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Nur noch wenige Personen in Freising werden derzeit positiv auf Corona getestet. Das Klinikum bleibt trotzdem in Habacht-Stellung.

„Bereiten uns auf zweite Welle vor“: Freisinger „Corona-Feuerwehr“ bleibt wachsam

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Nur noch wenige Corona-Patienten liegen derzeit im Klinikum Freising. Doch sowohl im Krankenhaus als auch im Landratsamt rüsten sich die Kräfte für eine zweite Welle.

Landkreis Der Flächenbrand ist gelöscht, doch Flammen züngeln immer wieder hoch. Deshalb bleibt die ,,Corona- Feuerwehr“ im Landkreis aktiv und wachsam: das Klinikum, die Koordinierungsgruppe am Landratsamt und das Gesundheitsamt mit dem Contact Tracing Team.

Zwei Patienten müssen noch beatmet werden

Beinahe im „Normalzustand“ befindet sich inzwischen wieder das Klinikum. Bis vorvergangenen Freitag wurden noch 70 Betten für Covid-19-Patienten vorgehalten, jetzt wurde die Zahl deutlich reduziert. Nur noch drei Coronafälle (davon ein Verdachtsfall) liegen auf der Intensivstation, zwei dieser Patienten werden beatmet. Auf der Isolierstation (B 5) liegen noch fünf Covid-19-Patienten, von denen vier bereits einmal negativ getestet wurden und einer ein Verdachtsfall ist.

Der Leiter der Notaufnahme, Dr. Christian Fiedler, wurde zum ,,Pandemiebeauftragten“ berufen. Neu eingetroffen ist ein für die Covid-Diagnose wichtiges CT-Gerät, Schutzmaterial will man künftig für vier statt wie bisher für zwei Wochen vorhalten. Der Ärztliche Direktor Dr. Markus Neumaier zog bei einer Pressekonferenz im Landratsamt ein sehr positives Fazit: Von den insgesamt 24 auf der Intensivstation beatmeten Patienten seien 17 geheilt und nur drei verstorben. Vier habe man nach München verlegt. „Das sind im Vergleich zu anderen Häusern sehr gute Zahlen“, sagte Neumaier. ,,Wir stehen da sehr gut da.“

„Wir wussten nicht: Schaffen wir das?“

Neumaier bedankte sich noch einmal bei allen Mitarbeitern des Klinikums für deren „unglaublichen Einsatz“. Viele hätten sich freiwillig zum Dienst auf der Isolierstation gemeldet. Neumaier schilderte aber auch noch einmal eindringlich die dramatische Lage Ende März. Da lagen 67 Corona-Patienten im Klinikum, die Intensivstation sei ,,brechend voll“ gewesen, so Neumaier, die Beatmungsgeräte wurden knapp. Dazu die Bilder aus Bergamo. Neumaier: ,,Wir wussten nicht: Schaffen wir das?“

Gerade für die Pflegekräfte sei diese „schwere Zeit“ sehr belastend gewesen. Ein, zwei Wochen lang sei kein einziger neuer „normaler“ Patient ins Klinikum gekommen, berichtete der Ärztliche Direktor – „aus Angst vor Ansteckung“. So seien schwere Krankheiten verschleppt worden. Neumaier berichtete sogar von einem Patienten, der mit vier Wochen Verspätung mit einem Knochenbruch ins Klinikum gekommen sei.

Derzeit sind von den 350 Betten etwa 100 nicht belegt. Was eine zweite Corona-Welle betrifft, gab sich Neumaier zuversichtlich: Man sei jetzt gut gerüstet. Und: „Wir können alles kurzfristig wieder hochfahren.“

Gesundheitsamt konnte 3500 Kontaktpersonen aufspüren

Mit der Nachverfolgung und Betreuung von Kontaktpersonen sind weiterhin zehn Mitglieder den Contact Tracing Teams beschäftigt, berichtete Dr. Barbara Engelhardt vom Gesundheitsamt. Das Team, das Räume in der Realschule Gute Änger beziehen konnte, stünde auch mit den Erkrankten in täglichem Kontakt. Positiv Getestete müssten Symptom-Tagebücher führen. Insgesamt haben die Mitarbeiter des Gesundheitsamts bisher etwa 3500 Kontaktpersonen aufgespürt und begleitet.

Wie wichtig die Nachverfolgung der Kontaktpersonen ist, zeigt vor kurzem der „Mini“-Ausbruch, als im Landkreis plötzlich sieben neue Corona-Fälle gezählt wurden. „Diese Häufung war eher Zufall“, berichtete Dr. Engelhardt auf Nachfrage. Zum einen sei eine Familie betroffen gewesen, die sich das Virus wohl im Urlaub eingefangen habe. Zum anderen waren es Arbeitskollegen, die sich außerhalb des Landkreises angesteckt haben. „Das waren zunächst Kontaktpersonen, aus denen Erkrankte wurden.“

Oft sei die Ansteckung nicht nachvollziehbar, erklärte Dr. Engelhardt, da es weiter eine Reihe symptomfreier Virusträgern gebe, die sich nicht bewusst seien, dass sie ansteckend sind. Umso wichtiger sei es, auch weiterhin Abstand zu halten, Hygieneauflagen zu beachten und bei näherem Kontakt seine Maske zu tragen. Vor allem im Urlaub, denn oft werde das Virus auch eingeschleppt.

Virus wird oft aus dem Urlaub eingeschleppt

„Deshalb sollte sich jeder die Frage stellen, ob er heuer wirklich seinen Urlaub im Ausland verbringen muss“, ergänzte Tobias Diepold, Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt. Er betonte, dass mit den Lockerungen die Verantwortung zunehmend wieder auf jeden Einzelnen falle. Die Koordinierungsgruppe am Landratsamt bleibt weiter aktiv. Ein Schwerpunkt wird die Beschaffung von Schutzmaterial sein. Der Landkreis will eine Menge in der Größenordnung von vier bis fünf Schiffscontainern bunkern. „Wir bereiten uns auf eine zweite Welle vor“, versicherte Diepold, „und wollen beim nächsten Ausbruch noch besser reagieren.“

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