+
Emotionaler Ort: Die Tage des alten Abseits sind endgültig vorbei.

“Wir hatten keine richtige Chance“

Aus für das Abseits: Vereinsvorsitzender attackiert Graf von Moy

  • schließen

„Wir hatten keine richtige Chance“: Davon ist Norbert Bürger, Vorsitzender des Freisinger Abseitsvereins überzeugt und erhebt Vorwürfe gegen den Besitzer des umkämpften Gastro-Gebäudes.

Freising – Der Frust sitzt tief beim Abseitsverein. „Wir haben über vier Jahre ehrenamtlich für die Wiederbelebung der Begegnungsstätte Abseits gekämpft und diesen Kampf verloren“, sagt Vorsitzender Norbert Bürger. Zugleich blickt der Vorstand nach vorne, wie die 2. Vorsitzende Julia Schröter betont. „Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken.“

Wie berichtet, ist der Kauf des ehemaligen Kneipengebäudes in Neustift gescheitert. Der „marktübliche“ Preis, den Guy Graf von Moy aufgerufen hatte, und der laut FT-Recherche bei 2,4 Millionen Euro lag, war zu hoch für die Stadt. Die hatte 1,8 Millionen Euro geboten, 700 000 Euro mehr als der im Wertgutachten festgelegte Preis. Frustrierend findet Bürger jedoch nicht nur die letzte Wende um den Abseits-Poker. „Ich habe eher das gefühlt, wir haben keine richtige Chance bekommen.“

Vorsitzender erhebt drei Vorwürfe

Bei einem netten Gespräch vor viereinhalb Jahren habe Herr Moy noch versprochen: Falls der Verein einen Käufer finde, würde er das Abseits-Areal verkaufen. Ein halbes Jahr später habe er dem Käufer, den wir gefunden hatten, doch abgesagt – mit der Begründung: „Ich habe heute Vormittag ein neues Angebot bekommen, das deutlich höher ist.“ Weitere Vorwürfe des Vorsitzenden: Der Graf habe zwei Jahre später ein zusätzliches Rückkaufsrecht eingebaut, das keine Rechtsaufsicht genehmigen würde, und zudem drei Angebote der Stadt zum Grundstückstausch abgelehnt.

Guy Graf von Moy: „Ein Wertgutachten spiegelt den Marktpreis einfach nicht wider.“

Auf FT-Nachfrage hat Graf von Moy auf die Kritik reagiert. Das Zitat, er habe ein neues, höheres Angebot erhalten, sei „so nicht richtig“. Er räumte zwar ein, dass das Landratsamt zu dem Schluss gekommen sei, der von der Stadt ausgearbeitete Vertrag sei nicht rechtskonform. „Doch dieses Rückkaufrecht wurde von Anfang an gefordert und keinesfalls eingebaut, um damit den Verkauf unmöglich zu machen.“ Und zum Tausch von Arealen: „Die Grundstücke, die die Stadt anbieten konnte, waren lage-, größen- und wertmäßig nicht mit dem Grundstück an der Herrenweg vergleichbar.“

Graf von Moy wehrt sich, der Kulturreferent bedauert

Wie von Moy weiter berichtet, sei der Kaufpreis – in Absprache mit der Stadt – auf Nachfrage bei mehreren Maklern erfolgt. „Ein Wertgutachten spiegelt den Marktpreis einfach nicht wider.“ Mit Blick auf eine Karikatur, die ihn einst als Geldscheffler aus Entenhausen zeigte, sagt er: „Mein Ziel ist es nicht, wie Dagobert Duck meinen Geldspeicher zu füllen, sondern Häuser zu bauen und zu renovieren, in denen Menschen leben und arbeiten können.“ Planungen zur Renovierung des denkmalgeschützten Gebäudes läuft unter dem Projektnamen „Alte Gerberei“.

Kulturreferent Hubert Hierl bedauert die Entwicklung: „Schade. Bei einem fairen, am Wertgutachten und Gemeinwohl sich orientierenden Preis hätte für die Stadt die Chance bestanden, ein Projekt zu verwirklichen, wo Kleinkunst, Subkultur und Kreativität Platz gefunden hätten.“ Hierl hofft, dass der Verein sein beispielhaftes Engagement beibehält. „Vielleicht heißt das neue Ziel: ein Kreativ-Quartier für Freising.“

Norbert Bürger: „Das Abseits ist nur ein Beispiel, wie Kulturzentren totspekuliert werden.“

Julia Schröter bestätigt, dass Abseitsverein und Abseitschor erhalten bleiben. „Wir planen eine Vereinssitzung, um uns zu sortieren und zu schauen, wie wir weiter vorgehen“, sagt sie. „Unsere Ziele bleiben.“ Das sei man allein schon den vielen treuen Anhängern und Spendern schuldig.

Bürger: Kulturzentren werden totspekuliert

Das betont zwar auch Bürger: „Die Unterstützung war und ist unglaublich.“ Dennoch überwiegt bei ihm die Enttäuschung. „Das Abseitsprojekt ist nur ein Beispiel dafür, wie Kneipen, Kulturzentren und alte Denkmäler totspekuliert werden. Traurig ist, dass das Geld dabei immer in die gleichen wenigen Taschen fließt.“

Auch interessant: Sturmtief „Sabine“ in Freising: Waldkindergarten zerstört, eine Schule noch geschlossen. Freisinger Bank will vier Filialen im Kreis Freising schließen - diese Orte sind betroffen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Einbrecher wüten im Hofbrauhaus Freising – und hinterlassen Spur der Verwüstung
Ins Freisinger Hofbrauhaus wurde eingebrochen: Die Täter wendeten brachiale Gewalt an - und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Die Kripo ermittelt. 
Einbrecher wüten im Hofbrauhaus Freising – und hinterlassen Spur der Verwüstung
Trio aus Freising traktiert Automaten - und wird in flagranti ertappt
Ein Trio aus Neufahrn und Eching hat am Moosacher Bahnhof einen Automaten mit Tritten traktiert. Als die Polizei anrückt, hält einer der Vandalen noch ein Beweisstück in …
Trio aus Freising traktiert Automaten - und wird in flagranti ertappt
Langenbachs Grüne wollen den öffentlichen Raum umgestalten
In Langenbach haben jetzt die Spitzenkandidaten der Grünen das Programm für die Kommunalwahl vorgestellt. Ein Fokus: der öffentliche Raum.
Langenbachs Grüne wollen den öffentlichen Raum umgestalten
Hohenkammers CSU-Kandidat ist überraschend gestorben – Wahlkampf gestoppt
Die Gemeinde Hohenkammer steht unter Schock. Vor wenigen Tagen ist Franz Josef Müller, Bürgermeisterkandidat der CSU, überraschend gestorben.
Hohenkammers CSU-Kandidat ist überraschend gestorben – Wahlkampf gestoppt

Kommentare