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Gemeinsam webten im Dom Chor, Orchester und Publikum am Klangteppich von Herzogenbergs Weihnachtsoratorium.

Weihnachtsmelodien zum Mitsingen

Ausnahme-Werk lässt aufhorchen: So schön war das Domkonzert in Freising

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„Die Geburt Christi“ von Heinrich von Herzogenberg wird in Bayern nicht oft aufgeführt. Genau das machte den Reiz des des Konzerts am Sonntag im Freisinger Dom aus.

Freising – „Die Geburt Christi“ hört man sicher nicht oft in Bayerns Kirchen, zählt das Weihnachtsoratorium des Komponisten Heinrich von Herzogenberg doch nicht gerade zu den Werken, die dieser Tage überall erklingen. Aber genau das machte den Reiz des Domkonzerts am Sonntag aus. Und wenn Domchor, Orchester, Kinderchor und Solisten zum gemeinsamen Abend laden, dann lassen sich die Freisinger nicht lange bitten. „Man muss es durchaus kritisch hören“, sagte Domrektor Marc-Aeilko Aris in seiner Einführung im voll besetzten Dom.

Das Werk Herzogenbergs sei der Ausdruck der bürgerlichen Weihnacht des 19. Jahrhunderts, der Zeit, in der das heilige Fest aus den Kirchen seinen Weg in die bürgerlichen Häuser gefunden habe. Dieses „ganz andere Oratorium“ zeige, wie Weihnachten zur Idylle, zu einer zweiten Realität gemacht wurde, sagte Aris weiter. Und tatsächlich: Musik und Text sind an mancher Stelle geradezu idealistisch – glockenrein, sauber, glitzernd.

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Nicht nur das: Bekannte Weihnachtsmelodien ziehen sich durch das gesamte Werk, bei denen mitgesungen werden darf. Herzogenberg hat seine Komposition genau darauf ausgelegt: Die Zuhörer sollen Teil des Konzerts werden. Das Werk, für das der Dichter Friedrich Spitta die Textvorlage gegeben hatte, erzählt die Weihnachtsgeschichte in drei Teilen. Alle kommen sie zu Wort in den Rezitativen: Da erzählte Tenor Sebastian Schäfer als Evangelist Lukas vom Weihnachtsgeschehen, da gingen der Erzengel Gabriel (Angelika Polland, Alt) und Maria (Johanna-Maria Zeitler, Sopran) in ein Zwiegespräch und die ganze Kirche war Zeuge. Immer wieder mischte sich der Chor ein, mal zurückhaltend, mal kraftvoll und energisch.

Konzentriert folgten Musiker und Sänger dem Dirigat von Matthias Egger. So entstanden Momente, in denen Stimmen und Instrumente ineinanderflossen, in denen sich die Soli in den Klangteppich des Orchesters schmiegten. Wie im ersten Teil „Die Verheißung“, in dem die Cellisten das Bass-Solo von Michael Kranebitter aufgriffen und das Solo abgaben an den Rest des Ensembles. Das wiederum nahm es auf und schickte es in den Chor, wo es zum vollen Klang heranwachsen konnte. Immer wieder waren alle zum Mitsingen aufgefordert.

So erlebten die Zuhörer im Dom das, was Herzogenberg bei der Uraufführung seines Werks gepackt hatte: Das Miteinander ließ den Komponisten „Stunden erleben, deren sich kein noch so beliebter Komponist unserer Tage zu rühmen hätte“.

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