Sie alle waren beeindruckt von den Bildern der Kinder: (v. l.) Andreas Meinel und Stefanie Gölz (KULTUR-gut!), OB Tobias Eschenbacher, Max Kirchmaier (MASELL Verlag), Kulturreferentin Susanne Günther, Stadtbibliothekarin Susanne Beck und Jutta Ederer, Inhaberin von Bücher Pustet in Freising, bei der Vorstellung des Buches „Alles anders“. gleixner
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Sie alle waren beeindruckt von den Bildern der Kinder: (v. l.) Andreas Meinel und Stefanie Gölz (KULTUR-gut!), OB Tobias Eschenbacher, Max Kirchmaier (MASELL Verlag), Kulturreferentin Susanne Günther, Stadtbibliothekarin Susanne Beck und Jutta Ederer, Inhaberin von Bücher Pustet in Freising, bei der Vorstellung des Buches „Alles anders“.

Initiative von KULTUR-gut!

Ihr Alltag mit Corona: Freisinger Kinder malen Bilder, die zu Herzen gehen

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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130 Kinder aus Freising haben ihre Erfahrungen mit Corona dank des Vereins KULTUR-gut! künstlerisch verarbeitet. Ergebnis ist ein Bildband, der zu Herzen geht.

  • Der Freisinger Verein KULTUR-gut! hat Kinder zwischen neun und zwölf Jahren dazu aufgefordert, ihren Alltag mit Corona künstlerisch zu verarbeiten.
  • Rund 130 Kinder haben mitgemacht. Aus ihren Werken ist ein Bildband und eine Ausstellung entstanden, die zu Herzen gehen, weil der Lockdown sie hart getroffen hat.
  • Oberbürgermeister tut es „unheimlich leid“ für die Kinder.
  • Erlös des Bildbands kommt Menschen zugute, die unter Spätfolgen von Corona leiden.

Freising – Die Bilder: in allen Farben leuchtend. Die Motive: zu Herzen gehend. Das Buch: wunderschön. Rund 130 Kinder haben sich auf Initiative des Vereins KULTUR-gut! Freising malend, zeichnend und schreibend mit der Pandemie auseinandergesetzt. Der Bildband mit dem Titel „Alles anders – Corona und ich“ ist jetzt erschienen, die Bilder sind zudem an den Fenstern der Stadtbibliothek an der Weizengasse für alle Passanten zu sehen.

Der Impuls für das Projekt kam von einem Kind selbst. Clara, Enkeltochter der KULTUR-gut!-Vorsitzenden Stefanie Gölz, hatte das Virus als Monster gemalt. Vereinsmitglied Andreas Meinel kam daraufhin auf die Idee, ein großes Projekt daraus zu machen. Im FT wurden Kinder zwischen neun und zwölf Jahren dazu animiert, sich kreativ mit Corona auseinanderzusetzen. „Buben und Mädchen sollen über Bilder, Texte und Bastelarbeiten ausdrücken, wie es ihnen geht, was ihnen fehlt, was ihnen Hoffnung und Freude macht“, erklärte Gölz im Februar.

Die Bilder zeigen, wie die Kinder unter dem Lockdown gelitten haben

Die Resonanz war enorm. Neben der angesprochenen Altersgruppe betätigten sich auch jüngere Geschwisterkinder künstlerisch. Der Jüngste im Bunde der Kreativen: der zweijährige Benedikt. „Wir haben alle 130 Bilder, die wir erhalten haben in dem Buch abgedruckt“, berichtete Stefanie Gölz im Rahmen der Buchvorstellung am Donnerstag in der Stadtbibliothek. „Blatt für Blatt haben uns die Bilder erstaunt, einige auch erschüttert.“

Denn die Bilder, so bunt die meisten gestaltet sind, zeigen, dass die Kinder unter der Pandemie gelitten haben. Die Werke spiegeln ihre Einsamkeit wider, ihre fehlenden Sozialkontakte, ihre Hinwendung zur Familie und auch die Defizite in ihrer Lebenswirklichkeit – geschlossene Bäder, Spielplätze, Sporthallen, Stadien. Der neunjährige Jakob schreibt: „Echt scheise, du blöder Virus. I mog di ned, Depp!!!!!!!!“ Für Gölz steht daher auch fest: „Dieses Buch ist ein Menetekel, das alle, besonders die verantwortlichen Politiker, daran erinnern soll, dass für diese Generationen und die Lehrenden viel und Ungewöhnliches getan werden muss.“

Oberbürgermeister über die Kinder: „Es tut mir unheimlich leid“

Das sieht auch Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher so, der dem Buch als Schirmherr mit einem handgeschriebenen Grußwort eine persönliche Note verliehen hat. „Bei vielen Maßnahmen standen die Kinder nicht im Vordergrund der Überlegungen. Dabei ist es für sie ans Eingemachte gegangen. Es tut mir unheimlich leid, dass ihnen aus ihrer kurzen Zeit der Kindheit ein Jahr herausgestrichen wurde.“

Lob gab es vom OB, dass die Bilder der Kinder nicht nur im Buch, sondern eben auch im öffentlichen Raum zu sehen sind. Darüber ist auch Susanne Beck, Leiterin der Stadtbücherei, glücklich. „Es freut uns sehr, dass KULTUR-gut! auf uns zugekommen ist, und wir die Bilder ausstellen dürfen. So geraten wir als Veranstaltungsort nicht ganz in Vergessenheit.“

Erlös kommt Menschen zugute, die unter Corona-Spätfolgen leiden

Die Bibliothek hat das Buch in ihr Sortiment aufgenommen. Außerdem kann es bei Bücher Pustet ab einer Spende von 15 Euro erworben werden. Der Erlös kommt dem vergangene Woche gegründeten Verein „Elias“ zugute, der sich um Menschen kümmert, die an Langzeitfolgen von Covid leiden.

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