Ein Hund in einem Käfig schnuppert an einer Hand
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Hoffen auf Unterstützung: Tierheime sollen vom Bund eine Einmalzahlung von bis zu 7500 Euro erhalten. Symbolbild

Froh über Finanzspritze

Bund unterstützt Tierheime in der Pandemie: Freisings Vorsitzender sorgt sich aber um bürokratische Hürden

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Tierheime sollen finanzielle Unterstützung vom Bund erhalten. In Freising ist man froh über diese Nachricht, sorgt sich aber um bürokratische Hürden.

Mintraching – Grundsätzlich ist es eine gute Nachricht: Tierheime in Deutschland sollen bald finanzielle Unterstützung vom Bundesumweltministerium erhalten. Joseph Popp, Vorsitzender des Tierheimvereins, der die Landkreis-Einrichtung in Mintraching betreibt, macht sich trotzdem Sorgen: Die Förderung zu beantragen, sei leichter gesagt als getan.

Tierheimzuschuss vom Bund ist „sehr zu begrüßen“

Seit Samstag ist es für Vereine, die Träger von Tierheimen sind, möglich, den einmaligen Zuschuss von 7500 Euro zu beantragen. Der Bundestag hat die Förderung im Dezember beschlossen, in den Haushalt des Umweltministeriums wurden dafür fünf Millionen Euro eingestellt. Weil für Tierheime seit einem Jahr so gut wie alle Veranstaltungen, die Spenden generieren, wegen Corona wegfallen, hofft man so, die Not der Einrichtungen zu lindern.

„Grundsätzlich ist das natürlich sehr zu begrüßen“, sagt Joseph Popp auf FT-Nachfrage, betont aber sarkastisch: „Vor allem dass der Bund zur Kenntnis nimmt, dass es in Deutschland Tierheime gibt, ist ja eine Riesenleistung.“ Die finanzielle Unterstützung wäre eine enorme Hilfe – allein als Ausgleich für die Ausgaben für Masken, Desinfektionsmittel und sonstige Hygienemaßnahmen, die coronabedingt notwendig geworden sind.

Popp hofft, dass Schätzungen zugelassen werden

Doch wie viel Geld das Tierheim in Mintraching bekommt, kann der Vereinsvorsitzende schlecht einschätzen. „So wie ich die Richtlinie über die einmalige Gewährung eines Zuschusses zum Ausgleich von Mindereinnahmen und Mehrausgaben verstehe, müssen wir genau nachweisen können, welches Defizit wir haben.“ Bei Veranstaltungen wie Floh- oder Christkindlmärkten könne er das anhand der Zahlen von 2019 noch einigermaßen gut nachweisen. „Aber was die Spenden betrifft, die dabei jeweils eingehen, kann ich das nur schätzen. Und ich tue mich schwer damit, wie ich Gelder, die wir seit einem Jahr gar nicht akquiriert haben, nachweisen soll.“

Zudem sei bislang noch nicht ganz klar, wie detailliert die einzelnen Posten angegeben werden müssen. „Bei uns kommt normalerweise am Ende des Jahres eine Spendensumme im fünf- oder sechsstelligen Bereich heraus“, sagt Popp. „Aber was genau in jeder einzelnen Spendendose drin war, erheben wir natürlich nicht.“ Dafür brauche es noch mehr Mitarbeiter, wobei das Personal ohnehin knapp sei.

„Ich hoffe daher, dass Schätzungen zugelassen werden“, sagt Popp, der ohnehin glaubt, dass es zahlreichen anderen Tierschutzvereinen ähnlich geht wie dem Freisinger. Derzeit arbeite er mit seinem Team daran, die erforderlichen Dokumente zusammenzustellen. „Wir werden die Förderung beantragen – und sehen, was passiert.“

Illegaler Handel mit Welpen boomt

Wie in vielen Regionen Deutschlands ist die Nachfrage nach Haustieren auch im Landkreis Freising seit Beginn der Pandemie deutlich gestiegen. „Die Leute haben durch Lockdown, Kurzarbeit und Homeoffice viel mehr Zeit“, sagt Popp. „Wir vermitteln nach wie vor wie die Weltmeister.“ Er betont jedoch auch, dass jeder Fall genau überprüft werde und Tiere, egal, ob Meerschweinchen oder Hund, nicht leichtfertig in fremde Hände übergeben würden.

„Natürlich gibt es viele Menschen, die schon lange den Wunsch hegen, sich ein Haustier anzuschaffen. Wenn die sich diesen Wunsch dann jetzt erfüllen, ist das völlig in Ordnung“, sagt Popp. Schwierig sei es jedoch in den Fällen, in denen Langeweile oder mehr Freizeit die Entscheidung maßgeblich beeinflussten. Hinzu komme, dass der illegale Handel, vor allem mit Welpen, boome. Aber auch Kleinanzeigenseiten – größtenteils im Internet – böten derzeit eine schiere Masse vor allem an Hunden an. Vereinsvorsitzender Joseph Popp befürchtet, dass ein Großteil der jetzt angeschafften Tiere nach dem Ende der Pandemie-Beschränkungen wieder in Heimen lande. „Das wird problematisch.“

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