Auf diesem Areal an der Johannisstraße soll die neue Bushaltestelle entstehen. Das Projekt wurde im Planungsausschuss kontrovers und emotional diskutiert.
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Auf diesem Areal an der Johannisstraße soll die neue Bushaltestelle entstehen. Das Projekt wurde im Planungsausschuss kontrovers und emotional diskutiert. Archiv

Vor allem Grüne leisten Widerstand

„Der ungünstigste Standort“: Busparkplätze an der Freisinger Johannisstraße lösen emotionale Debatte aus

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Im Zuge des Innenstadtumbaus geht es auch um Busparkplätze an der Freisinger Johannisstraße. Dieses Thema löste nun eine Debatte aus.

Freising – Vor vielen Jahren wurde das Integrierte Innenstadt-Entwicklungskonzept für die Stadt Freising einstimmig beschlossen. Den gesamten Umbau der Innenstadt verdankt man diesem Konzept. Ein anderes der 23 darin enthaltenen Projekte: ein Ein- und Ausstiegshalt für Touristenbusse an der Johannisstraße, der auch vom ÖPNV genutzt werden kann. Doch was so harmlos klingt, rief Widerstand bei Bürgern und jetzt Ärger im Planungsausschuss hervor.

Die Anfänge

Ende 2017 legte das Landschaftsarchitekturbüro toponauten eine Vorplanung für dieses Projekt vor, die vom Planungsausschuss in dieser Form auch genehmigt wurde. Im Sommer 2018 verfassten dann aber Freisinger Bürger eine Petition, in der sie den Erhalt des Parks an der Johannisstraße forderten. Das wiederum führte 2019 zu einer Informationsveranstaltung, bei der es ziemlich hoch her ging. Die Folge: Die toponauten wurden beauftragt, alternative Standorte zu untersuchen. Das Ergebnis dieser Untersuchung, bei der verschiedene Orte einer Bewertungsmatrix unterzogen wurden, wurde nun am Mittwoch dem Planungsausschuss vorgelegt. Resultat: Der Standort an der Johannisstraße habe die meisten Punkte erhalten und werde weiter als beste Lösung angesehen.

Die Diskussion

Doch das sahen nicht alle Stadträte so – eine Diskussion mit teils deutlicher Wortwahl war die Folge. Untersucht wurden mögliche Standort an der Kammergasse, an der Alois-Steinecker-Straße, am Hofgarten, an der Mainburger Straße, an der Wippenhauser Straße, an der Martin-Luther-Straße, am Bahnhof und an der Isarbrücke. Doch alle Standorte seien nicht so gut geeignet wie der an der Johannisstraße, erläuterte Tobias Kramer von den toponauten. Seine Empfehlung (und die der Verwaltung): Die Planungen für diesen Standort weiterführen, dabei freilich darauf achten, den Parkcharakter zu bewahren, einen Brunnen nach historischem Vorbild zu errichten oder auch so wenig Fläche wie möglich zu versiegeln.

Widerstand kam vor allem von der Fraktion der Grünen: Ob denn überhaupt Bedarf für einen solchen Halt für Touristenbusse gegeben sei, fragte sich Werner Habermeyer. Seines Wissens plane auch die Erzdiözese einen Busparkplatz für Domberg-Besucher. Habe man jemals mit der Kirche geredet? OB Tobias Eschenbacher betonte, man habe im Verlauf des Prozesses mit der Kirche geredet, ein Vertreter des Dombergs sei ständiges Mitglied im Innenstadtbeirat, Busparkplätze würden nach seiner Kenntnis nur für die Landesausstellung 2024 temporär errichtet. Manfred Drobny brachte die Einstellung seiner Fraktion auf den Punkt: „Wir Grüne halten den Standort nicht für geeignet.“ Der Johannispark sei eine historisch bedeutsame Parkfläche. Der Standort werde aufgrund „falscher Abwägungen“ vorgeschlagen, der Park an der Johannisstraße sei aus Sicht der Grünen gerade „der ungünstigste Standort“. Und auch Linke-Stadtrat Nicolas Graßy war von diesem Standort nicht überzeugt. Müsse man wegen drei bis fünf Bussen pro Tag so stark in den Park eingreifen?

Die Verärgerung

OB Eschenbacher konfrontierte die Kritiker damit, dass man doch genau das geplant habe, womit man vom Stadtrat einstimmig beauftragt worden war. Solle etwa die Verwaltung alles, womit sie die Stadträte beauftragten, trotzdem hinterfragen, ärgerte sich Eschenbacher. Und überhaupt: Man baue dort doch keinen Busbahnhof, sondern lediglich zwei Bustaschen. Insofern erschließe sich ihm die massive Kritik an dem Vorhaben nicht. Das sah auch Maria Lintl (FSM) so: Man habe die Innenstadtkonzeption nach langer und stetiger Beteiligung der Bürger und der Kirche einstimmig beschlossen – inklusive des Halts für Touristenbusse an der Johannisstraße. Und auch Anton Frankl (FSM) fand den Platz ideal gelegen. „Ich will doch als Tourist nicht auf irgendeinem Hinterhof abgeladen werden.“

Die Abstimmung

Die Abstimmung dafür, an dem Standort an der Johannisstraße festzuhalten und die Planungen fortzusetzen, fiel denkbar knapp aus: 8:6 Stimmen. Neben den drei Stadträten der Grünen und Graßy votierten auch Emilia Kirner (ÖDP) und Rudolf Schwaiger (CSU) dagegen.

Auch der Knotenpunkt FS44/FS45 sorgte für Diskussionen im Planungsausschuss der Stadt Freising: Grünen-Rat Manfred Drobny ist gegen die geplanten Untersuchungen zu einer Alternativlösung. 

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