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Für strahlende Magie sorgten die Musiker beim Domkonzert am Samstag. Mehrere klein besetzte Ensembles, die im Gotteshaus verteilt wurden, sorgten unter Anleitung von Matthias Egger (r.) für ein Konzert jenseits des Gewohnten.

Musikalische Magie

Es ist ein Auftritt für die Geschichtsbücher: Freisinger erleben im Dom außergewöhnliches Konzert

Die Organisatoren des Domkonzerts am Samstag haben aus der Corona-Not eine Tugend gemacht. Mit einem kleinen Kniff haben sie einen großen Effekt erzielt.

Freising – Die kulturelle Fastenzeit aufbrechen und den Dom wieder mit Musik zum Leuchten bringen: Mit einer ganz neuen Idee gelang dem Dommusik-Direktor Matthias Egger am vergangenen Samstag ein glänzendes Musik-Erlebnis jenseits des üblichen Konzert-Events: Durch die Aufteilung der Ensembles im Dom erklangen sämtliche Interpretationen mit strahlender Magie.

Die Töne filigran und im natürlichen Echo-Spektrum des Doms – nie zuvor konnten Zuhörer die ganze Palette so deutlich und bedeutend wahrnehmen. Ein außergewöhnliches Konzept, das der Dom mit Vier*Klang damit auf die Beine gestellt hat, eigentlich ja nur, um die Corona-Abstandsregelungen gut umsetzen zu können. Gleichzeitig jedoch schufen die Musiker damit eine völlig neue Klangwelt: Das Bekannte wurde aufgebrochen und neu zusammengestellt, im Grunde eine akustische Meisterleistung par excellence.

Ensembles werden im Dom verteilt

Klein besetzte Ensembles wurden im Dom an verschiedenen Stellen verteilt, schon alleine damit konnte eine ganz andere musikalische Grundstimmung erschaffen werden. Aber auch die Auswahl der Stücke war für zwei einstündige Konzerte perfekt abgestimmt worden – keine Passion, sondern als Pasticcio gedacht, eine freie Sammlung, die dann aber doch der Zusammengehörigkeit gewidmet war.

Grundsätzlich war ja eigentlich die Nacht der Dom-Musik geplant gewesen, die aufgrund der Pandemie nicht durchgeführt werden konnte: Aus der Not war also jene Tugend entstanden, die doch so sehr glänzte, als wäre ein himmlischer Funke übergesprungen – ein Funke, der eigentlich nach Corona nicht erlöschen sollte.

Neuland auch beim Kartenvorverkauf 

„Schön, dass Sie hier sind – und immer noch da sind“, so formulierte es der Domrektor Prof. Mark-Aeilko Aris in seinen einführenden Worten. Die Ensembles an drei verschiedenen Stellen des Doms seien für Aris auch eine Premiere: Den vierten Klang müsse man im Publikum als Resonanzkörper suchen. 

Für den Domrektor auch völliges Neuland: Für beide Konzerte gab es keinerlei Vorverkauf, sondern nur Reservierungen. Nach dem Konzert sei es jedem Einzelnen überlassen, wie hoch die Spende betragen sollte, aber Aris gab dann doch einen Tipp aufgrund der langen Kunstpause: „6 zu 1 – überlegen sie, was sie geben wollten, und dann geben sie einfach den versechsfachten Wert!“

Mehr ein Gesamtkunstwerk als ein Konzert

Und wert war auf jeden Fall jeder gespendete Euro: Die Ensembles zentriert in die Dombläser, dem Holzbläser-Trio, dem Cantores de Monte docto und den Streichern – die Orgel meisterhaft in den Händen von Benedikt Celler und Simon Müller. Unter der Leitung von Matthias Egger wuchsen die Einzelkünstler abermals über sich hinaus und boten, den Bogen weit spannend über Epochen, vielmehr ein Gesamtkunstwerk als ein Konzert.

Eindrucksvoll die Eröffnung mit Philidors „Fanfare“ und dem übergehenden „Menuet et Marche“ – Mozarts „Adagio und Fuge c-Moll“ der Streicher, begleitet und untermalt von einem akustischen lauten Regenguss über Freising. Das „Vater unser“ der Cantores aufhellend und feierlich, jede einzelne Stimme punktgenau und temperiert.

Ein Auftritt für die Geschichtsbücher

Trotz oder gerade wegen dieser Einschränkungen gehen diese beiden Konzert-Erlebnisse sicherlich in die Geschichte der Dom-Begegnungen ein: ein meisterhaftes Unterfangen, getragen von grandiosen Musikern.

Richard Lorenz

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