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Christine Margraf und die Isar: Seit Jahrzehnten kümmert sich die 49-Jährige um den Erhalt der Natur – und seit 2001 auch in der Domstadt. 

Christine Margraf wurde vom Bundespräsidenten ausgezeichnet 

Vom Wolfsrudel bis zur dritten Startbahn

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Unermüdlich ist Christine Margraf aus Freising für den Bund Naturschutz im Einsatz: seit 30 Jahren ehrenamtlich für den BN Freising, seit 20 Jahren hauptberuflich für den BN in Südbayern. Ihr großes Engagement blieb auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht verborgen: Auf Schloss Bellevue wurde Margraf nun geehrt.

Freising – 1986: Die damals 18-jährige Christine Margraf kommt zum ersten Mal ernsthaft mit Naturschutz in Berührung. Die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf ist die Initialzündung für ein Leben, das dem Erhalt der bayerischen Heimat gewidmet ist. 15 Jahre später zieht es sie „der Liebe wegen“ nach Freising – wo sie bis heute ehrenamtlich engagiert ist. Beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten wurde sie für ihr Engagement geehrt – auch wenn sie betont: „Erfolge im Umweltschutz sind immer eine Gemeinschaftsleistung.“

Trotzdem: Was Christine Margraf in den vergangenen Jahrzehnten geleistet hat, ist aller Ehren wert. Die Isar, die Donau, der Flughafen, das Erdinger Moos, das Voralpenland – die Themen, denen sich Margraf widmet, könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch eines verbindet sie miteinander: Immer kämpft die Freisingerin für den Erhalt der Natur. Als sie das erste Mal in die Domstadt kam und den Flughafen vom Lehrberg aus erblickte, dachte sie sich: „Mein Gott, ist das ein Moloch da draußen.“ Von diesem Zeitpunkt an ließ ihr der Airport keine Ruhe mehr – erst recht nicht, als 2003 im Landesentwicklungsprogramm die dritte Startbahn auf den Plan kam. Seit 15 Jahren also kämpft sie schon gegen den Ausbau des Flughafens – und „gegen eine völlig verfehlte Verkehrs- und Klimapolitik“, wie sie betont.

Doch neben all den Geschichten, die im Erdinger Moos geschrieben werden, beschäftigt sie sich ständig mit der Isar, der Donau – und auch den Alpen. In den vergangenen 20 Jahren war sie immer engagiert, beim Ausbau der Skigebiete dagegenzuhalten und aufzuzeigen, frühzeitig über andere Tourismuskonzepte nachzudenken. „Die bayerischen Alpen liegen nun mal nicht so hoch.“ Die Folge: Man müsse sich überlegen, wie der Tourismus schneeunabhängig hochgehalten werden könne. Auch die Alpenflüsse nehmen in der Arbeit Margrafs einen besonderen Stellenwert ein: „Die Charakteristik der Flüsse ist einmalig.“ Hier setzt sie sich für die Renaturierung ein – Wasserkraftwerke passen da natürlich nicht ins Bild.

Auch als es um die Gebietsfindung für die Natura-2000-Schutzgebiete ging, war Christine Margraf ganz vorne dabei. Die Vorschläge, die der Bund Naturschutz damals abgab, liefen durch ihre Hände. Der Erfolg: Große Flächen im Alpenraum wurden in das Programm aufgenommen.

Doch dort beschäftigt man sich nicht nur mit Schnee und Schutzgebieten: Ab und zu tauchen auch Tiere auf, die die Bevölkerung in Aufruhr versetzen. Bären oder Wölfe seien das beispielsweise. Christine Margraf, beim BN auch für die Artenvielfalt zuständig, wirbt für die Akzeptanz dieser Tiere – betont aber auch, dass sie die Sorgen der Landwirte versteht. Im aktuellsten Fall streifen zwei Rudel Wölfe in der Nähe des Truppenübungsplatzes bei Grafenwöhr und im Bayerischen Wald herum. Derzeit versucht sie, bei den Landwirten für Zäune und Herdenschutzhunde zu werben. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass eine eigentlich fertige Richtlinie zwischen den Zuständigkeiten pendelt. Will heißen: Förderungen für Zäune und Hunde seitens der Staatsregierung sind eigentlich schon fast beschlossene Sache – doch Umwelt- und Landwirtschaftsministerium können sich laut Margraf momentan nicht einigen, wer was zahlt.

Das sind die Momente, in denen Margraf sich ärgert: Eigentlich, so scheint es, habe man alle in ein Boot gebracht. Doch dann hakt es an der Bürokratie. Und trotzdem blickt die 49-Jährige voller Freude und Stolz auf ihren Werdegang zurück: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht – was gibt es Schöneres?“ Angefangen hat sie damals wegen Wackersdorf – geblieben ist sie für Bayern.

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