Gedeckter Tisch am Marienplatz in Freising.
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Die Tafel ist gedeckt, und auch die Forderungen der Gastronomen und Hoteliers liegen jetzt auf dem Tisch: Sie erwarten von der Politik ein Licht am Horizont.

Protestaktion auf dem Marienplatz

Gastroszene fordert Öffnungsperspektiven - Freisinger haben Angst um ihre Wirte

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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In einer Protestaktion haben Wirte und Hoteliers aus Freising von der Politik eine Öffnungsperspektive gefordert. Die Nöte der Betroffenen sind vielschichtig.

Freising – Mit einer bundesweiten Aktion haben Hotellerie und Gastronomie eine Öffnungsperspektive gefordert. Unter dem Motto „Gedeckter Tisch“ wiesen betroffene Betriebe auch auf dem Marienplatz in Freising plastisch auf ihre existenzielle Not hin.

In Hotels dürfen derzeit nur Menschen übernachten, wenn sie aus geschäftlichen Gründen in der Stadt sind oder wegen einer dringenden Privatreise, etwa aufgrund einer Beerdigung. „Deshalb liegt unsere Auslastung gerade mal bei zehn Prozent“, berichtet Marc Sielhöfer, Inhaber des Bayerischen Hofs. „Unsere Mitarbeiter sind zum Teil seit einem Jahr Zuhause, wissen nicht, wann es für sie weitergeht und haben Angst um ihren Arbeitsplatz.“ Von der Politik erwartet er daher Öffnungsszenarien. „Das sollte eine lösbare Aufgabe sein, vor allem, weil sich unser Hygienekonzept im Sommer bewährt hat.“

Freisinger Gastronom: „Halbscharig bringt nichts“

Immerhin: Die von der Politik versprochenen Hilfsgelder seien bei ihm angekommen, sagte Sielhöfer. „Darüber kann ich mich nicht beschweren. Aber ich will ja nicht am Tropf des Staates hängen, sondern mein Unternehmen gestalten.“

Auch bei Klaus Thermer, Gastronom im Lindenkeller, steigt der Frust. „Jedes Mal schaut man wieder die Pressekonferenzen des Ministerpräsidenten an in der Hoffnung, dass etwas über unsere Branche gesagt wird. Und jedes Mal werden wir wieder übergangen.“ Er hofft, dass bei den nächsten Bund-Länder-Gesprächen am Mittwoch eine Öffnungsperspektive für die Gastronomie erörtert wird. „Und zwar eine, die funktioniert.“ Denn es sei nicht möglich, den Betrieb von Heute auf Morgen zu öffnen. Kühlungen müssten hochgefahren, Warenbestände erneuert und Mitarbeiter organisiert werden. Deshalb: „Halbscharig bringt nichts.“

„Wir stehen in der Politik nicht zur Debatte. Das muss sich ändern.“

Das sagt auch Yvonne Zeller vom Restaurant Zellers in Freising. „Unser Wunsch ist, dass wir möglichst bald öffnen können, aber es muss auch realistisch umsetzbar sein.“ Es brauche also ein Konzept, das unabhängig davon sei, ob die Inzidenz bei 49 oder 51 liege. Denn es rentiere sich nicht, an einem Tag zu öffnen und am nächsten wieder geschlossen zu haben.

Sorgen macht sich Xaver Amler vom Sammamera (Nachfolger des Fellas), dass es in den Konzepten der Politik möglicherweise nur um Cafés und Restaurants gehen und die Abendgastronomie außen vor bleiben könnte. „Wir stehen in der Politik momentan nicht zur Debatte. Das muss sich ändern.“ Er hat seine Kneipe im August 2020, also mitten in der Pandemie eröffnet „Dass diese Entscheidung Risiken birgt, wusste ich. Mir war auch klar, dass der Winter hart werden würde. Aber dass er so hart wird, hätte ich nicht erwartet.“

Die Kunden haben inzwischen Angst um ihre Wirte

Denn schließlich, betont auch Franzika Kreuter, Wirtin des Furtnerbräu, hätten die Kneipen nicht nur zu den ersten Betrieben gezählt, die schon im November schließen mussten. „Schon im Oktober waren wir mit immer früheren Sperrzeiten betroffen.“ Daher hofft sie, dass es auch für die Abendgastronomie eine Lösung gebe – unter Zuhilfenahme von Schnelltests und digitaler Registrierungen, die eine schnelle Nachverfolgung möglich machen würden.

Bei den Stammgästen macht sich bereits Angst breit. Vor einigen Wochen hat das Furtner vorhandenes Restbier verschenkt. Der häufigste Satz, den Franziska Kreuter da gehört hat: „Gibt es euch denn überhaupt noch, wenn ihr wieder öffnen dürftet?“

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