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Pflege in den eigenen vier Wänden: Aktuell werden Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik zufolge 67,9 Prozent der Pflegebedürftigen im Landkreis übe rwiegend zu Hause gepflegt. 

Immer mehr Pflegebedürftige

Auf absehbare Zeit gut aufgestellt

Dank medizinischer Fortschritte werden wir immer älter. Die höhere Lebenserwartung, gepaart mit hohen Geburtenraten in der Vergangenheit, wird die Zahl der Pflegebedürftigen in die Höhe schnellen lassen – auch im Landkreis Freising. Für diese Herausforderung ist man aber recht gut gewappnet. Mit Einschränkungen.

Landkreis – Gesund und in Würde alt zu werden, das wünscht sich eigentlich jeder Mensch. Wenn aber die Baby-Boomer-Generation der 1960er- und 70er Jahre dereinst ins Rollstuhlalter kommt, könnte es nach Einschätzung von Experten eng werden in den Pflegeheimen der Republik. Und auch der Landkreis Freising muss sich künftig auf mehr pflegebedürftige Menschen einstellen. Das zeigen Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik, die die Krankenkasse IKK classic ausgewertet hat. Demnach waren 2011 noch 2736 Menschen in der Region pflegebedürftig, wohingegen die Zahl bis Dezember 2015 auf 2941 angewachsen ist. Ein Anstieg von 7,5 Prozent.

Laut Klaus Kamitz, Regionalgeschäftsführer der IKK classic, ist auch keine Entspannung in Sicht. Im Gegenteil: „Dies ist erst der Anfang. Laut aktuellen Prognosen wird die Zahl der Pflegebedürftigen im Landkreis bis zum Jahr 2030 nochmals um rund 30 Prozent ansteigen“, sagt Kamitz. Ursächlich sei der medizinische Fortschritt, der dazu beigetragen habe, dass immer mehr Erkrankungen auch im hohen Alter geheilt, behandelt und gelindert werden können. Die Folge: Immer mehr ältere Menschen, die Hilfe benötigen und gepflegt werden müssen.

Dass dieser Trend grundsätzlich existiert, das bestätigt Caritas-Kreisgeschäftsführerin Carolin Dümer – obwohl der Landkreis noch einer der jüngeren ist. „Im Vergleich zu beispielsweise Garmisch-Partenkirchen, wo wesentlich mehr ältere Menschen leben, haben wir hier eine verhältnismäßig gute Durchmischung“, sagt Dümer. Das hänge nicht zuletzt mit dem regen Zuzug in den vergangenen Jahren zusammen.

Davon unabhängig sei dennoch mit einem womöglich signifikanten Anstieg der Pflegebedürftigen zu rechnen. Wie die Situation aber tatsächlich irgendwann aussieht, wisse niemand so genau. „Ich würde mir da keine Prognose zutrauen“, betont Dümer. Vielleicht sind alte Menschen ja künftig viel gesünder als heute, weil sich die ärztlichen Behandlungsmethoden weiterentwickelt haben? „Auch das ist Spekulation“, findet die Kreisgeschäftsführerin. Es bleibe abzuwarten, was sich technisch – etwa in Asien – noch tue. Stichwort: pflegende Roboter. „Da wird sich sicher viel bewegen. Es könnte trotzdem sein, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen gleich bleibt.“

Seitens des Landkreises sieht man sich gut für die kommenden Herausforderungen gerüstet, wie Pressesprecherin Eva Dörpinghaus auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet. Man erstelle bereits seit langem Pflegebedarfsplanungen und verfüge derzeit flächendeckend über ambulante Pflegedienste, Pflegeeinrichtungen, Tagespflegen sowie eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für demenzkranke Ältere. „Damit sind wir, was die ambulante und stationäre Versorgung Pflegebedürftiger angeht, auf absehbare Zeit gut aufgestellt.“

Dem pflichtet Carolin Dümer grundsätzlich bei. „Nur etwa im Bereich der niederschwelligen Angebote könnte man noch mehr machen“, sagt die Expertin. Das zentrale Problem sieht sie ohnehin an anderer Stelle. Viele Pflegebedürftige benötigten naturgemäß viele Pflegende. Aber hier mangele es an der dringend nötigen höheren Wertschätzung – etwa in Form einer angemessenen Bezahlung des Pflegepersonals. Dümer bedauert: „Es bewegt sich gesellschaftlich einfach zu wenig in diesem Bereich.“

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