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Die Idylle trügt: In der Moosach bei Hangenham wurden Industriechemikalien nachgewiesen.

Quelle des Übels noch nicht gefunden

Chemikalien in der Moosach: Diese Vermutung hat das Wasserwirtschaftsamt

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Die Moosach ist kontaminiert. Woher die Belastung kommt, muss nun herausgefunden werden. Der Chef des Wasserwirtschaftsamts hat eine Vermutung.

Freising – Es wird noch eine Weile dauern, bis man weiß, wo die Belastung der Moosach mit perfluorierten Alkylsubstanzen und der in ihr lebenden Fische mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) herrührt. Christian Leeb, der Chef des Wasserwirtschaftsamts München (WWA), kann momentan auch nur Vermutungen anstellen, wie er am Donnerstag dem Freisinger Tagblatt sagte. Die derzeit wahrscheinlichste Annahme: aus dem Grundwasser.

Vom Verzehr wird abgeraten

Wie berichtet, war im Rahmen eines bayernweiten Monitoring-Projekts mit Namen MOSAIC in der Moosach bei Hangenham ein erhöhtes Vorkommen von perfluorierten Alkylsubstanzen festgestellt worden. Bei zwei aufeinanderfolgenden Probeentnahmen (die erste am 22. Januar, die zweite am 9. April) waren 0,079 beziehungsweise 0,053 Mykrogramm der Substanz pro Liter gemessen worden – rund das Zehnfache dessen, was laut Umweltqualitätsnorm akzeptabel sei. Diese Resultate hätten das WWA dazu veranlasst, vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wildlebende Fische aus der Moosach untersuchen zu lassen. Am 1. August fanden diese Analysen statt, deren Ergebnisse dann dazu führten, von dem Verzehr von Fischen aus Moosach abzuraten.

Am Mittwoch, so Leeb, habe man sowohl Grundwasserproben als auch Wasserproben aus der oberen Moosach entnommen, um den Bereich, in dem die PFOS entstehen, einschränken zu können. Denn, so Leeb: Eine offensichtliche Quelle, von der die Stoffe eingeleitet würden, gebe es an der Moosach nicht. Weil es aber nicht der erste Fall einer solchen erhöhten Konzentration in Bayern ist, könne man in diesem Fall zumindest davon ausgehen, dass die Belastung vom Grundwasser herrühre. Und weil dieses „Zeug“, wie es Leeb nennt, in Löschschaum verwendet werde, könnte beispielsweise die Löschung des Brandes im BMW-Werk bei Neufahrn im Jahr 2001 oder auch ein Lkw-Brand auf der A 92 als Ursache in Erwägung gezogen werden. Bis diese jetzt festgestellte Substanz ins Grundwasser sickere und dann wieder in einem Fluss messbar sei, könnten nämlich durchaus so lange Zeiträume vergehen, so Leeb.

Andere Quellen möglich

Andere mögliche Quellen sind Hydrauliköle und Druckereien. Deshalb gebe es solche erhöhten PFOS-Werte auch beispielsweise wegen des dortigen Chemiedreiecks im Landkreis Altötting oder auch im Umkreis von Flughäfen (in Manching und Nürnberg). Am Münchner Flughafen aber explizit nicht, betonte Leeb. Grund: Als man am Badesee Stoibermühle ebenfalls vor einigen Jahren erhöhte Belastungen festgestellt habe, habe man das Grundwasser im Umfeld des MUC untersucht und dabei keine erhöhten Belastungen festgestellt.

Stoffe bauen sich nicht ab

Die Stoffe seien laut Leeb „persistent“. Sprich: Sie bauen sich nicht ab. Was könne man also tun? Sollte man eine Quelle erurieren können, wäre grundsätzlich eine Sanierung möglich, sagte Leeb. Sollten die PFOS allerdings ziemlich „diffus“ aus einem größeren Einzugsgebiet stammen (beispielsweise aus dem Stadt- und Landkreisbereich von München), seien Gegenmaßnahmen praktisch unmöglich. Mitte oder Ende nächster Woche dürften die Ergebnisse aus den am Mittwoch durchgeführten Probeentnahmen vorliegen, kündigte Leeb an. Dann wisse man vielleicht mehr.

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