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Auto-Betrüger gesteht vor Gericht - im Gefängnis freuen sie sich schon auf ihn

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Autohäuser waren sein Ziel: Der Angeklagte wurde zum Weihnachtsschreck etlicher Händler. © dpa

Mit immer der selben Masche hat ein Betrüger sich von Autohäusern Leihwagen beschafft und diese verkauft. Vor Gericht hat er gestanden, im Gefängnis freuen sie sich schon auf ihn.

Freising/LandshutZum Weihnachtsschreck der Freisinger Autohändler wurde ein notorischer Betrüger im Dezember 2019. Der 51-jährige Freisinger suchte innerhalb kürzester Zeit vier Fahrzeughändler auf und gaukelte diesen den Kauf eines Autos vor. In Wahrheit hatte es der Mann aber gar nicht auf die Neuwagen abgesehen, sondern auf einen Leihwagen. Den brauche er, um die Zeit bis zum Eintreffen des neuen Pkw zu überbrücken, erzählte er den Autohändlern – und bekam den Leihwagen auch prompt, den er dann weiterverkaufte.

Bis zum 2. Januar 2020 stattete der gelernte Koch weiteren Autohäusern in Ober- und Niederbayern einen Besuch ab. Acht Mal war seine Masche, wegen der er bereits vor zehn Jahren vor dem Landgericht Landshut stand, von Erfolg gekrönt. Jetzt muss der Mann erneut hinter Gitter: Am Montag verurteilte die vierte Strafkammer ihn zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren.

Angeklagter ist ein „ehrlicher Betrüger“

Staatsanwalt Peter Demmlhuber hatte eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert mit dem Hinweis, bei den angeklagten Fällen handle es sich lediglich um die Spitze des Eisbergs. Verteidigerin Dagmar Schmidt hatte „keine höhere Strafe als fünf Jahre“ gefordert. Ihr Mandant habe sich durch die vielen Jahre in Haft schwergetan, in Freiheit Fuß zu fassen. Zudem habe ein Bekannter ihn bedroht, dem er Geld geschuldet habe. Schmidt sprach von „Verzweiflungstaten“ und nannte den Angeklagten einen „ehrlichen Betrüger“, der den Autohändlern stets seinen echten Personalausweis vorgelegt habe. Betrug in acht besonders schweren Fällen sowie versuchter Betrug in drei besonders schweren Fällen lautete der Schuldspruch.

Der angeklagte Sachverhalt war von dem 51-Jährigen zu Prozessbeginn voll eingeräumt worden. Demnach hatte der Freisinger nie vorgehabt, die Fahrzeuge zurückzugeben, die er bei diversen Autohäusern auslieh. Die Betrugsserie hatte laut Anklage am Vormittag des 2. Dezembers bei einem Mercedeshändler in Freising begonnen. Der Mann schloss einen Kaufvertrag über einen einjährigen Mercedes im Wert von 52 500 Euro ab – und wollte zur Überbrückung bis zur Lieferung einen Leihwagen im Wert von etwa 20 000 Euro. Er habe keinerlei Verdacht geschöpft, so der Händler vor Gericht. „Der wohnte ja gleich ums Eck.“ Nachdem aber kein Übergangswagen zur Verfügung stand, versuchte der Angeklagte am Nachmittag bei einem weiteren Freisinger Autohändler sein Glück – wiederum vergeblich. Beim dritten Händler hatte der 51-Jährige Glück.

Angeklagter fühlt sich hinter Gittern „sehr wohl“

Zwei Tage später war er mit seiner Masche bei einem weiteren Freisinger Autohaus erfolgreich. Noch am selben Tag verkaufte der Angeklagte den Vorführwagen der Marke Hyundai für 8000 Euro an ein Autocenter in Neufahrn weiter. Einen Fiat verkaufte er am 5. Dezember für 8000 Euro. In der Folge schädigte der Mann Autohäuser in München, Eching und Pfaffenhofen. Die Handschellen klickten schließlich in einem Autohaus in Passau, wo der Händler misstrauisch geworden war und die Polizei verständigt hatte.

Ermittlungsbeamte bestätigten das Geständnis. Und die Autohändler schilderten den Angeklagten als „höflich, zuvorkommend und angenehm im Umgang“. Eigenen Angaben zufolge fühlt sich der Freisinger hinter Gittern sehr wohl, und auch seine künftige Justizvollzugsanstalt sei froh, wenn er wieder einrückt. Dort ist der Freisinger in der Gefängnisküche stets der Chefkoch.

ak

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