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„Tochter flüchtete nach tödlichem Unfall“: Betrüger bringen Freisinger Ehepaar mit Schockanruf um 80.000 Euro

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Von: Magdalena Höcherl

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Polizeifahrzeug
Ein Freisinger Ehepaar wurde um 80.000 Euro gebracht. Und eine Frau aus dem Landkreis wurde ebenfalls Opfer von Betrügern. © Symbolfoto/Carsten Rehder

Im Kreis Freising häufen sich perfide Betrugsmaschen: Von einem Ehepaar erbeuteten Betrüger 80.000 Euro. Eine andere Frau brachte eine SMS um ihr Erspartes. Die Polizei warnt eindringlich.

Freising – Es ist eine ungeheure Summe: Betrüger haben ein Freisinger Ehepaar um 80 000 Euro gebracht – mit einer mehr als perfiden Masche. Und eine weitere Frau aus dem Landkreis wurde mit einem üblen Trick ebenfalls um ihr Erspartes gebracht. Die Polizei bittet um Hinweise und gibt Tipps zum richtigen Verhalten bei heiklen Anrufen und Nachrichten.

Wenn nicht gezahlt wird, droht Haft

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord berichtet, klingelte am Montagnachmittag bei dem Freisinger Paar das Festnetztelefon. Als der 66-jährige Mann abhob, meldete sich eine Frau, die sich als seine Tochter ausgab. Dann reichte sie das Telefon an eine angebliche Polizeibeamtin weiter. Diese erklärte dem Mann, seine Tochter hätte einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und wäre anschließend geflüchtet.

Im Laufe des Telefonats erfragte die Betrügerin die Handynummern des Mannes und seiner Frau (63). Auf beiden Geräten gingen daraufhin Anrufe ein – von einer angeblichen Staatsanwältin. Sie teilte den beiden mit, dass sie Haftstrafe für ihre Tochter nur verhindern könnten, indem sie eine hohe Summe an Bargeld zahlen würden. Bei der Polizei sind Anrufe mit diesem Verlauf als „Schockanrufe“ bekannt.

Erste Übergabe in München, zweite in Freising

Das Ehepaar folgte den Anweisungen der vermeintlichen Justizmitarbeiterin. Die beiden packten Schmuck und Gold ein und machten sich auf den Weg nach München. An der Nymphenburger Straße, in der Nähe des Amtsgerichts, übergaben sie die Wertsachen im Wert von 40 000 Bargeld an einen unbekannten Mann, der zu Fuß vom Stiglmaierplatz kam und danach in die Erzgießereistraße verschwand.

Daraufhin wurde der 66-Jährige zur Polizeiinspektion Bogen nach Niederbayern beordert – angeblich, um seine Tochter von dort abzuholen. Seine Frau dagegen sollte weitere 40 000 Euro – diesmal in bar – bezahlen. Diese Übergabe fand kurz vor 17.30 Uhr auf dem Freisinger Domberg statt. Der Mann, der das Geld in Empfang nahm, war augenscheinlich derselbe, der zweieinhalb Stunden zuvor die Wertsachen in München abgeholt hatte.

Betrüger bleiben permanent am Telefon, um andere Anrufe zu verhindern

Erst nachdem die Frau das Bargeld übergeben hatte, wurden die Telefonverbindungen beendet. „Bei dieser Masche kommt es tatsächlich sehr oft vor, dass die Betrüger die Telefonleitungen belegen und mit ihren Opfern die ganze Zeit in Kontakt bleiben“, erklärt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums. So soll verhindern werden, dass die Opfer Kontakt zu Angehörigen oder zur richtigen Polizei aufnehmen.

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Als die Betrüger die Verbindung zu den Freisingern beendet hatten, riefen diese sofort bei ihrer Tochter an – welche ihnen verwundert erklärte, dass sie keinen Unfall gehabt habe und ganz normal zu Hause sei. Danach alarmierte das Paar die Polizei, die Kripo nahm die Ermittlungen auf. Wer verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat oder Angaben zu dem Mann machen kann, der die Wertgegenstände und das Geld an sich genommen hat, wird gebeten, sich unter Tel. (0 81 22) 96 80 zu melden. Der Täter wird wie folgt beschrieben: Er ist etwa 25 Jahre alt, schlank und 1,80 Meter groß. Er trägt einen dunklen Schnauzbart und war mit einer dunkelblauen Strickmütze, einer gesteppten Winterjacke in derselben Farbe und einer Jeans bekleidet.

Mutter soll „Tochter“ Geld überweisen

Und noch ein Betrugsfall ereignete sich im Kreis Freising: Wie die Polizei Moosburg mitteilt, erhielt eine 62-Jährige vergangene Woche eine SMS von einer unbekannten Handynummer. In der Nachricht bat die angebliche Tochter, die Mutter solle eine Überweisung für sie tätigen. Die Frau rief die vermeintliche Tochter kurz an, konnte aber keine Stimme wahrnehmen. Daraufhin wurde sie per WhatsApp informiert, dass der Empfang zu schlecht sei und über den Messengerdienst kommuniziert werden solle. Letzten Endes überwies die Frau der „Tochter“ eine vierstellige Summe.

Betrüger am Apparat: Polizei gibt Tipps zum richtigen Verhalten

Betrugsmaschen wie Schockanrufe, Kinder- oder Enkeltrick häufen sich auch im Kreis Freising. Die Polizei appelliert, misstrauisch zu sein. – vor allem, wenn Geld gefordert wird. „Polizei und Staatsanwaltschaft würden nie Geld, Schmuck oder Wertgegenstände verlangen.“ Auf derlei Forderungen dürfe man keinesfalls eingehen. Zudem solle man sich immer bei Angehörigen rückversichern und im Zweifel über die 110 die Polizei alarmieren – und zwar nicht über die Rückruftaste, um nicht bei den falschen Beamten zu landen. Moosburgs PI-Chef Christian Bidinger rät außerdem: „Prüfen Sie, ob ein Eintrag Ihrer Telefonnummer in öffentlichen Verzeichnissen wirklich notwendig ist.“

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