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Das Szenario am Landratsamt wurde von einer Drohne festgehalten.

Fingiertes Zugunglück

Großübung: Ätzende Dämpfe über Freising - Herausforderung für Rettungskräfte

Mit Blaulicht sind Feuerwehr- und THW-Fahrzeuge nach Neustift geeilt. Landrat Josef Hauner hatte den Katastrophenfall ausgerufen - zum Glück nur im Rahmen einer Großübung. Doch die hatte es in sich.

Freising – Mit einem Katastrophenfall mitten in Freising hat die Feuerwehrschule Geretsried im Dezember Einsatzkräfte und Mitglieder der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) konfrontiert. Die Stabsrahmenübung mit einer realen Einsatzzentrale direkt am Landratsamt war inhaltlich zwar Theorie, doch hatte sie es in sich: Am Bahnübergang Parkstraße/Marzlinger Fußweg war ein Tanklaster mit einem Personenzug kollidiert. Unsichtbare, ätzende Dämpfe stiegen auf, und ein Feuer brach aus. Es gab Tote und Verletzte, am Unglücksort waren Menschen eingeklemmt.

Großübung in Freising: Ameisensäure greift Atemwege und Augen an

Der mit Ameisensäure beladene, Leck geschlagene Tanklaster wurde zur besonderen Herausforderung für die etwa 100 Beteiligten – FüGK-Mitglieder und Einsatzkräfte der Feuerwehr und des BRK. Die ausgelaufene Flüssigkeit ordneten Gefahrgutexperten als gesundheitsschädlich ein, ihre Dämpfe reizen Atemwege und Augen. Landrat Josef Hauner rief deswegen den Katastrophenfall aus.

Die FüGK-Mitglieder mussten zugleich schnell und überlegt handeln. Es galt, Rettungskräfte, Fahrzeuge und Geräte zu organisieren und zu koordinieren. Wäre es ein echtes Unglück gewesen, wären etwa 420 Rettungskräfte vor Ort unermüdlich im Einsatz gewesen. Schließlich war der Brand gelöscht.

Unklarheit bestand aber wegen der Dämpfe, die Richtung Lerchenfeld zogen. Über Radio- und Lautsprecherdurchsagen wurden Bürger deshalb angehalten, sich drinnen aufzuhalten, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie nicht deutschsprechende Nachbarn zu informieren. An die Medien wurden Nachrichten zur Lage und zur Warnung der Bevölkerung herausgegeben. Eltern wurden zunächst angehalten, ihre Kinder in den Schulen und Kindergärten zu belassen, da sie in den Gebäuden am besten geschützt waren. Einige Kinder wurden schließlich aus den Turnhallen der Luitpoldanlage zum THW-Gelände gebracht, wo ihre Eltern sie in Empfang nehmen konnten.

Giftige Dämpfe über Freising: Als Journalisten agieren Feuerwehrschüler

Als es im Landratsamt mittags eine „Pressekonferenz“ gab, war mittlerweile klar, dass außerhalb des Unglücksbereichs am Bahnübergang keine Gefahr mehr bestand. Dennoch mussten FüGK-Leiterin Karoline Schatz, der örtliche Einsatzleiter und Kreisbrandrat Manfred Danner sowie weitere Fachberater wie Polizeichef Ernst Neuner, THW-Leiter Michael Wüst oder Stefan Wythe vom BRK den regionalen und überregionalen Pressevertretern Rede und Antwort stehen. Die Fachberater waren in Originalbesetzung da, während die Journalisten von Mitgliedern der Feuerwehrschule gespielt wurden.

Eine reale Einsatzzentrale war direkt am Landratsamt Freising eingerichtet. Foto: landratsamt

Am Ende waren sich die Beteiligten einig, dass die Übung gut verlaufen war, doch unbedingt wiederholt werden sollte. Denn nur mit Übungen und der passenden Ausrüstung kann der Landkreis einer möglichen Katastrophe gut vorbereitet entgegentreten

Wenige Tage vor der Stabsrahmenübung der Feuerwehrschule Geretsried hatte das Landratsamt selbst eine kleine Übung organisiert. Die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung, die Unterstützungsgruppe Feuerwehreinsatzleitung der Feuerwehr Freising und die Mitglieder der Kreisbrandinspektion kamen zusammen. Man ging von dem Absturz eines Flugzeugs auf die Autobahn A92, Höhe Neufahrner Kurve, aus. Die Katastrophe nahm ihren Lauf: Unter den Passagieren und Autofahrern gab es Tote und Verletzte. Eine nahende S-Bahn stürzte von der zerstörten Bahnbrücke. Insgesamt 40 ehrenamtliche Kräfte übten so im Feuerwehrausbildungszentrum in Zolling die Eindämmung der fingierten Katastrophe.

ft

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