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Hilfe vom „großen gelben Monster“: Eine Kappsäge für die Arbeiten an seinem Tiny House hat Florian Dittmar (13) schon. Auch der Anhänger ist bereits da. Mehr Holz könnte er aber noch gut gebrauchen.

Mega-Projekt

Bub (13) aus Freising will Tiny House bauen - er wäre der Jüngste in Deutschland

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Es ist ein waghalsiges Unterfangen: Der 13-jährige Florian Dittmar aus Freising möchte ein Tiny House errichten. Wer will, kann ihm bei dem rekordverdächtigen Projekt helfen.

Freising – Ulli Dittmar hätte es beinahe vom Stuhl gehauen. Kurz nach Weihnachten kommt sein damals noch Zwölfjähriger zu ihm und platzt mit einer unerwarteten Botschaft heraus. „Er hat mir erzählt, dass er ein richtiges Tiny House errichten will.“

Der 55-jährige Familienvater aus Freising hält große Stücke auf seinen Sohn. Er weiß, dass sich Florian in Ideen verbeißen kann. Dass er mit der der Unesco AG der Montessori-Schule schon zahlreiche Projekte in die Tat umgesetzt hat – etwa eine Baumpflanzaktion im Weltwald. Aber ein Haus von 15 bis 20 Quadratmetern zu bauen, das tatsächlich genutzt werden kann und mit einer Größe von 15 bis 20 Quadratmetern auch auf einen Anhänger passt – das scheint Ulli Dittmar eine Nummer zu groß. 

Zumindest im ersten Moment. Doch dann sieht er Florian die Begeisterung an. „Er war Feuer und Flamme.“ Auch Mutter Conny ist schnell überzeugt von dem Vorhaben. „Wir haben schnell gemerkt, dass er es dringend machen will.“

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Das Projekt Tiny House hat es in sich

Auf die Idee gekommen ist Florian Dittmar, als er nach Projekten für seine GA gesucht hat. GA steht für Große Arbeit, sie ist so etwas wie das Meisterstück der Montessori-Schüler. „Erst habe ich mir überlegt, eine Bar zu bauen oder ein Bett“, berichtet der 13-Jährige. „Aber das fand ich zu langweilig.“ Dann stößt er im Internet auf die Tiny-House-Bewegung und ist sofort begeistert. „Ich fand es faszinierend, dass man auf so wenig Wohnraum alles haben kann, was es in einem normalen Haus auch gibt.“

Dass dieses Projekt es in sich hat, merkt Florian schnell. Ein ehemaliger Montessorischulen-Leiter, der inzwischen auf Tiny Houses spezialisiert ist, spendiert ihm einen Workshop. Die Botschaft: Du brauchst einen langen Atem. „Jedes Gewerk, das für ein großes Haus nötig ist, brauchst du auch hier“, berichtet der 13-Jährige. Ein Gutteil der rund 20 Teilnehmer verabschiedet sich schon nach dem ersten Seminar-Tag gedanklich von allen Bauplänen in Eigenregie. Nicht Florian. Er hat den Vorteil, dass er früh dran ist. Die Große Arbeit muss erst in der achten Jahrgangsstufe präsentiert werden. Er hat zwei Jahre Zeit – kein Grund zu trödeln.

Prunkstück ist die Dachterrasse

Mit Feuereifer macht sich Florian ans Planen. Mit Unterstützung seines Vaters entwirft er die ersten Skizzen. Inzwischen haben sich alle Ideen in ein Bild gefügt. Besser: In viele bunte Grafiken. 16 Quadratmeter soll das Tiny House groß werden – 2,55 mal 7,40 Meter. Inklusive Trailer sind es von der Straßenoberfläche bis zum Dachrand vier Meter. Mehr darf es nicht sein, erklärt Florian Dittmar. „Sonst darf ich es nicht mehr auf der Straße transportieren.“

Noch ist es nur eine Grafik, doch binnen zwei Jahre will Florian Dittmar seine Pläne in die Tat umgesetzt haben. Im Gegensatz zu den meisten Tiny Houses soll seines über ein Flachdach bekommen.

Die Pläne sehen vor: Bad mit Wassertank, Stromanschluss bis zu 240 Volt, damit auch der Computer laden kann. Kühlschrank, Ofen, Herd und Heizung laufen mit Propangas. Florians Konstruktion ist ein Unikat, wie sein stolzer Vater betont. Die meisten Tiny Häuser verfügen über Spitzdächer, der 13-Jährige hat sich für ein Flachdach entschieden. Sein Prunkstück: die Dachterrasse.

Er wäre der jüngste Tiny-House-Bauer

Wenn Florian die Pläne in die Tat umsetzt, dann ist er der jüngste Tiny-House-Bauer Deutschlands. Auch weltweit zählt er dann zu den jüngsten. In Iowa (USA) hat ein 13-Jähriger ein Tiny House gebaut, in Georgia (USA) eine 14-Jährige – beide Konstruktionen sind jedoch mit acht und zwölf Quadratmetern deutlich kleiner als das Bauwerk, das Florian anstrebt.

Schon in den Osterferien will Florian mit dem Hausbau beginnen. Große Unterstützung aus seinem Umfeld hat er. Zum Geburtstag im März hat er von seinen Freunden fast nur Geschenke erhalten, die mit seiner Großen Arbeit zu tun haben. Die Eltern haben ihm eine Kappsäge besorgt – ein „großes, gelbes Monster“, wie Ulli Dittmar sagt. 

Anhänger extra aus den Niederlanden besorgt

Auch den Trailer gibt es schon. Vater und Sohn sind dafür extra in die Niederlande gereist, um den Anhänger abzuholen, auf dem das Tiny House entstehen soll. Und die Schule hilft ebenfalls mit. Damit Florian zum Beispiel den Termin mit der Presse wahrnehmen kann, wurde er sogar vom Nachmittagsunterricht freigestellt.

Jeder, der möchte, kann dem 13-Jährigen bei seinem Mega-Projekt ebenfalls unter die Arme greifen – mit Geld- oder Sachspenden. Vor allem benötigt Florian Pappel-Sperrholz, Hilfe bei der Gas- und Wasserinstallation, der Solaranlage und dem Blechdach. Florian sagt aber auch: „Ich bin über jedes Päckchen Schrauben glücklich.“

Spender gesucht

Wer Florian bei seinem Projekt mit Sach- oder Geldspenden unterstützen will, meldet sich bitte beim Freisinger Tagblatt unter Tel. (0 81 61) 1 86 24 oder manuel.eser@freisinger-tagblatt.de.

Mehr zum Thema

In Geretsried will ein Verein ein Tiny-House-Dorf gründen. Ein Tiny-House-Besitzer in Rottach-Egern hat Probleme mit dem Bürgermeister bekommen. Denn in punkto Baugenehmigung und Versicherung gilt es bei dem Bau eines Tiny Hauses  einiges zu beachten. 

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