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Satte 1800 Euro an Fehlbetrag hat eine 20-jährige Verkäuferin eines Erdbeerfelds in Freising binnen zwei Monaten angehäuft. Jetzt stand die Frau vor Gericht. Zutage kamen chaotische Zustände auf der Plantage.

„Das war ein totales Kuddelmuddel“

Chaos auf Freisinger Erdbeerfeld: Verkäuferin vor Gericht – Richter gibt guten Rat

Satte 1800 Euro an Fehlbetrag hat eine 20-jährige Verkäuferin eines Erdbeerfelds in Freising in zwei Monaten angehäuft. Jetzt stand die Frau vor Gericht. Zutage kamen chaotische Zustände auf der Plantage.

Freising – Der Wind, der Wind, das himmlische Kind: Beachtliche Differenzen in ihrer Abrechnung führt die Verkäuferin (20) eines Erdbeerfelds in Freising auf den ein oder anderen Windzug zurück, der über ihre Elektrowaage gestreift haben soll. Dem Inhaber der Plantage (42) und Arbeitgeber der Frau kam das spanisch vor. Denn der Fehlbetrag, den die junge Frau binnen zwei Monaten angehäuft hat, belief sich auf satte 1800 Euro. Von Ausfälle dieser Art blieb er auf seinen übrigen zwölf Erdbeerfeldern verschont. Der Pfaffenhofener schaltete die Polizei ein. Der wegen Unterschlagung gegen die 20-Jährige eingeleitete Prozess vor dem Amtsgericht Freising lief jedoch alles andere als glatt über die Bühne. Obwohl das Gericht sich schwer damit tat, den Ausführungen der jungen Freisingerin zu folgen, war ihr strafwürdiges Verhalten schwerlich nachzuweisen. Das liegt vor allem an der Buchführung des Landwirts, der seinen Verkäuferinnen offenkundig zu viel Leine ließ.

Die Einnahmen übergab die Angeklagte der Verwandtschaft

Die Rechnung des Landwirts vor Gericht ging so: Trotz allerbesten Wetters nahm die 20-Jährige niemals mehr als 300 Euro am Tag ein. Üblich waren nach Angaben des 42-Jährigen 500 bis 1000 Euro. Bei einem Stundenlohn von 8,30 Euro hätte es sich für den 42-Jährigen auch kaum gelohnt, den Verkaufsstand in Neustift zu besetzen.

Mehr noch: Auf dem Erdbeerfeld im Freisinger Stadtteil Neustift muss es chaotisch zugegangen sein. Wollte der Landwirt die Tageseinnahmen abholen, hatte die Angeklagte das Geld ihrer Schwester oder ihrem Vater übergeben, der hernach für eine Woche auf Montage war. Dabei hatten die Verwandten nach Angaben des Landwirts in dem Verkaufsstand nichts zu suchen. In einem anderen Fall will sie die Einnahmen einer Kollegin ausgehändigt haben. „Das hätte sie gar nicht tun dürfen“, erläuterte der 42-Jährige. „Das war ein totales Kuddelmuddel.“ Wie die Angeklagte dazu kam, die Einnahmen im Auto des Vaters zu deponieren, und was es mit der Schwester auf sich hat, hofft Richter Schätz, in einer nachfolgenden Sitzung zu klären.

Rätselhaft scheint, dass der Landwirt die Angeklagte so lange gewähren hat lassen. Auf die Frage der Staatsanwältin, weshalb er nicht früher insistiert habe, verwies er auf den ausgedünnten Arbeitsmarkt: Fähige Verkäufer seien nun mal Mangelware, sodass man mitunter froh sein könne, jemanden „aus der zweiten Garnitur“ zu erwischen.

Angeklagte gibt dem Wind die Schuld

Fest steht, dass keine der anderen Verkäuferinnen derartige Fehlbeträge produzierte. Schätz empfahl dem Landwirt dringend, sein Geschäft in der nächsten Saison besser zu sortieren und größeren Wert auf Mitarbeiterführung zu legen. Dass mit dem Wind und der Waage schien im Übrigen gar nicht so abwegig. Nach Informationen des Landwirts sind die Elektrowaagen tatsächlich sehr empfindlich. Dass sich ein Windzug in der Abrechnung niederschlagen könnte, sei jedoch ausgeschlossen, ist der 42-Jährige überzeugt: „Für jeden Buchungsvorgang muss man zwei Mal die Stern-Taste drücken.“ Dass ein Windzug derart viel Energie entfalten könnte, glaubt der Landwirt eher nicht.

Nach dem ersten Verhandlungstag setzte Richter Boris Schätz den Prozess aus. Zum nächsten Termin im neuen Jahr sind weitere Zeugen geladen, darunter die Schwester der Angeklagten. Andreas Sachse

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