Bombendrohung in Kiel: Hauptbahnhof geräumt

Bombendrohung in Kiel: Hauptbahnhof geräumt
+
Sie schließen ihre Traditions-Planenfabrik zum Jahresende: Udo und Ute Bergmann.

Inhaber schließen mit viel Wehmut

Nach über 60 Jahren: Traditionsfirma macht dicht - an mangelnden Aufträgen liegt es nicht

Die Auftragsbücher sind voll – trotzdem wird eine Freisinger Firma nach über 60 Jahren zum Jahresende ihren Betrieb einstellen. Die Gründe machen nachdenklich.

Freising– Obwohl man das Unternehmen mit Engagement und unternehmerischem Weitblick geführt habe, sei der qualifizierte Mitarbeiterstab aus Altersgründen immer kleiner geworden, erzählt Udo Bergmann. Meister und Chefnäher seien in Rente gegangen. Nachwuchskräfte, die bereit gewesen wären, in den Betrieb einzusteigen, konnten zuletzt nicht mehr gefunden werden.

Bei Bergmann wurde in den vergangenen Jahren in den Berufsfeldern Industrie- und Bürokaufmann sowie technischer Konfektionär ausgebildet. Rund 25 Mitarbeiter waren in Spitzenzeiten beschäftigt. Aber: „Die guten Kräfte wurden uns immer wieder abgeworben“, erzählt Ute Bergmann. Irgendwann fand man kein Fachpersonal mehr. Zuletzt blieben nur wenige Mitarbeiter übrig.

Nur die Kinder dürfen Firma weiterführen - doch die machen etwas anderes

Was erschwerend dazukam: Für den Betrieb an der Haindlfinger Straße gilt Bestandsschutz. Das heißt: Um die Firma herum entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Wohngebiet. Es ist als solches auch in der Flächennutzung der Stadt ausgewiesen – und nicht als Mischgebiet, wo Wohnen und Gewerbe nebeneinander erlaubt wären. Dieser Bestandsschutz bedeutet konkret, dass nur die Kinder die Firma als Nachfolger hätten weiterführen können. Die aber haben erfolgreich andere Wege eingeschlagen. Zwei unumstößliche Faktoren also, die zu einer Entscheidung führten: Schweren Herzens schließen die Bergmanns zu.

Firma hat lange Geschichte aufzuweisen

Dabei hat die Firma seit ihrer Gründung im Jahr 1920 in Breslau durch Waldemar Bergmann eine lange Tradition aufzuweisen. Nach der kriegsbedingten Vertreibung aus der schlesischen Heimat erfolgte unter großen Anstrengungen der Wiederaufbau der Firma in Freising.

Im Sommer 1946 bekam Waldemar Bergmann – damals 67 Jahre alt – die Betriebszulassung für Freising durch das Regierungswirtschaftsamt Oberbayern. Sein Sohn Gerhard baute ab 1962 die Firma zur heutigen Größe aus. Udo Bergmann übernahm den Familienbetrieb 1994 und entwickelte viele neue Geschäftsfelder mit innovativen Ideen.

Neben der klassischen Produktion von Lkw-Planen, Markisen, Sicht- und Sonnenschutz oder anderen Spezial-Konfektionen wie dem Auskleiden von Wasser- und Schwimmbecken, verstand sich Diplom-Ingenieur Udo Bergmann besonders auf die Herstellung von Biogasspeicherhüllen. „Damit waren wir gut auf dem Markt vertreten“, sagt der Firmeninhaber.

Es sei halt viel Wehmut dabei, wenn jetzt zugesperrt werde: „Hier steht mein Elternhaus, hier bin ich aufgewachsen.“ Ein Bauträger habe den Grund bereits gekauft, verraten Ute und Udo Bergmann. Und der werde demnächst mit dem Bau einer Wohnanlage beginnen.

Bald werden nur noch die leuchtend roten Planen-Baumpflanztöpfe, die seit einigen Jahren die Freisinger Innenstadt schmücken, an den Traditionsbetrieb erinnern. Der Freisinger Bär hingegen, der seit 2003 im „Bärgmann-Look“ mit Fliegerbrille und Planenrucksack zum Maskottchen der Firma geworden war, der wird verschwinden.                                                               

Von Maria Martin

Gut zu wissen

Bis zum Freitag, 21. Dezember, kann zu den Firmen-Öffnungszeiten noch vorhandene Ware wie iverse Säcke, Planen oder Arbeitshandschuhe gekauft werden.

Die Restbestände werden im Rahmen einer großen Aktion im kommenden Frühjahr verkauft.

Lesen Sie auch: 

Daten-Skandal in Dorfmetzgerei? So bewertet ein Experte den kuriosen Fall

Das hätte schlimme Folgen haben können: Unbekannter schüttet in Pähl Nägel in Futtersilo

Er muss seinen Edeka entnervt schließen - und kündigt Ermäßigungen an

Der letzte Kramerladen von Miesbach - schließt für immer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Malachit-Affäre: Nach SPD-Vorwürfen setzt Landratsamt erste Hilfsmaßnahmen um
Nach den Vorwürfen der SPD setzt das Landratsamt Freising in der „Malachitgrün-Affäre“ erste Maßnahmen um. Außerdem führe der Landrat Gespräche mit den betroffenen …
Malachit-Affäre: Nach SPD-Vorwürfen setzt Landratsamt erste Hilfsmaßnahmen um
Für mehr Lebensfreude: Krebshilfeverein Freising bietet Patientinnen besondere Auszeit
Eine Krebserkrankung bedeutet extreme Belastung. Viele Patientinnen leiden zusätzlich – weil sich  ihr Aussehen verändert. Hier setzt der das neue Angebot des …
Für mehr Lebensfreude: Krebshilfeverein Freising bietet Patientinnen besondere Auszeit
Rekordverdächtig: Dieser Freisinger könnte der jüngste Tiny-House-Bauer Deutschlands werden
Seit Ostern baut Florian Dittmar aus Freising an seinem Tiny House. Wenn der 13-Jährige so  weiterarbeitet, wird er der jüngste Tiny-House-Bauer in ganz Deutschland.
Rekordverdächtig: Dieser Freisinger könnte der jüngste Tiny-House-Bauer Deutschlands werden
Zug statt Flug: Minister Herrmann stimmt nicht dafür – Bürgerverein übt massive Kritik
In einem offenen Brief hat der Bürgerverein Freising seinem Ärger über Staatsminister Florian Herrmann Luft gemacht. Der BV kritisiert sein Verhalten in …
Zug statt Flug: Minister Herrmann stimmt nicht dafür – Bürgerverein übt massive Kritik

Kommentare