Badegäste im Freisinger Erlebnisbad fresch
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„Prinzipiell liegt die Aufsichtspflicht bei den Eltern“, betont Alexander Frederking, Leiter des fresch. Nach dem dramatischen Badeunfall am Sonntag appelliert er aber auch an alle Gäste, wachsam zu sein.

„Alle sind froh, dass es dem Jungen gut geht“

Bub gerade noch gerettet: fresch-Leiter lobt Personal und appelliert an Gäste

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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Nachdem ein Bub beim Baden fast ertrunken wäre und im letzten Moment gerettet wurde, appelliert der Leiter des Freisinger Freibads an Eltern und andere Gäste.

Freising – Es war der dramatischste Vorfall, den es bisher im fresch gegeben hat. Wie berichtet, ging am Sonntag ein zwölfjähriger Bub unter, der zum Glück erfolgreich gerettet und rechtzeitig reanimiert werden konnte. Im FT-Interview berichtet Bäder-Leiter Alexander Frederking, welche Rückschlüsse er aus dem Unfall zieht – und er richtet einen Appell an alle Badegäste.

Herr Frederking, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dem Buben?

Er war gestern nach der Wiederbelebung bereits im Schwimmbad stabil und wieder ansprechbar. Warum er im Freizeitbecken untergegangen ist, ob er etwa noch nicht ganz schwimmsicher war, darüber können wir nur spekulieren.

Und wie geht es Ihrem Personal nach dem extrem emotionalen Einsatz?

Alle sind froh, dass es dem Jungen gut geht. Unsere Mitarbeiter wurden im Anschluss an den Einsatz auch vom Kriseninterventionsteam betreut. Denn es ist natürlich besonders emotional, wenn es bei einem Rettungseinsatz um ein Kind geht. Auch vielen Eltern, die im Bad waren, hat man ihre Betroffenheit angesehen.

Alexander Frederking, Leiter des fresch, ist stolz auf seine Mitarbeiter, die beim Unfall richtig und schnell reagiert haben.

Haben Sie den Einsatz schon analysiert?

Wir sind ihn mit den Mitarbeitern schon durchgegangen. Ich bin sehr stolz auf sie, weil sie richtig und schnell reagiert haben. Das haben uns auch Feuerwehr und Rettungsdienst bestätigt. Vom Erkennen der Notlage bis zur Reanimation hat es keine zehn Sekunden gedauert. Ich bin froh, dass unsere Schulungen, die wir regelmäßig vornehmen, hier Früchte getragen haben. Denn solche Unfälle passieren nicht ausschließlich in den tiefen Schwimmerbecken.

„Extrem schwer zu unterscheiden, ob jemand spielt oder gerade in Not ist“

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus dem Vorfall mit, um die Sicherheit im fresch noch weiter zu verbessern? Braucht es noch mehr Aufsichtspersonal?

Wir waren sehr gut aufgestellt. Neben sechs Bademeistern von uns verstärken uns an besucherstarken Wochenenden zusätzlich noch zwei Personen der Wasserwacht. Die Becken wurden ständig überwacht.

Es war heiß, es waren mehr als 1000 Badegäste im fresch. Nicht einfach für Bademeister, jede Person im Becken im Blick zu behalten.

Wir Bademeister sind diese Art von Stress gewohnt. Wir hatten solche Wochenende schon oft und hatten bisher zum Glück nur ganz wenige Einsätze. Wir wechseln täglich auch mehrfach die Aufsichtsbereiche durch, damit niemand über den Tag hinweg betriebsblind ist. Das Problem ist: Den ganzen Tag über tauchen die Kinder durchs Wasser. Da ist es extrem schwer zu unterscheiden, ob jemand spielt oder gerade in Not ist, zumal Ertrinken ganz oft lautlos vonstatten geht.

„Prinzipiell liegt die Aufsichtspflicht bei den Eltern“

Das heißt, auch die Eltern müssen ihre Kinder im Auge behalten?

Ja, prinzipiell liegt die Aufsichtspflicht bei den Eltern, denn sie kennen ihr Kind am besten und können daher auch am besten einschätzen, wie sicher sich das Kind im Wasser bewegt. Den Bademeistern obliegt die Verkehrssicherungspflicht. Wir sind dafür da, dass sich niemand verletzt. Generell appelliere ich an alle Badegäste, anderen gegenüber wachsam zu sein. Jeder muss dafür sensibilisiert sein, dass das Thema Wasser Gefahren birgt.

Ab welchem Alter dürfen Kinder ohne Aufsichtsperson ins fresch?

Grundsätzlich dürfen Kinder ab sieben Jahren, die sich sicher im Wasser bewegen können, das fresch besuchen. Das entspricht der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Man muss aber auch sagen, dass man nicht alles am Alter festmachen kann. Es gibt Siebenjährige, die super schwimmen, und 14-Jährige, die noch unsicher sind.

„Nach so langer Pause müssen besonders Schwimmanfänger vorsichtig starten“

Schwimmkurse konnten ja leider seit Ausbruch von Corona nicht mehr stattfinden.

Und das hat eine immense Lücke gerissen. Da ist ein ganzer Jahrgang auf der Strecke geblieben. Die gute Nachricht ist, dass wir jetzt bald wieder starten. Wir haben eine lange, lange Warteliste, und die wollen wir in diesem Jahr abarbeiten. Um die Lücke zu schließen, die Corona gebracht hat, wollen wir im Sommer auch kurzfristig Crashkurse anbieten. Bei dieser Gelegenheit möchten wir alle Eltern und Gäste daran erinnern, dass das Schwimmen weiterhin geübt werden muss. Nach einer so langen Pause ohne Schwimmen müssen selbst vorher Geübte, besonders aber Schwimmanfänger vorsichtig starten.

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