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Uns geht’s gut: Korbinian Wildgruber sorgt auf seinem Hof dafür, dass es den Tieren an nichts fehlt – auch nicht an Kraulvorrichtungen.

Besuch im modernen Kuhstall  

„Mehr Tierwohl geht nicht“

„Wir brauchen uns nicht zu verstecken“: Freisings BBV-Geschäftsführer Gerhard Stock geht die Kritik an den konven- tiellen Landwirtschaftsbetrieben zu weit. Um das zu verdeutlichen, lud er zum Stallgespräch nach Haxthausen – und zeigte bei Familie Wildgruber, dass man sich sehr wohl um das Tierwohl schert.

Haxthausen – 400 Kilogramm Milch verbraucht eine Person pro Jahr mit diversen Milchprodukten. Das bedeutet hochgerechnet auf den Landkreis mit 175 000 Einwohnern einen Bedarf von 70 000 Tonnen Milch. Die Zahl ist gigantisch – und für BBV-Geschäftsführer Gerhard Stock ist klar: „Das kann man nicht nur mit einer Streichelzoo-Landwirtschaft bewerkstelligen.“ Man benötige moderne Haltungsformen – und Bauern, die effizient arbeiten.

Zeigen wollten Stock und Kreisobmann Georg Radlmair das gestern beim Stallgespräch in Haxthausen auf dem Denk-Hof von Korbinian und Maria Wildgruber. 57 Kühe geben in einem großen Tretmiststall täglich 900 Liter Milch, rund 200 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt. Es schließt sich eine große Weide an – und für die Wintermonate drinnen hat man es den Kühen so gemütlich wie möglich gemacht. Seit Mai 2015 steht der neue Stall, in dem auch modernste Technik verbaut ist. Will heißen: Die Fütterung ist beispielsweise automatisiert. Doch das beliebteste Gerät ist ein anderes: Sind die Tiere nämlich schmusebedürftig, gibt es extra eine Vorrichtung mit zwei Rollen, die den Bauch und den Rücken kraulen. Stock: „Mehr Tierwohl geht nicht.“

Für Radlmair ist das ein Beweis, „dass sich die Landwirtschaft immer weiterentwickelt“. Schwierig werde es nur, wenn der Gesetzgeber massiv eingreife – wie beispielsweise in Sachen Anbindehaltungs-Verbot, das diskutiert worden sei. Hier geht es laut Stock „um Existenzen.“ Grund: Wenn man Investitionen in den Betrieb tätigt, seien die auf Generationen ausgelegt. Gibt man heute viel Geld aus und ändert der Gesetzgeber morgen die Spielregeln, geht der Betrieb pleite.

Maria und Korinian Wildgruber haben bereits in die Zukunft investiert: Mit dem Neubau hat man dafür gesorgt, dass der Betrieb jederzeit auf Bio umstellen könnte. Pro Kuh stehen neun Quadratmeter Stallplatz zur Verfügung, die Bio-Anforderungen liegen bei 7,5. Das Landwirtes-Ehepaar setzt auf vollständige Transparenz: „Wer will, darf bei uns gerne reinschauen.“ Schulklassen haben das Angebot bereits genutzt.

Der Denk-Hof, von dem aus man derzeit 17 Hektar Grünland und 30 Hektar Ackerland bewirtschaftet, ist einer, der überleben wird: Die Familie Wildgruber, die ihn jetzt in der fünften Generation besitzt, wird auch in der sechsten weitermachen. Damit gehört man aber zu einer aussterbenden Spezies: Pro Jahr verabschieden sich vier bis fünf Prozent der Milchbetriebe im Landkreis. Aktuell gibt noch 250.

Übrigens: Wildgrubers haben in den vergangenen zehn Jahren „wahrscheinlich keinen ganzen Liter“ Glyphosat verwendet. Der stellvertretende Kreisobmann Ralf Huber betont: „Da wird ein verkehrtes Bild gezeichnet.“ Das meiste Glyphosat werde nämlich in der Industrie verbraucht – die Landwirte würden hier nur vorgeschoben.

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