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Rettung in höchster Not? Aus Straßlach bekam Dirk Dlugosch am Mittwoch zwei Ersatz-Autos geliefert. Noch aber sind die Pkw nicht zugelassen, und Dlugosch läuft die Zeit davon.

Verkettung unglücklicher Umstände

Existenzangst: Corona bremst Freisinger Fahrschule aus

  • Helmut Hobmaier
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Diesel-Skandal, Lieferengpässe, Corona: Eine Verkettung unglücklicher Umstände hat die Fahrschule Dlugosch in akute Existenznot gebracht. 

Freising – Bei Dirk Dlugosch macht sich „Weltuntergangsstimmung“ breit. Nach vier aufreibenden Monaten, in denen der Freisinger Fahrschulbesitzer mit allen Mitteln versucht hat, Schulungsautos zu beschaffen und zuzulassen, steht er jetzt ohne Fahrzeug da. „Ich hab’ kein Werkzeug mehr“, formuliert es der Freisinger. „Ich kann nicht mehr arbeiten.“ Eine Bürokraft und vier Fahrlehrer – ihn selbst mit eingerechnet – habe er freistellen müssen. Dlugosch: „Für mich ist das der Horror.“ Die fatale Situation hat vor allem eine Ursache: corona-bedingte Lieferengpässe.

Was für Unternehmen wie Dlugosch auch sehr problematisch ist: Die – ebenfalls wegen Corona – überlastete Freisinger Zulassungsstelle. Dort wird, wie Landratsamtssprecherin Eva Zimmerhof versichert, zwar unter erschwerten Bedingungen „unermüdlich gearbeitet“. Trotzdem gibt es lange Wartezeiten und einen großen Bearbeitungs-Rückstau.

Fahrschulautos: Der Markt ist leergefegt

Vier Dlugosch-Autos rollen zu normalen Zeiten durch Stadt und Land. Weil er jetzt zwei Mercedes vertragsgemäß zurückgeben muss, hat Dlugosch schon im Dezember 2019 zwei Range Rover als Ersatz nachbestellt. Doch die neuen Pkw kamen nicht – Lieferengpässe des Herstellers. Monatelang versuchte Dlugosch, fahrschulgerechte Autos (Schaltgetriebe, keine getönten Scheiben etc.) aufzutreiben – vergebens. „Der Markt ist wie leergefegt“, sagt der Freisinger. 

Nun geht ein weiteres Auto weg, das VW wegen des Dieselskandals zurücknimmt – und übrig bleibt noch ein letzter Pkw, der allerdings ein Automatikgetriebe hat. Nur auf diesem Pkw zu schulen, macht keinen Sinn – dann dürfte man nach bestandener Prüfung künftig nämlich nur Automatik fahren. „Und das will natürlich niemand.“

Der Zorn des Chefs richtet sich offenbar an den Falschen

Dlugosch sah schon alle Felle davonschwimmen – da kam vergangene Woche die Rettung in Form eines Autohändlers aus Straßlach. Der baute für Dlugosch flugs zwei Pkw zu Fahrschulautos um, die der Freisinger am Mittwoch nach Freising transportieren ließ. Jetzt aber hakt es bei der Zulassung. Dlugosch beauftragte einen Zulassungsdienst, der die nötigen Unterlagen schon vor einer Woche ans Landratsamt Freising geschickt hat – oder auch nicht. 

Komplett umgebaut wird die Zulassungsstelle, wie sie hier noch auf einem Archivfoto zu sehen ist. Doch auch die Folgen der Pandemie haben der Abteilung schwer zugesetzt. Nun gibt es einen enormen Rückstau und Wartezeiten von zwei bis drei Wochen.

Dlugosch nämlich bekam zunächst vom Amt die Auskunft, die Autos seien noch nicht zugelassen – und war stinksauer auf die Zulassung. Dann stellte sich heraus, dass die Zulassungsstelle die Unterlagen noch gar nicht hat – also offenbar unschuldig an der Verzögerung ist. Dlugosch will daher nun ein ernstes Wörtchen mit dem von ihm beauftragten Zulassungsdienst reden.

Wie auch immer: Der Fahrschulinhaber steht enorm unter Druck. Am Montag hat er bei einer Augsburger Firma einen Termin, um in die Autos Doppelpedale einbauen zu lassen. „Wenn ich den nicht halten kann, bekomme ich erst in vier Wochen wieder einen Termin.“ Dann stünde die Fahrschule still – und Dlugosch müsste auch die längst beim TÜV reservierten Prüfungstermine sausen lassen. Das würde eine Verzögerung von Monaten bedeuten.

Kfz-Stelle kämpft mit „enormen Rückstau“

Wie Dlugosch warten derzeit im Landkreis viele ungeduldig auf die Zulassung eines Fahrzeugs – und da hapert es tatsächlich an der Zulassungsstelle. Zwei bis drei Wochen muss man derzeit warten, bis man dort einen Termin bekommt. „Momentan“, berichtet Landratsamt-Sprecherin Eva Zimmerhof, „sind wir bei Anfang August“. Grund für den „enormen Rückstau“ sei zum einen der schon seit „Vor-Corona“-Zeiten laufende Umbau der Zulassungsstelle. Hätte man die Pandemie vorhergesehen, hätte man den Umbau wohl vertagt. 

Nun müssen die Mitarbeiter der Zulassung in sehr beengten Verhältnissen arbeiten – was wegen der geltenden Abstandsregeln einen Schichtdienst unumgänglich mache. Seit Wochen sei daher nur die Hälfte der Mitarbeiter einsetzbar – „und im Homeoffice lassen sich viele Dinge wie Ummeldung, Abmeldung oder Neuanmeldungen einfach nicht erledigen“. Zu allem Überfluss habe es dann auch noch einen Corona-Fall in der Zulassung gegeben. Die Folge: zwei Wochen Quarantäne.

Fahrlehrer: „Haben auch die Ölkrise überstanden

Zimmerhof: „Ich kann nur versichern: Die Mitarbeiter sind am Rotieren.“ Die Pressesprecherin hat auch Zahlen, die untermauern, dass die reduzierte Zulassungsmannschaft nicht Däumchen dreht: 2019 wurden im Juni 3580 Vorgänge bearbeitet, im Juni 2020 waren es 3523 – unter erschwerten Bedingungen. Zimmerhof: „Ich kann nur alle Betroffenen um Verständnis bitten. Wir tun, was wir können.“

Dirk Dlugosch hat am Mittwoch also die beiden Pkw aus Straßlach nach Freising verfrachten lassen. Jetzt hofft er auf ein kleines Zulassungs-Wunder. „Die Hoffnung stirbt zuletzt – wir haben schließlich auch die Ölkrise überstanden“.

Lesen Sie auch: Sozialer Wohnungsbau: Neuer Landrat plant mehr Engagement. 20-Jähriger an der Hackerbrücke verschwunden - jetzt gibt die Münchner Polizei Entwarnung. IHK-Bilanz zu Corona: Heimische Wirtschaft weiter im Krisenmodus.

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