„Always look on the bright side of life“: Für die Band FORCODER aus Freising war das Corona-Jahr 2020 ein Härtetest, aus dem sie nicht nur gestärkt hervorgeht, sondern auch mit dem ersten Album im Gepäck.
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„Always look on the bright side of life“: Für die Band FORCODER aus Freising war das Corona-Jahr 2020 ein Härtetest, aus dem sie nicht nur gestärkt hervorgeht, sondern auch mit dem ersten Album im Gepäck.

Debüt in der Pandemie

Die rettende CD: Die Aufnahme ihrer ersten EP hat die Freisinger Band FORCODER durch Corona gebracht

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Die Freisinger Band FORCODER hat ihre erste Platte veröffentlicht. Glückliche FÜgung, denn eigentlich war die EP überhaupt nicht geplant.

Freising – FORCODER fühlen sich in der Form ihres Lebens. Seit 2017 gibt es die Freisinger Band schon. Doch gerade im Augenblick ist das Quartett „richtig scharf und heiß“ auf neue Projekte. Trotz oder gerade wegen Corona. Denn die vier haben ihre erste EP herausgebracht, und die hätte es ohne Pandemie gar nicht gegeben.

„Shaky Ground“ heißt die Kollektion von fünf Songs, in die unterschiedlichste Stile von Jazz über Pop und Funk bis Elektro geflossen sind, und die vor allem nie dort aufhören, wo sie angefangen haben. Auch wenn die Stücke durchaus tanzbar sind, ist ihnen doch anzuhören, dass die Kompositionen zum Teil Kopf-gesteuert sind. Das bestätigt Schlagzeuger Sandro Cocuzza sofort: „Da steckt viel Denk- und Detailarbeit drin.“ Sein Bandkollege, Keyboarder Wendel Landesberger, nickt und fügt hinzu: „Alles, was wir gut finden, machen wir – ob es sich nun um rotzigen Punk handelt oder eine geile House-Nummer.“

Ein Selbstläufer war es nicht gerade

Wendel und Sandro, die sich mit dem FT zum Gespräch via Zoom verabredet haben, bilden die Keimzelle der Band. Die beiden kennen sich aus der Freisinger DJ-Szene und tüfteln bereits seit 2014 an Sounds und Songs. „Irgendwann war klar, dass wir Unterstützung brauchen, wenn wir das live auf die Bühne bringen wollen“, berichtet Sandro. Mit Gabo Keeser stieß ein Multiinstrumentalist dazu, den Wendel seit dem Kindergarten kennt. Sandro holte mit dem Bassisten Robert Söllner ebenfalls einen alten Musiker-Kumpel ins Boot.

Hier das offizielle Video zur Single „Shaky Ground“:

Seit 2017 steht das aktuelle Line-Up. „Unsere gemeinsame Ursprungsidee war es, viel mit elektronischen, digitalen Sounds zu arbeiten, das aber mit dem Einsatz unterschiedlichster analoger Instrumente zu kombinieren“, berichtet Wendel. „Da hatten wir alle Bock drauf.“

Für Wendel ist die Band wie eine zweite Familie

Hört sich allerdings einfacher an, als es ist, wenn eine Band aus vier meinungsstarken Persönlichkeiten besteht. „Ein Selbstläufer war es nicht“, verrät Sandro. „Von locker-flockigen Sessions bis zu zoffigen Arbeitselementen ist bei uns alles dabei. Es wird aber zwischenmenschlich immer gut ausgetragen – bis man eben einen gemeinsamen Nenner gefunden hat, der für alle passt. Wichtig ist dabei auch, dass der Spaßcharakter immer erhalten bleibt.“ Für Wendel ist die Band so etwas wie eine zweite Familie. „Da gibt es immer Höhen und Tiefen, aber man geht den Weg gemeinsam.“

Wichtige Stationen auf diesem gemeinsamen Weg waren die bisherigen Live-Auftritte. „Eine Band braucht die Bühne, um zu wissen, wo sie steht“, sagt Wendel. „Wenn das Publikum nicht klatscht oder alle schon gehen, bevor der Gig vorbei ist, weiß man: Man macht was falsch.“

Als ein Sommer zum Vergessen droht, ändert die Band einfach ihre Strategie

FORCODER aber machen vieles richtig. Schon beim allerersten gemeinsamen Auftritt auf dem Uferlos-Festival 2018. Da strömten nicht nur Menschen ins Zelt, die die Band im Vorbeigehen gehört haben und von dem Sound so gepackt wurden, dass sie das Konzert unbedingt sehen wollten. Es kam auch Sven Hollfelder, Besitzer des Klangwerk-Studios in Erding, vorbei, der das Konzert gemischt hatte. „Er hat gesagt, dass es mit das geilste Konzert an dem Abend gewesen ist, und dass man mit uns was reißen könnte“, berichtet Wendel stolz. Alles andere als leere Worte. Hollfelder begleitet die Band seitdem immer bei Live-Auftritten und spielte für FORCODER auch eine Schlüsselrolle, als sich das Jahr 2020 so ganz anders entwickelte, als sich die Band das vorgestellt hatte.

„2020 war eigentlich das Jahr, in dem wir voll motiviert mit Konzerten durchstarten wollten“, berichtet Sandro. „Wir waren für etliche Auftritte gebucht.“ Dann kam Corona, und sämtliche Gigs brachen weg. Ein Sommer zum Vergessen bahnte sich an, da erinnerte sich die Band an frühere Debatten. „Wir hatten immer mal wieder über die Möglichkeit nachgedacht, ein Album oder eine EP aufzunehmen“, sagt Wendel. „Im Lockdown 2020 war uns klar: Jetzt ist die richtige Zeit dafür.“

Das EP-Projekt hat die Band über die Corona-Zeit gerettet

Die Band klingelte bei Hollfelder an, und der stellte sein Studio für die Aufnahmen zur Verfügung. Binnen einer Woche nahm die Band die bereits ausgearbeiteten Songs auf. Wegen der Infektionsgefahr war die vier nie gemeinsam bei den Aufnahmen im Studio. Jeder spielte einzeln seine Parts ein. Vollzählig getroffen hat sich die Band in dieser Zeit kaum – höchstens mal auf ein Bier an der Isar.

Kann man da noch von einem Band-Album sprechen? „Definitiv“, sagt Sandro, ohne zu zögern. Mehr noch, sagt Wendel. „Dieses Projekt hat uns als Gruppe über diese für Musiker extrem frustrierende Corona-Zeit gerettet. Ich weiß nicht, ob es uns noch geben würde, wenn wir das nicht gemacht hätten.“ Umso schöner der Moment, als er die fertige EP zum ersten Mal hört. „Das war der Augenblick, für den sich alle Anstrengung gelohnt hat.“ Auch das Feedback ist toll. Zwei Stunden, nachdem das Video für den Song „Shaky Ground“ online geht, hat die Band zwei Konzert-Anfragen. Binnen drei Tagen erzielt der Stream 1200 Klicks. Zudem ist die Band für den lokalen Tassilo-Preis nominiert. „Diese Resonanz tut extrem gut“, sagt Wendel. „Gerade in so schweren Zeiten.“

Die Band hat schon weitere Pläne

FORCODER sind bereit zum Durchstarten – zunächst mal auf dem Fahrrad. Denn die Band steigt in die Pedale, um die EP den ersten Bestellern, die aus der Region stammen, persönlich vorbeizubringen. In wenigen Wochen folgen zwei Remixe, einer davon von Max Schauer alias DJ Moulimax, der auch die EP gemastert hat. Im Sommer hofft die Band darauf, Konzerte spielen zu können, sagt Sandro. „Denn nichts auf der Welt kann einer Band das Live-Gefühl ersetzen.“

Gut zu wissen

Die EP „Shaky Ground“ gibt es als CD zu kaufen und ist auf allen gängigen Streaming-Portalen verfügbar.

„Meisterwerke im Kleinformat“ - die Platte in der Kurzkritik:

Auch der Umweg kann auf die Tanzfläche führen. Das beweisen FORCODER aus Freising mit ihrer Debüt-EP „Shaky Ground“. Alle fünf Songs sind minutiös ausgearbeitete Meisterwerke im Kleinformat, die erst mal volle geistige Aufmerksamkeit verlangen, damit sie sich in ihrer ganzen Pracht entfalten können. Keine Wohlfeil-Melodien zum schnellen Mitpfeifen. Stattdessen hier jazzige Bläser, dort opulente Streicher und Miami-Vice-Drums. Hier ein Fiepsen, dort ein Pluckern. Gerne auch mal eine kleine Referenz an Depeche Mode, ohne dass es plakativ wird.

Nach mehrmaligen Hören gehen einem „Animals“ oder „Control“ – ganz ohne Ohrwurm – nicht mehr aus dem Kopf. Und auch der Beat, der auf der Platte gar nicht mal so in den Vordergrund gemischt ist, hat sich in die Beine eingenistet. Und plötzlich wackelt der Hintern zu dieser vermeintlichen Kopfmusik.

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