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Pressekonferenz im Landratsamt

Corona-Krise: Die Ruhe vor einer möglichen zweiten Welle

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Die Lage in der Corona-Krise ist im Landkreis Freising stabil. Dieses Fazit zogen Klinikum-Leiter und Ärzte-Sprecher bei einer Pressekonferenz. Möglicherweise ist es aber „die Ruhe vor einer zweiten Welle“, wie Dr. Mark Bardenheuer zu Bedenken gab.

Landkreis– „Es ist ein bisschen Ruhe eingekehrt“, fasste Versorgungsarzt Dr. Mark Bardenheuer bei der Pressekonferenz gestern Nachmittag im Landratsamt die Situation in der Corona-Krise zusammen. Möglicherweise sei das aber „die Ruhe vor einer zweiten Welle“, gab er zu Bedenken. Immerhin würden ab Montag die Ausgangsbeschränkungen gelockert – die müsse man abwarten. Doch mit Blick auf die (Haus-)Ärzte sagte er: „Wir stehen gut gerüstet da“, um einen Anstieg von neuen Infizierten bewältigen zu können.

Im Klinikum leichter Patientenrückgang

Ins selbe Horn stieß auch der Ärztliche Direktor am Klinikum Freising, Dr. Markus Neumaier. Im Krankenhaus verzeichnet er einen „leichten Rückgang“ an Patienten. Am gestrigen Donnerstag seien 35 Corona-Patienten stationär behandelt worden – zehn würden sich auf der Intensivstation befinden, sieben von ihnen werden beatmet. Todesfälle verzeichnet das Klinikum 22 – nur einer davon sei unter 70 Jahren, aber ebenfalls „schwer vorerkrankt“ gewesen.

Sechs Verstorbene unter 70 Jahre

Die aktuellen Zahlen präsentierte die neue Leiterin des Gesundheitsamts, Kathrin Mariß-Heinrich. 884 positiv getestete Fälle verzeichnet das Landratsamt (das Landesamt für Gesundheit 913). 629 Patienten seien mittlerweile wieder genesen, 38 Patienten verstorben. Sechs Verstorbene seien zwischen 60 und 70 Jahre gewesen, „der Rest älter als 70 Jahre“, erklärte sie. 

Kathrin Mariß-Heinrich, Leiterin des Gesundheitsamts Freising

Mit Blick auf die Alten- und Pflegeheime sowie die Asylbewerberunterkünfte sagte sie, dass es keine Neu-Infektionen gegeben hätte. Am schlimmsten hätte es, wie berichtet, das Kursana-Domizil in Au erwischt, in dem man 14 Todesfälle verzeichne und in dem von den 37 getesteten Bewohnern „20 noch positiv“ sind. Doch es gebe hier – wie auch in anderen Einrichtungen, „keine Neuerkrankungen“, berichtete Mariß-Heinrich. Landrat Josef Hauner nannte diese Entwicklung „erfreulich“. Und auch, dass sich im Klinikum von den über 1000 Mitarbeitern „nur“ zehn infiziert hätten, zeige, wie hoch die Hygienestandards im Landkreis seien.

Vorkehrungen an den Schulen

Über die Vorkehrungen an den Schulen und den bevorstehenden Schulstart am Montag berichtete Florian Plajer, Abteilungsleiter des Hoch- und Tiefbauamts. So würden an den Landkreis-Schulen aktuell Hygienemaßnahmen ergriffen, um Schüler, Lehrer und Personal zu schützen. Für die Handhygiene stehe in jeder Toilette ein Flüssigseifen- und Handtuchspender bereit.

Florian Plajer, Leiter des Hoch- und Tiefbauamts und zuständig für die Schulen im Landkreis

Die sogenannte Vollreinigung, die an den Schulen bislang normalerweise alle 2,5 Tage stattgefunden hätte, würde nun täglich durchgeführt. Sprich: Es werden nicht nur Böden gewischt und Papierkörbe geleert, sondern nun auch täglich Tische, Bänke, Türklinken und Handläufe desinfiziert. Dies sei nur möglich, da ab kommenden Montag nur ein eingeschränkter Betrieb herrsche. Wie es aussieht, wenn alle Schüler wieder in den Schulen sind, bleibe abzuwarten.

Starter-Paket für die Schulen

Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist laut Kultusministerium bislang nicht notwendig, berichtete Plajer. Doch der Landkreis habe sich am Mittwoch dafür entschieden, die Schulen mit einem Starter-Paket auszustatten, so dass alle (Abschluss-)Schüler, Lehrer und das Personal am Montag eine OP-Maske bekommt – sozusagen als freiwillige Leistung und als einmalige Sache. Für alle Schüler, die am 4. und 11. Mai wieder an die Schulen zurückkehren, könnten solche Masken allerdings nicht bereitgestellt werden, betonte Plajer und stellte klar: „Es wird keine Folgelieferung geben.“

Kein Pausenverkauf, keine Mensa-Öffnung

Als weitere Schutzvorkehrung seien alle Schulen angeschrieben und gefragt worden, ob das Sekretariat mit Trennscheiben ausgestattet werden soll. Und auch in Sachen Pause werden in den Schulen Maßnahmen getroffen. Eine ist für alle gleich: „Mensa und Pausenverkauf bleiben geschlossen“, so Plajer, der überzeugt ist, dass „der Landkreis für den Schulstart am nächsten Montag vorbereitet ist“.

Unterstützung fürs Gesundheitsamt

Bei der Ermittlung von Kontaktpersonen wird das Gesundheitsamt von einem „Contact-Tracing-Team“ unterstützt. Die Regierung hat dem Landkreis nun 20 junge Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst zur Verfügung gestellt, die ihre EDV-Arbeitsplätze mit PC und Telefon in der Realschule Gute Änger in Freising haben werden. Bis zum Ende der Sommerferien habe die Schule dafür Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, betonte Plajer. Wie lange die Helfer im Einsatz sein werden, sei „nicht absehbar“. Wichtig: „Der Daten- und Gesundheitsschutz ist gesichert“, so Plajer.

Entspannte Lage, die etwas Luft verschafft

Für Tobias Diepold, dem neuen Leiter des Amts für Sicherheit und Ordnung, gestaltet sich die Lage „etwas entspannt, was uns etwas Luft verschafft“.

Tobias Diepold, Leiter des Amts für Sicherheit und Ordnung

Lesen Sie auch: Aus für 13. Jahrgangsstufe: BOS Freising scheitert an Anmeldezahlen und BAföG-Regularien

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