Nicolas Graßy
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Will in den Bundestag einziehen: Nicolas Graßy (31).

Kampf gegen „kapitalistische Profitlogik“

Für den radikalen sozialen Kurswandel: Freisings Linke nominieren Nicolas Graßy als Bundestagskandidaten

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Nun haben auch die Freisinger Linken ihren Kandidaten für die Bundestagswahl nominiert: Für den Wahlkreis 214 soll Nicolas Graßy ins Rennen gehen.

Freising – Zuerst war er als Kreisvorsitzender da, dann wurde er zum Versammlungsleiter gewählt, danach trat er als Bewerber für eine Kandidatur an, am Ende ist er der Kandidat der Linken im Wahlkreis 214 für die Bundestagswahl im September: Nicolas Graßy (31) wurde am Donnerstag in der virtuellen Aufstellungsversammlung seiner Partei per Zoom-Meeting auf den Kandidatenschild gehoben. Ergebnis der Abstimmung: 8:0 Stimmen.

Kurswandel wegen steigender Armut und weniger bezahlbaren Wohnraums

Das Online-Voting der zugeschalteten zehn stimmberechtigten Mitglieder war eine schwere Geburt – nicht, weil man mit Graßy keinen geeigneten Kandidaten gehabt hätte, sondern weil die Technik nicht so mitspielte, wie man sich das idealerweise vorgestellt hatte. So dauerte es nach der Vorstellungsrede Graßys eine knappe halbe Stunde, bis erst die Testwahl und dann die offizielle Stimmabgabe erfolgt war. Am Ende war aber dann doch alles gut – auch wenn nur acht der zehn Mitglieder ihre Stimme online abgeben konnten. Das Ergebnis muss noch durch Briefwahl offiziell bestätigt werden.

Graßy, studierter Politikwissenschaftler, beschäftigt beim VdK München, seit 2013 Mitglied bei der Linken, seit 2018 Kreisvorsitzender in Freising und seit 2020 Stadtrat in der Domstadt, machte aus seinen gegen Null tendierenden Chancen, in den Bundestag einzuziehen, keinen Hehl: „Es geht als Linker in Bayern nicht um das Direktmandat“, sagte er. Aber es gehe darum, linke Politik im Wahlkampf zu vertreten. Da stehe sozusagen als Überschrift der Satz, sich für einen „radikalen sozialen Kurswandel“ einzusetzen. Angesichts steigender Armut, immer weniger bezahlbarer Wohnungen und steigenden Vermögens der Milliardäre „reichen Schönheitskorrekturen nicht mehr“, so Graßy. Er wolle den Kampf gegen die „kapitalistische Profitlogik“ aufnehmen.

Corona-Politik: Die Linke als „einzig vernünftige Opposition“

Forderungen dafür seien ein Rentensystem, in das wirklich alle einzahlten, eine Pflegeversicherung, die alle Kosten übernehme, ein Mindestlohn, der eine Rente oberhalb der Grundsicherung garantiere, die Abschaffung von Hartz IV, der Bau von Wohnungen als Daseinsvorsorge durch den Staat, ein radikaler Umbau des Steuersystems, das alle mit einem Monatseinkommen bis 7100 Euro brutto entlaste, und außerdem die Einführung einer Vermögens- sowie einer Finanztransaktionssteuer, die ihren Namen wirklich verdienten.

Noch etwas war Graßy und den Mitgliedern des Zoom-Meetings wichtig: der friedenspolitischen Überzeugung der Partei treu bleiben, Auslandseinsätze der Bundeswehr strikt abzulehnen. Dann noch ein Wort zur Corona-Politik: Nachdem die AfD nur durch Lügen und Verschwörungstheorien auffalle, die FDP nur „Öffnen! Öffnen! Öffnen!“ schreie und die Grünen im Endeffekt auf Regierungslinie seien, sei die Linke die „einzig vernünftige Opposition“, die darauf dränge, den Gesundheitsschutz zu gewährleisten, ohne die Beteiligung der Parlamente und die Regeln der Demokratie außer Kraft zu setzen, so Graßy. Dass der Kandidat gegen die dritte Startbahn ist, dass er den Ausbau des ÖPNV fordert, der langfristig auch kostenlos sein solle, und dass Guido Hoyer dessen Kandidatur „ausdrücklich“ begrüßte, versteht sich fast schon von selbst.

Er ist der erste, der Farbe bekannt hat: Leon Eckert aus Eching will für die Kreis-Grünen in den Bundestag.

Karl Ecker will für die Freien Wähler in den Bundestag einziehen. Der langjährige Bürgermeister der Marktgemeinde Au soll bei der Bundestagswahl im September als Direktkandidat im Wahlkreis 214 antreten.

Sie wurde einstimmig gewählt: Für die ÖDP soll Emilia Kirner als Direktkandidatin für den Bundestag ins Rennen gehen. Doch zuvor heißt es: Unterschriften sammeln.

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