Künstler im Portrait
+
Weiter fest im Blick hat Norbert Bürger das Abseits-Gebäude.

Vorsitzender des Abseitsvereins im Interview

„Totale Lachnummer“: Freisinger Künstler kritisiert Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Graf Moy

Norbert Bürger vom Abseitsverein kritisiert die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Graf Guy von Moy harsch - und kündigt weitere Aktivitäten an.

  • Norbert Bürger wollte mit seinem Abseitsverein die geschichtsträchtige Kneipe Abseits zum Kulturzentrum machen.
  • Das Projekt scheiterte an den Kaufpreis-Forderungen des Gebäudebesitzers, Graf Guy von Moy.
  • Graf Moy hat kürzlich dennoch das Bundesverdienstkreuz erhalten, unter anderem für sein kulturelles Engagement.
  • Das stößt auf harsche Kritik des Abseitsvereinsvorsitzenden.

Freising – Mit dem Ziel, die Neustifter Kult-Kneipe Abseits wiederzubeleben und dort ein Kultur-Zentrum zu etablieren, ist der Abseitsverein gescheitert. Ein Kauf durch die Stadt Freising hat sich zerschlagen. Unabhängig davon ist der Verein weiter aktiv. Was so geplant ist, was überhaupt noch möglich ist, darüber hat der Vorsitzende Norbert Bürger jetzt mit FT-Mitarbeiter Alexander Fischer gesprochen. Auch zur Bundesverdienstkreuz-Verleihung an Abseits-Eigentümer, Graf Guy von Moy, hat sich der Vereinsvorsitzende geäußert.

Herr Bürger, der Kauf des Abseits ist im Februar 2020 geplatzt. Der Hauptvereinszweck ist weg. Gibt es den Verein überhaupt noch, und wenn ja, was ist die neue Ausrichtung?

Klar gibt es den Verein noch, und wir haben auch einiges vor. Momentan ist es ja nicht möglich, etwas zu machen. Sobald sich das ändert, möchten wir vor dem Abseits aber wieder Kultur-Partys veranstalten – so wie das auch in der Vergangenheit öfter der Fall war.

Plant der Verein noch mit anderen Lokalitäten?

Alternativen, woanders etwas zu machen, sehen wir nicht. Zur Zeit bieten sich keine Lokalitäten an. Wir wissen ja gar nicht, was nach Corona noch übrig bleibt. Es ist unrealistisch, etwas anderes zu kriegen in Freising. Ich will grundsätzlich nichts ausschließen, aber zunächst wollen wir uns auf Veranstaltungen vor dem Abseits konzentrieren. Das Abseits ist eine Begegnungsstätte, da gehört Kultur hin. Das hat sich so etabliert, da gehören keine Wohnungen und Büros hin. Dadurch dass Graf Moy das Abseits anders nutzen will, um mehr Rendite zu machen, sind wir eben gezwungen, die Veranstaltungen davor zu machen.

„Die Stadt vertraut dem Grafen, wir nicht“

Gibt es schon Vorstellungen, wann das sein soll?

Sobald wie möglich. Wir hätten es schon längst gemacht, wenn es Corona nicht gäbe.

Glauben Sie, dass es dafür eine Genehmigung gibt?

Das werden wir schon sehen. Die bisherigen Veranstaltungen vor dem Abseits waren alle angemeldet und genehmigt.

Hat der Verein noch irgendetwas unternommen, um das Abseits in seiner jetzigen Form zu sichern?

Wir haben bei der Stadt angefragt, ob Sanierungspläne vorliegen. Daraufhin hat die Stadt eine Bauzustandskontrolle für das Hauptgebäude durchgeführt. Hinsichtlich der denkmalgeschützten Substanz gibt es demnach keine Problemstellen. Die Stadt vertraut dem Grafen anscheinend, dass er seine eindeutigen Erklärungen oder Zusicherungen bezüglich dem Erhalt des Baudenkmals einhält. Wir tun das nicht.

Bundesverdienstkreuz für Graf Moy? „Eine Lachnummer“

Apropos Graf Guy von Moy: Der Eigentümer des Abseits-Gebäudes hat jüngst das Bundesverdienstkreuz für sein soziales, kirchliches und kulturelles Engagement in Bayern erhalten.

Für mich ist das eine totale Lachnummer. Gott sei Dank nicht nur für mich. Innerhalb des Vereins und in meinem ganzen Umfeld stößt das komplett auf Unverständnis. Und das für einen, der die Gastro kaputt macht, in dem er Lokale reihenweise in Wohnprojekte verwandelt. Das ist der Supergau aus meiner Sicht, dass einer, der das kulturelle Bedürfnis von Hunderten von Menschen missachtet und kulturelles Ehrenamt mit Füßen tritt, das Bundesverdienstkreuz erhält. Das ist wirklich nicht mehr zu toppen und damit auch nicht Ernst zu nehmen. Sollte ihm Kultur wirklich so wichtig sein, dann sollten wir uns zusammensetzen und das Kulturzentrum Abseits planen. Wege finden, wie man es doch noch verwirklichen kann.

Wie steht der Verein jetzt eigentlich da – ist denn ein Mitgliederschwund zu verzeichnen?

Im Großen und Ganzen stehen die Mitglieder hinter dem Verein. Es gab meines Wissen einige Austritte, näheres gilt es bei nächsten Jahreshauptversammlung festzustellen.

Alexander Fischer

Lesen Sie auch:

Der Landkreis Freising war aktiv wie nie: Die Weihnachtspäckchen-Aktion für bedürftige Senioren war ein voller Erfolg. Die Organisatoren sind überwältigt.

Bei Stephan Hierhager läuft es gerade ziemlich gut: Der 26-jährige Freisinger ist der beste Kfz-Technik Meister von Oberbayern - und Papa von Zwillingen geworden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare