Maske liegt am festlich geschmückten Tisch
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Weihnachten im Zeichen von Corona: Die Ausgangssperre an Heiligabend sei alternativlos, sagt Staatsminister Florian Herrmann. Angesichts der dramatischen Infektionslage hieße es „daheim bleiben!“ und Kontakte beschränken.

Corona-Beauftragter Florian Herrmann zur strengen Regelung an Heiligabend

Ausgangssperre an Weihnachten: „Leider müssen sich auch die Vernünftigen dran halten“

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Für viele wird Heiligabend aufgrund der Ausgangssperre zu einer kurzen Familienfeier. Der Corona-Beauftragte aus Freising steht zu der unpopulären Maßnahme.

  • Laut Staatsregierung soll auch an Weihnachten eine Ausgangssperre ab 21 Uhr gelten.
  • Auf den, der Verwandte fahren muss, erwartet daher nur ein kurzer Heiligabend.
  • Corona-Beauftragter Florian Herrmann äußert sich jetzt zu der unpopulären Maßnahme.

Landkreis – Die Regelung trifft viele hart: Auch an Heiligabend gilt eine Ausgangssperre ab 21 Uhr. Für viele Freisinger, die einen längeren Fahrtweg haben, um Angehörige nach Hause zu bringen, bedeutet das: Das Familienfest endet, bevor es richtig beginnt. Im FT-Interview verteidigt der Freisinger Abgeordnete Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Corona-Beauftragter der Staatsregierung die Marschroute – verbunden mit einer Weihnachtsbotschaft.

Herr Herrmann, welche Gründe haben den Ausschlag gegeben, auch an Heiligabend die strenge Ausgangssperre beizubehalten?

Heiligabend hat für viele Menschen eine besondere Bedeutung. Das gemeinsame Feiern im Kreise der Familie oder mit Freunden, auch der Kirchgang gehören an diesem Abend zur Tradition. Das Coronavirus nimmt jedoch auf unsere Traditionen keine Rücksicht. Es ist gefährlich und leider für immer mehr Menschen tödlich. Aus diesem Grund wurden die strengen Kontaktbeschränkungen für die Zeit über Weihnachten nur maßvoll gelockert, die nächtliche Ausgangssperre jedoch beibehalten.

Ausgangssperrre soll Arbeit der Polizei erleichtern

Sind denn Übernachtungen im vorgegebenen Rahmen erlaubt?

Übernachtungen sind möglich. Es geht darum, die Mobilität zu verringern, damit ab 21 Uhr Ruhe einkehren kann. Durch die Ausgangssperren wird auch die wichtige Arbeit der Polizei erleichtert. Sollten Gottesdienste oder Familienbesuche erst um 24 Uhr oder noch später enden, wäre es für die Polizei bei Kontrollen unmöglich zu unterscheiden, ob es sich nun um privates Feierpublikum oder tatsächlich Familienbesucher handelt. Da private Feiern nach der Feier im Familienkreis gemeinhin später stattfinden an Weihnachten, trägt die Ausgangssperre dazu bei, solche zu unterbinden. Leider müssen sich auch die Vernünftigen daran halten, damit man die Unvernünftigen unter Kontrolle bekommt.

Als Coronabeauftragter der Staatsregierung legt Staatsminister Florian Herrmann die Marschroute bei der bekämpfung der Pandemie mit fest.

Dann bleibt aber auch für Vernünftige nicht viel vom Heiligen Abend.

Es ist klar, dass die aktuelle Lage kein „normales“ Weihnachtsfest erlaubt. Wir befinden uns aber auch nicht in normalen Zeiten, sondern mitten in der Pandemie. Selbst Papst Franziskus hat die traditionelle Christmette vorverlegt, um der Ausgangssperre in Rom zu entsprechen. Alle sind gefordert, Kontakte zu beschränken. „Daheim bleiben!“ ist das Motto – insbesondere zum Schutz der Risikogruppen. Gerade Weihnachten sollten wir uns vor Augen führen, wie wichtig es ist, aufeinander achtzugeben.

Hohe Anzahl an Toten erlaubt kein sorgloses Weihnachten

Ist die Beibehaltung der Ausgangssperre für Heiligabend nicht ein politisches Eigentor, weil man viele Menschen gegen sich aufbringt, die eigentlich sehr konform gehen mit den Corona-Beschränkungen und sie auch einhalten?

Das aktuelle Infektionsgeschehen und die damit einhergehende hohe Anzahl an Todesfällen erlauben leider keine sorglosen Weihnachtstage. Wir sind überzeugt, dass sich die große Mehrheit der Bevölkerung der Wichtigkeit der Kontaktreduzierung bewusst ist. Dazu gehört auch die Beibehaltung der Ausgangssperre, denn Mobilität findet auf sehr unterschiedliche Weise statt, sodass daraus immer neue Kontakte entstehen können. Die Maßnahmen stellen für uns alle eine große Belastung dar. Wir sollten jetzt zusammenhalten und alles dafür tun, schnellstmöglich zu niedrigeren Infektionszahlen zu kommen. Bald wird das Impfen beginnen können – das ist ein echter Lichtblick.

Es gibt Berufsgruppen, die auch an Heiligabend bis abends arbeiten müssen – etwa Einzelhändler, die noch etwas ausliefern, oder Pflegekräfte, die sich um Corona-Patienten kümmern müssen. Werden diese Berufsgruppen, die ohnehin Corona-Opfer sind, durch den verkürzten Weihnachtsabend nicht noch zusätzlich bestraft?

Es ist klar, dass Personen, die an Heiligabend bis abends arbeiten müssen, besonders belastet sind. Das Coronavirus unterscheidet allerdings nicht zwischen Berufsgruppen. Wir alle sind gefordert, Kontakte zu reduzieren. Es bleibt nicht aus, dass Einzelne stärker belastet sein können. Die Reduzierung der Kontakte und damit die Eindämmung des Infektionsgeschehens liegt aber auch besonders im Interesse des ärztlichen Personals und der Pflegekräfte, die bei hohen Infektionszahlen massiv herausgefordert werden. Wir sollten uns daher alle vor Augen führen, wie wichtig ein solidarisches Verhalten ist, um es denen, die in Kliniken und Intensivstationen täglich Herausragendes leisten, nicht noch schwerer zu machen.

Staatsminister Herrmann: „Das Virus ist rund um die Uhr aktiv“

Viele Menschen gehen jetzt bereits freiwillig in Quarantäne, um einen möglichst sicheren Heiligabend zu gewährleisten, müssen dann aber etwa ihre Verwandten, die etwas weiter weg wohnen, ab 19 oder 20 Uhr heimfahren, um wieder rechtzeitig um 21 Uhr zu Hause zu sein. Lohnt sich diese Schutz-Quarantäne, zu der die Kanzlerin und der Ministerpräsident auffordern, überhaupt, wenn die Feier, die erst spätnachmittags beginnt, für viele bereits um 20 Uhr abgebrochen werden muss?

Die Schutzquarantäne soll das Risiko minimieren, sich im Vorfeld der Weihnachtstage mit Corona zu infizieren. Somit kann ein Beitrag geleistet werden, Familienangehörige und Freunde bestmöglich vor einer Infektion zu schützen. Ein etwaiges Infektionsrisiko hängt jedoch nicht davon ab, ob das Weihnachtsfest zum Beispiel bereits um 20 Uhr beendet sein muss. Das Virus ist rund um die Uhr aktiv – entscheidend ist der Kontakt an sich.

Gibt es also keine Aussicht darauf, dass die Ausgangssperre an Heiligabend später beginnt?

Das ist sehr unwahrscheinlich, denn die Zahlen steigen aktuell in Bayern, auch im Landkreis Freising.

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