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Oliver Hübler trägt in der Pandemie selbstverständlich eine Maske. Ein Blatt vor den Mund nimmt der Pflegedirektor nicht. 

„Für die Hysterie fehlt mir jedes Verständnis“

Corona-Demos: Freisinger Pflegedirektor prangert fahrlässiges Verhalten an – und warnt vor neuer Welle

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Corona-Demonstranten kritisieren nicht nur die Beschränkungen, sondern verbreiten auch oft krude Verschwörungstheorien. Diejenigen, die seit Monaten gegen das Virus kämpfen, haben dazu eine eindeutige Meinung.

Freising – Neben Kritik an den Beschränkungen verbreiten Corona-Demonstranten auch eine Reihe kruder Verschwörungstheorien. Wie kommt dieses Verhalten bei denjenigen an, die einen monatelangen Kraftakt im Kampf gegen das Virus hinter sich haben? Das FT hat bei Oliver Hübler, Pflegedirektor des Klinikums Freising, nachgefragt.

Herr Hübler, derzeit machen viele haarsträubende Corona-Behauptungen die Runde. Eine davon lautet: Das Coronavirus gibt es gar nicht. Was sagt jemand wie Sie, der monatelang mit der tödlichen Wirkung der Krankheit konfrontiert war, zu solchen Verschwörungstheorien?

Ich würde das schon mal gar nicht Verschwörungstheorie nennen. Denn der Begriff Theorie suggeriert ja, dass ein wissenschaftliches Denken stattgefunden hat. Wenn aber jemand Fakten negiert, heißt das nicht, dass sie verschwinden. Und Fakt ist: Wir im Klinikum Freising haben weder das Virus noch die Patienten erfunden, die wir hier seit fast drei Monaten behandeln.

„Wer durch die Straßen geht, muss sich fragen, ob Deutschland nur noch aus Großfamilien besteht“

Viele der Demonstranten fühlen sich in Ihrer Freiheit eingeschränkt. Haben Sie Verständnis dafür?

Freiheit ist ein hohes Gut. Daher erwarte ich nicht, dass jede Einschränkung widerspruchslos hingenommen werden muss. Man muss aber auch hinterfragen, inwieweit ich mit meinem Handeln der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werde. Da gilt es, den eigenen Egoismus und die Verantwortung für die Gesamtgesellschaft mit Augenmaß auszuloten. Für die Hysterie, die von vielen Corona-Demonstranten verbreitet wird, fehlt mir jedenfalls das Verständnis.

Die Corona-Demonstrationen sind letztlich Großveranstaltungen. Sehen Sie die Gefahr, dass die Infektionszahlen bald wieder zunehmen?

Natürlich. Mich würde es nicht wundern, wenn es – möglicherweise gegen Ende des Jahres – zu einer zweiten großen Infektionswelle kommt. Das hat aber nicht nur mit den Demonstranten zu tun, sondern mit vielen anderen auch, die sich ebenfalls fahrlässig verhalten. Wer durch die Straßen geht, muss sich fragen, ob Deutschland nur noch aus Großfamilien besteht. Anders gesagt: Die Leute halten sich kaum noch an die gesetzlich geltenden Schutzmaßnahmen.

„Verantwortlicheres Verhalten wäre ein Zeichen der Solidarität“

Sollte es erneut zu einem Lockdown kommen, wären nicht nur jene die Gelackmeierten, die sich brav an alles halten, sondern auch die Ärzte und Pflegekräfte hätten bei steigenden Infektionszahlen die Zeche zu bezahlen?

Stimmt, und da nützt es uns auch nichts, wenn sich die Menschen dann abends wieder ans Fenster stellen und uns applaudieren. Das war zwar eine schöne Geste, ist aber nicht die Wertschätzung, die wir brauchen. Ein sinnvolleres Zeichen der Solidarität mit uns wäre es vielmehr, wenn sich die Leute in nächster Zeit verantwortlicher verhalten würden.

Aktuelles im Landkreis Freising

Am Montag geht‘s los: In Freisings Oberer Hauptstraße beginnen die Arbeiten zur Neugestaltung der Innenstadt samt Öffnung der Stadtmoosach. Die Infos zu Straßensperrungen und Umleitungen gibt es hier.

Sie sind tagtäglich in Kontakt mit der Corona-Risikogruppe Nummer Eins: Pfleger in Altenheimen. Wie sehr der Job an den Nerven zerrt, berichtet Heimleiter Markus Khauer.

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