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99 Fehlalarme in einem Jahr: Darüber ärgert sich die Freisinger Wehr.

Appell an Bürger

„Bei uns steht Feuerwehr drauf, nicht Hausmeister-Service“: Immer mehr Fehlalarme sorgen für Ärger

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99 Fehlalarme in einem Jahr: Darüber ärgert sich die Freisinger Wehr. Stadtbrandinspektor Anton Frankl appelliert an die Vernunft der Bürger. 

Freising – 433 Mal rückte die Freisinger Feuerwehr 2018 aus. Jeder vierte Einsatz war eine Schneiderfahrt. In der Jahreshauptversammlung wurden die 99 Fehlalarme als enormes Ärgernis bezeichnet. Doch es gibt etwas, was die Ehrenamtlichen fast noch mehr auf die Palme bringt: Dass die Feuerwehr zunehmend als eine Art „Hausmeister-Service“ betrachtet wird, Stichwort Bagatell-Einsätze. Wir hakten bei Stadtbrandinspektor Anton Frankl nach.

Herr Frankl, 99 Fehlalarme. Wie kommen die zustande?

Meist werden die durch Brandmeldeanlagen ausgelöst. Davon haben wir im Stadtgebiet mehr als 100. Von den meisten hört man nie etwas, andere aber sind sehr gute Kunden. Da fahren wir öfters hin.

Welche sind das?

Ich nenne hier keine Namen, stelle aber fest, dass die Fehlalarme meist durch Bedienungsfehler ausgelöst werden. Da sind die Handwerker in einer Firma und niemand deckt die Brandmeldeanlage mit einer Staubkappe ab, so etwas. Es gibt aber auch technische Defekte durch mangelhafte Wartung.

Und Sie müssen jedes Mal in voller Besetzung raus?

Zu viele Schneiderfahrten: Freisings Stadtbrandinspektor Anton Frankl appelliert an die Vernunft der Bürger. 

Ja, in der jeweils vorgeschriebenen Stärke. Wir können nicht unterbesetzt rausfahren und mal schauen, was da los ist. Wir müssen immer annehmen, dass es sich um einen Ernstfall handelt.

Wie ist da die Reaktion der Feuerwehrleute?

Jeder Fehlalarm ist extrem ärgerlich und demotivierend für meine Leute, vor allem, wenn sie etwa tagsüber von der Arbeit weg müssen oder nachts um drei Uhr früh aufstehen müssen.

Oder zu Einsätzen gerufen werden, die eigentlich nicht Sache der Feuerwehr sind.

Das ist ein ganz schlimmer Trend in dieser Zeit. Die Bagatell-Einsätze nehmen leider zu. Da scheint es sich um ein gesellschaftliches Phänomen zu handeln. Niemand fühlt sich mehr für etwas zuständig und ist der Meinung, der Staat wird’s schon richten. Liegt nach einem Sturm ein kleiner Ast auf der Straße, oder hat man nach einem Schlauchplatzer mal etwas Wasser im Keller, holt man gleich das Handy raus und wählt die 112. Bei uns steht aber „Feuerwehr“ vorn drauf, und eben nicht „Hausmeister-Service“. Wir löschen Brände und retten Leben. Dafür opfern wir gern unsere Freizeit, aber nicht für Dinge, die man einfach selbst regeln kann.

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Braucht Freising eine Berufsfeuerwehr?

Ich glaube nicht, dass man die bezahlen könnte. Und wenn, dann nur mit großen finanziellen Einschnitten in anderen Bereichen. Nein, wir machen unsere Arbeit ja gern. Wir sind hundertprozentig für die Bürger da, das möchte ich nochmal betonen. Aber die Schwelle, uns zu alarmieren, ist tief gesunken.

Glauben Sie, dass alle Bürger wissen, dass die Feuerwehr in Freising komplett ehrenamtlich arbeitet?

Alle wissen das nicht. Wir haben ja auch viel Zuzug aus Großstädten, wo es eine Berufsfeuerwehr gibt. Vielen ist vermutlich nicht klar, dass der Feuerwehrler, der da zu ihnen kommt, ehrenamtlich tätig ist. Die müssten sich einfach mal fragen, ob sie deshalb auch für ihren Nachbarn aufstehen und ihm helfen würden.

Gibt es diese Bagatell-Einsätze auf dem Land nicht?

Kaum. Dort kennt man sich. Da würden die Anrufer Gefahr laufen, zum Gespött der Leute zu werden.

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