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Moderator Christoph Süß nimmt in seiner Sendung Quer das Landratsamt ins Visier.

Züchter fürchten um ihre Existenz

Fisch-Skandal in Freising: Landratsamt verweigert BR-Interview - Moderator verrät absurdes Detail

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Der Fisch-Skandal zieht immer weitere Kreise. Jetzt hat das Fernsehen die Behörden ins Visier genommen - und ein absurdes Detail zu Tage gefördert.

  • Am Aschermittwoch kam heraus, dass Fische im Landkreis Freising mit dem verbotenen Arzneimittel Malachitgrün behandelt wurden.
  • Das Landratsamt hat die Bevölkerung überhaupt nicht informiert, die Fischer viel zu spät.
  • Die Fischer haben ein halbes Jahr lang die vergifteten Fische gegessen.
  • Die Staatsanwaltschaft berichtet, das Thema betrifft inzwischen sogar bayerische Regierungskreise.
  • Inzwischen hat sich herausgestellt, dass ein Fischereibetrieb im Landkreis Dachau seine Fische mit dem möglicherweise krebserregenden Mittel behandelt hat - und zwei Betriebe in Freising mit in den Strudel gezogen hat.
  • Die beiden unschuldigen Betriebe im Landkreis Freising sind seit sechs Monaten gesperrt.
  • Jetzt hat das Fernsehen über das Thema berichtet: Behörden wollten, dass der mutmaßliche Täter die Fischer selbst warnt. Landrat Josef Hauner stellte sich nicht zum Interview.

Update vom 22. März, 17.30 Uhr: 

Verunsicherte Fischer und  verzweifelte Züchter: Alle, die vom Fisch-Skandal in Freising betroffen sind, kamen jetzt im Fernsehen zu Wort. Die BR-Sendung Quer hat über die mit Malachitgrün verseuchten Fische berichtet. Nur einer schweigt: Landrat Josef Hauner. „Leider will bei der Behörde, also dem Landratsamt Freising, niemand ein Interview geben“, heißt es in dem Quer-Bericht.

Fisch-Skandal: Landrat gibt BR kein Interview

Gegenüber dem FT sagte Behörden-Sprecherin Eva Zimmerhof, dass man nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft von einem Interview Abstand genommen habe. „Wir haben alle Fragen schriftlich beantwortet.“ 

Absurde Informationspolitik 

quer-Moderator Christoph Süß ist bekannt dafür, dass er Behörden aufs Korn nimmt. Besonders dann, wenn es bizarr wird. Und auch im Fisch-Skandal von Freising und Dachau wird nun ein neues absurdes Detail bekannt: So hat das Landratsamt Dachau dem BR geschrieben, dass man die Fischer bereits im Oktober 2018 durch den Fischzuchtbetrieb telefonisch informiert hat. Der mutmaßliche Täter selbst soll also anstatt der Behörden die Opfer informiert haben. Die Fischer aber sagen, der Mann habe zwar angerufen, aber: „Kein Wort von Malachitgrün.“ Die Angler fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.

„Ruinierte Existenzen und verunsicherte Verbraucher“

Das Landratsamt Freising aber ist sich nach wie vor keiner Schuld bewusst. Nach wie vor verweist Zimmerhof darauf, dass die gesetzlichen Vorgaben für eine Information der Öffentlichkeit nicht vorlagen. „Im konkreten Fall wurden die Fische durch das zuständige Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als nicht gesundheitsschädlich beurteilt.“ Zimmerhofs Fazit: „Auch aus heutiger Sicht wurde gesetzeskonform und sachgerecht gehandelt.“ 

Antworten aus dem Landratsamt gab es am Freitagmittag. Die Behörde weist alle Schuld von sich.

Die quer-Redaktion kommt zu einem anderen Resümee. „Was bleibt vom Krisenmanagement der Behörden sind ruinierte Existenzen und verunsicherte Verbraucher.“

Vorgeschichte: Quer berichtet über Fisch-Skandal

Wie berichtet, wurde an Aschermittwoch bekannt, dass Fische im Landkreis Freising mit Malachitgrün verseucht wurden. Das Fischarzneimittel steht im Verdacht, krebserregend zu sein und darf daher bei Speisefischen nicht verwendet werden. Das Landratsamt weiß seit mehr als einem halben Jahr bescheid, hat aber nicht gewarnt. Über Monate wurden die verseuchten Fische geangelt und verspeist. Die Frage, die Quer stellt: „Warum haben Behörden so wenig unternommen.

Moderator Christoph Süß nimmt in seiner Sendung Quer das Landratsamt im Visier.

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft. Landratsämter und Umweltministerium schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Und zwei Betriebe aus dem Landkreis Freising sind nach Lage der Dinge unschuldig in den Skandal hineingezogen worden. 

Erstmeldung: Fisch-Skandal hält Freising seit Wochen in Atem

Freising - Peter Baumgartner ahnt nichts Böses, als es am 15. September 2018 an der Tür klingelt. Auch als Ermittler um Eintritt bitten, um Proben von seinen Fischen zu nehmen, denkt der Fischzüchter aus Freising an nichts Schlimmes. „Ich habe gesagt: Macht’s nur. Ich war mir ja sicher, dass sie nichts finden können, weil ich nichts Unrechtes gemacht habe.“ Dann der Schock: Die Proben ergeben, dass seine Fische mit Malachitgrün belastet sind. Jenem Fischarzneimittel also, das krebserregend sein könnte und daher bei Speisefischen verboten ist. „Das war für mich der Super-GAU“, berichtet Baumgartner. „Von heute auf morgen wird dir der Boden unter den Füßen weggezogen.“

Es ist der Anfang des Skandals, der am 6. März aufgedeckt wurde. Wie berichtet, hat das Landratsamt Freising drei Fischzuchtbetriebe im Landkreis Freising gesperrt. Ihnen ist es derzeit untersagt, Fische in den Verkehr zu bringen. Baumgartner ist einer der drei. Er war der Erstverdächtige, weil es sich um seine Forellen gehandelt hat, die bei Proben im Landkreis Traustein auffällig wurden. Aber alles deutet darauf hin, dass er nicht der Täter ist, sondern ein Opfer. Eines von zwei.

Dritter im Bunde ist tatverdächtig

Auch bei der Forellenzucht Nadler tauchten die Prüfer kurze Zeit später auf. Und auch Benjamin Nadler wurde davon „sehr überrascht“, dass seine Fische Spuren des verbotenen Mittels aufwiesen, wie er sagt.

Baumgartner hilft es, dass die Werte seiner Fische bei „nur“ zwei bis zehn Mikrogramm Leukomalachitgrün pro Kilo lagen. Zum Vergleich: Die Forellen, die der Anglerverein Moosburg bei der tatverdächtigen Fischzucht Kiffner, dem Dritten im Bunde, bezogen hat, und die Vorsitzender Michael Hartl in Eigeninitiative untersuchen hat lassen, wiesen 332 Mikrogramm auf. „Damit war klar, dass ich meine Fische nicht direkt behandelt haben konnte, sondern dass das Mittel in sehr verdünnter Menge über die Flussverbindung bei uns angekommen ist.“

Züchter soll Wiederholungstäter sein

Ein Bekannter von Baumgartner, Fischerei-Experte, wirft einen Blick auf die Teiche der Fischzucht, die oberhalb von Baumgartners und Nadlers Betrieb an der Mauka liegen, einem Nebenarm der Moosach. „Er hat entdeckt, dass das Wasser grün war“, berichtet Baumgartner.“ Der Bekannte habe den Züchter zur Rede gestellt. Kurz darauf ging bei der Polizei eine Selbstanzeige des Mannes ein, der neben einem Betrieb im Landkreis Freising einen zweiten im Landkreis Dachau führt. Seine Aussage: Ein Mitarbeiter habe das verbotene Arzneimittel versehentlich zugegeben. 

Der Freisinger Fischzüchter Peter Baumgartner leidet darunter, dass ein anderer Betrieb das verbotene Arzneimittel verwendet hat.

Das hält Baumgartner für Unfug. „Erstens waren die Werte in den Fischen, die der Anglerverein von ihm bezogen hat, so hoch, dass sie mehr als einmal behandelt worden sein müssen. Zweitens habe ich eine Mitteilung bekommen, dass der Mann Wiederholungstäter sein soll. Demnach wurde er 2008 schon mal dabei erwischt, wie er Malachitgrün verwendet hat.“ Was der Freisinger Fischzüchter dem Oberanlieger zudem ankreidet: „Wie konnte er dem Anglerverein Moosburg am 22. September noch mal Fische verkaufen, obwohl er da bereits die Selbstanzeige gemacht hat?“

Finanzieller Kraftakt für Fischzüchter aus Freising

Auch wenn Baumgartner entlastet wurde, befinden er und seine Familie sich seit sechs Monaten im Ausnahmezustand. Ständig werden Teiche beprobt, immer in der Hoffnung, dass die Fische das verbotene Arzneimittel komplett abgebaut haben. Erst dann können sie wieder in den Verkehr gebracht werden. „Aber die Halbwertszeit liegt bei 45 Tagen. Entsprechend lang dauert es, bis die Fische das Mittel abgebaut haben.“ Zumindest das Wasser ist inzwischen wieder in Ordnung, wie er sagt.

Für Baumgartner und Nadler kommt zur nervlichen Belastung auch ein finanzieller Kraftakt. Seit sechs Monaten hat Baumgartner kaum noch Einnahmen. Seit sechs Monaten muss er zukaufen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Auch Nadler kann etliche Fische derzeit nicht verkaufen und musste ebenfalls Zukäufe tätigen. „Mir hat es aber geholfen, dass ich Anlagen habe, die mit Brunnenwasser gespeist werden können“, sagt er. Aus dem eigenen Bruthaus konnte er so neue Setzlinge hochziehen.

Züchter aus Freising kritisiert Behörden

Erschwerend kommt der schwelende Generalverdacht hinzu, Baumgartner und Nadler selbst könnten ihre Fische mit dem verbotenen Mittel behandelt haben. „Wenn Menschen uns am Markt darauf ansprechen, können wir aufklären, und dann glauben uns die Kunden auch“, sagt Baumgartner. „Aber was ist mit denen, die gar nicht mehr zu uns kommen?“

Fische, unter anderem Karpfen, nehmen das verbotene Arzneimittel, das krebserregend sein könnte, über die Kiemen auf.

Deshalb ist auch Nadler froh, dass die Vorfälle nun an die Oberfläche kommen. Er kritisiert die Behörden. „Ich hatte das Gefühl, dass alles unter den Tisch gekehrt werden sollte.“ Erst seit die Medien über das Thema berichten würden, seien die Ämter aktiv geworden.

Tatverdächtiger im Fisch-Skandal hat „alles offen gelegt“

Um Schadensersatz verlangen zu können, muss der mutmaßliche Täter erst mal verurteilt werden. Vorher zahlt die Haftpflichtversicherung nicht. Baumgartner appelliert an die Staatsanwaltschaft, das Verfahren voranzutreiben und schnellstmöglich abzuschließen. „Denn bei mir geht es um jeden Tag.“ 

Fischzüchter Bernd Kiffner selbst bestätigte gegen über dem FT, dass er Selbstanzeige getätigt habe. „Es stimmt, dass es bei mir Fische gegeben hat, die mit Malachitgrün belastet waren. Ich habe bei den zuständigen Stellen alles offengelegt, was ich habe. Mehr kann ich dazu im Augenblick nicht sagen.“ Dass er noch belastete Fische verkauft habe, nachdem er sich selbst angezeigt hatte, bestreitet er.

Neben dem Fischskandal sorgen derzeit auch nächtliche Szenen in der Freisinger Innenstadt für Aufregung. Rabiat ging ein Autofahrer in Zolling zu Werke.

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