Das Gesundheitsamt in Freising.
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Das Gesundheitsamt Freising ist „katastrophal überlastet“. Mehr Personal und eine neue Organisation sollen die Mitarbeiter nun entlasten.

Landrat appelliert an Bevölkerung

Freisinger Gesundheitsamt ist „katastrophal überlastet“: Jetzt soll aufgerüstet werden

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Das Gesundheitsamt Freising ist am Limit. Umstrukturierungen sollen die Belegschaft nun entlasten. Zudem bittet Landrat Helmut Petz die Bürger um mehr Verständnis.

Freising – „Katastrophal überlastet“ seien die bayerischen Gesundheitsämter nach sieben Monaten Pandemie – „und Freising geht es nicht anders“. Das gab Landrat Helmut Petz im jüngsten Corona-Pressegespräch am Dienstag unumwunden zu. Grundlegende Umstrukturierungen sollen nun Besserungen bringen. Gleichzeitig bat der Landrat die Bürger eindringlich um mehr Verständnis.

„Notorische Unterbesetzung“ im Gesundheitsamt

Durch die Pandemie treffe eine Fülle von zusätzlichen Aufgaben auf eine „notorische Unterbesetzung“, sagte Petz. Die Ärzte könnten sich nicht mehr allein auf ihre fachspezifischen Themen konzentrieren, da sie zusätzlich zahlreiche andere Aufgaben bewältigen müssten. „In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Abläufe daher oft holprig.“ Diese Probleme sollen nun gelöst werden. „Wir wollen das Gesundheitsamt personell, organisatorisch und atmosphärisch so auf die Beine stellen, dass es auch bei hochschnellenden Infektionszahlen leistungsfähig bleibt“, betonte Petz.

Informierten über die aktuelle Lage im Gesundheitsamt: (v. l.) Barbara Engelhardt (Gesundheitsamt), Landrat Helmut Petz, Tobias Diepold (Öffentliche Sicherheit und Ordnung) und Pressesprecher Robert Stangl.

Zum einen sei die Ärzteschaft deutlich unterbesetzt: Statt der Sollstärke von zehn habe man in Freising gerade sechs Kräfte. Künftig sollen von den bei der Regierung angestellten Ärzten zwei als „Springer“ für Freising tätig sein. Zusätzlich habe das Landratsamt zehn Kräfte von der Bundeswehr erbeten. Sie sollen das Gesundheitsamt unterstützen, indem sie flankierende Arbeiten wie Sekretariatstätigkeiten oder das Führen von EDV-Listen übernehmen.

Organisatorische Veränderungen geplant

Zudem sind organisatorische Veränderungen geplant: Einerseits werde die Zahlenerfassung komplett auf EDV umgestellt. Andererseits sollen die Aufgaben so sortiert werden, „dass wieder jeder das macht, was ihm obliegt“, sagte Petz. Außerdem wolle man Erreichbarkeit herstellen: Wichtig sei, dass sich niemand alleingelassen fühle. Das gelte nicht nur für Infizierte und Kontaktpersonen, sondern auch für Leiter von Einrichtungen wie Schulen, Seniorenheimen oder Asylunterkünften.

Stichwort Asylunterkunft: Dem Wunsch der Staatsregierung gemäß solle für eine solche Einrichtung Vollquarantäne angeordnet werden, sobald eine Person positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Der Landkreis Freising habe sich laut Petz diesem Wunsch nicht angeschlossen. Das Gesundheitsamt prüfe und bestimme die jeweiligen Quarantäneregeln. Bei dem Fall in der Unterkunft an der Katharina-Mair-Straße sei die Quarantäne aufgrund der räumlichen Gegebenheiten für alle Bewohner notwendig gewesen, erläuterte Tobias Diepold vom Amt für Öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Atmosphäre im Gesundheitsamt ist „angeschlagen“

Was Petz neben den personellen und organisatorischen Veränderungen am Herzen liegt, ist die Atmosphäre am Gesundheitsamt. In dieser Hinsicht sei die Lage „angeschlagen“, was Mitarbeiterin Barbara Engelhardt bestätigte. Sie und ihre Kollegen hätten zum Teil auf Urlaub verzichtet, 15-Stunden-Tage seien keine Seltenheit, noch immer würden Überstunden aufgebaut. „Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagte Engelhardt.

Landrat Petz appellierte daher an die Landkreisbürger: Es sei „sehr demotivierend“, wenn die Mitarbeiter vonseiten der Bevölkerung „nur Häme und Schimpfe“ ernteten. Er erinnerte an den Ärger um die Kfz-Zulassungsstelle im Mai: „In Spitzenzeiten kamen dort 7000 Anrufe pro Tag rein.“ Ein Andrang, der schlicht nicht zu bewältigen sei – so wie jetzt am Gesundheitsamt. Freilich habe er Verständnis für alle, die sich alleingelassen fühlten. „Aber die Mitarbeiter zu beschimpfen, geht nicht.“

Corona-Testzentrum in Freising: Mit Symptomen erst zum Hausarzt

Seit Montag ist das Corona-Testzentrum in der Freisinger Luitpoldanlage geöffnet. Am ersten Tag seien 126 Tests gemacht worden, berichtet Tobias Diepold, Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung. „Das ist auch in etwa der Schnitt vom letzten Monat.“

Um einen Test-Termin zu erhalten, ist eine Registrierung unter www.coronatest-fs.de notwendig. „Wer Symptome hat, sollte schon vor der Terminvereinbarung den Hausarzt kontaktieren“, betont Diepold. Dieser teste entweder selbst oder überweise an das Testzentrum. Die Stelle an sich mache keine ärztliche Beratung und könne daher keine Krankschreibung ausstellen.

Ergebnis per Mail oder Post

Nach einem Abstrich soll die Testperson das Ergebnis nach 24 Stunden erhalten. Diese Rücklaufzeit habe das Labor zugesichert. Das gelte freilich nur für diejenigen, die sich online registriert und die Auskunft per Mail angefordert haben. Wer im Testzentrum ein Kontaktformular händisch ausfüllt (ein Mitarbeiter überträgt die Daten vor Ort ins EDV-System), erhalte sein Ergebnis – dementsprechend später – per Post.

Etwa 50 neue Corona-Infektionen wurden zuletzt pro Woche für den Landkreis Freising gemeldet. Wie diese Häufung zustandekam und was das für das Gesundheitsamt bedeutet, erklärt Barbara Engelhardt.

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