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Corona hat psychische Probleme verschärft: Die Jugendhilfe arbeitet in Freising „am Anschlag“

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Besorgter Mensch
Die Pandemie hat die psychischen Probleme der Menschen verschärft. Viele warten auf einen ambulanten Therapieplatz – und müssen sich immer länger gedulden. © Symbolbild: dpa

Die psychischen Probleme der Menschen haben in der Pandemie zugenommen. Doch das Personal reicht hinten und vorne nicht.

Freising – Die Jugendhilfe Freising arbeitet am Limit – das war das Fazit der Berichte verschiedener Arbeitskreise bei der PSAG-Vollversammlung am Donnerstag. Die psychischen Probleme der Menschen nehmen zu, das Personal reicht hinten und vorne nicht. Die engagierten Kräfte im Bereich Kinder und Jugend fanden daher klare Worte: „Die Jugendhilfe ist am Anschlag, mehr geht nicht!“

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Vollversammlung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Freising zum zweiten Mal online stattfinden. Da durch Krankheitsfälle einige Referenten ausfielen, gab es vom Unterarbeitskreis Kinder und Jugend nur das Protokoll des Treffens vom Oktober. Sämtliche Arbeitsbereiche in der Katholischen Jugendfürsorge seien gut ausgelastet, hieß es. Die Auffälligkeiten der Kinder und Jugendlichen nehmen zu.

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Neu im Jugendwerk Birkeneck: Die E-Schule ab erster und vierter Klasse ist gestartet. Dieses Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Förderbedarf im sozialen und emotionalen Bereich. Dazu gibt es auch eine offene Ganztagsschule. Auch die Gruppen in Birkeneck sind ausgelastet, viele Anfragen betreffen immer jüngere Kinder.

PSAG-Vorsitzender Christian Jotter wurde per Handzeichen wiedergewählt. lorenz
PSAG-Vorsitzender Christian Jotter wurde per Handzeichen wiedergewählt. © Lorenz

Beim Prop e.V. wird das ambulant betreute Wohnen vermehrt durch junge Erwachsene belegt – außerdem falle den Konsumenten in jüngster Zeit immer häufiger stark verunreinigtes Cannabis auf, das stärker eine gesundheitliche und psychische Gefährdung mit sich bringe. Im begleiteten Umgang der Caritas gäbe es viele schwere Fälle und eine durchgängige Vollauslastung. Die Zusammenfassung der jüngsten Sitzung: Personalmangel an allen Ecken und Enden.

Immer mehr Betroffene erhalten in Freising einen Sozialwohnungsvorschlag

Vom Cannabis-Problem berichtete auch Bärbel Würdinger vom Unterarbeitskreis Sucht. Geplant sei demnächst eine Aktionswoche Alkohol, in deren Rahmen anonyme Biographien von Betroffenen veröffentlicht werden sollen. Außerdem hat die Gruppe Sucht die Drogenfahndung zu sich eingeladen. Was sich Würdinger dringend wünscht: Eine stärkere Vermittlung des Präventionsprojektes FreD vom Prop e.V. durch die Polizei.

„Wir sind ein gutes Team“: Vivian Rasemann ist stellvertretende PSAG-Vorsitzende.
„Wir sind ein gutes Team“: Vivian Rasemann ist stellvertretende PSAG-Vorsitzende. © Lorenz

Auch die komplexen psychischen Probleme bei Betroffenen im Bereich Erwachsenenpsychiatrie nehmen zu, wie Petra Rabus von der zuständigen Unterarbeitsgruppe berichtete. Was überaus positiv zu bewerten sei: Immer mehr Betroffene erhalten in Freising einen Sozialwohnungsvorschlag. Menschen mit seelischer Behinderung und gleichzeitiger Intelligenzminderung können außerdem demnächst ein ambulant betreutes Einzelwohnen in Anspruch nehmen. Hier schließt sich eine Lücke, betonte Thomas Winter von der Lebenshilfe Freising. Sechs Plätze für Menschen ab 21 Jahren, die keinen Anspruch mehr auf Jugendhilfe haben, sind bis dato geplant.

Manche Senioren wurden komplett abgehängt

Aber auch das Thema Medien sei nach wie vor ein riesiges Thema, wie die 2. Vorsitzende der PSAG, Vivian Rasemann, ausführte – und zwar in puncto Schutz, Therapie, aber auch Teilhabe. Denn manche Senioren seien hier einfach komplett abgehängt worden, weil nicht jeder ältere Mensch über die nötige Grundausstattung verfüge. Dieses Thema soll im kommenden Jahr vertieft werden – in einem Präsenztreffen, wie alle hoffen. Nicht in Präsenz konnte die Neuwahl der Vorsitzenden durchgeführt werden, so dass sich die PSAG für eine unkomplizierte Wahl via Handzeichen im Chat entschied.

Einstimmig wiedergewählt wurden Christian Jotter als 1. Vorsitzender und Vivian Rasemann als 2. Vorsitzende. „Die Ideen sind da, wir sind ein gutes Team!“ betonte Rasemann. Und Jotter machte es kurz und bündig: „Ich bin bereit für die nächsten zwei Jahre!“ (Richard Lorenz)

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