihr Kreuzchen machten. Stand jetzt, drei Wochen vor der Wahl: 11 500 von 31 500 Wahlberechtigten wollen nicht mehr im klassischen Wahllokal vorstellig werden. Eberwein, der über diese hohe Zahl selbst überrascht ist, kann bezüglich der Gründe nur mutmaßen.

Corona spielt auch beim Wahlverhalten eine Rolle

Ein komplexer, großformatiger Wahlzettel, mit dem man sich vielleicht zuhause in Ruhe beschäftigen möchte, gibt es bei der Bundestagswahl ja gar nicht. Die Corona-Pandemie spiele aber seiner Meinung nach hier eine wichtige Rolle: Die Leute wollen einfach lieber zuhause bleiben. Wichtig sei vor allem für Auslandsdeutsche, so Eberwein, dass die Wahlunterlagen früh genug zurückgeschickt werden, da die Briefe oftmals weite Wege zurücklegen müssen - beispielsweise aus Amerika. Kommen sie zu spät in Freising an, so Eberwein, ist es „einfach Pech“.

Nach über einer Stunde Basiswissen und der Klärung von sehr speziellen Ausnahmeregeln, wie den Überhangmandaten, hatte auch Eberwein selbst noch einen Wunsch. Hochrechnungen nach bestehe nämlich durchaus die Möglichkeit, dass der neue Bundestag auf über 900 statt regulären 598 Mitglieder kommen werde – eben beispielsweise durch Überhangmandate. „Da sind wir federführend, in Europa gibt es kein größeres Gremium!“, so Eberwein. Eine Reformation sei hier seiner Meinung nach längst überfällig. (Richard Lorenz)

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