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Auch leitende Mediziner unterzogen sich der Prozedur: Chefarzt Dr. Christoph von Schilling erschien am Dienstagmittag zum Coronatest.

Von Entwarnung bis Worst Case ist alles möglich

Corona-Massentest am Klinikum Freising: „Die Folgen sind nicht absehbar“

Nach einem Corona-Vorfall auf der Krebsstation haben Hunderte von Mitarbeitern des Klinikums Freising haben 

Freising – Es war eine noch nie dagewesene Aktion: In einem zehnstündigen Kraftakt haben am Dienstag die Mitarbeiter des Klinikums Freising einen Rachenabstrich erhalten. Mehrere hundert Angestellte des Krankenhauses unterzogen sich freiwillig der Prozedur.

Hintergrund: Ein Pflegeschüler, der auf der Krebsstation tätig ist, war vergangene Woche positiv auf das Virus getestet worden. Während sich der junge Mann sofort in Quarantäne begab, wurden sämtliche Kontaktpersonen von ihm identifiziert. Insgesamt 88 Betroffene erhielten daraufhin einen Rachenabstrich. Dabei stellte sich heraus, dass der Fall Null in der Inkubationszeit zwei weitere Mitarbeiter und drei – Krebspatienten angesteckt hatte – Letztere blieben bis heute symptomfrei.

Lesen Sie dazu: Nach dem Corona-Ausbruch auf der Krebsstation am Klinikum Freising gilt für das Wochenende nicht nur ein Besuchsverbot, sondern wohl auch ein Aufnahmestopp. Zuvor mussten sich zahlreiche Mitarbeiter einem Massentest unterziehen. Die Klinikleitung hat nun einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung ausgegeben.

Einige Klinikmitarbeiter haben sogar ihren Urlaub unterbrochen

Für Landratsamt und Klinikleitung war damit der Zeitpunkt gekommen, „das komplette Krankenhaus abzustreichen“, wie es Landrat Helmut Petz ausdrückte. „Eine Kompletttestung bietet nur eine Momentaufnahme. Doch jetzt haben wir eine Situation, wo diese Momentaufnahme absolut sinnvoll ist.“

Auch der Pandemiebeauftrage des Klinikums, Dr. Christian Fiedler, befürwortete die kurzfristig auf die Beine gestellte Mega-Aktion, die im Gebäude des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in unmittelbarer Nähe zum Klinikgebäude stattfand. „Wenn nicht jetzt, wann dann . . .“ Fiedler betonte aber auch, dass es sich um einen Sprung ins kalte Wasser handle. Das zeigte sich bereits am Morgen. „Bereits um 8 Uhr morgens hatten wir einen Riesenansturm. Damit hatten wir nicht gerechnet.“ Bis zum Hubschrauber-Landeplatz reichte die Warteschlange. „Selbst Mitarbeiter, die sich derzeit im Urlaub befinden oder einen freien Tag hatten, sind gekommen“, lobte der Pandemiebeauftragte. „Ich finde es ganz wunderbar, dass diese freiwillige Aktion von allen so gut angenommen wird.“

Mittags waren bereits mehr als 500 Personen getestet

Umso hilfreicher war die große Unterstützung, die das Klinikum für die Massentestung erhielt. Das THW hatte Schutzausrüstung gestellt. Mitarbeiter von BRK und Johannitern kümmerten sich um die Rachenabstriche. Alle vier Teststellen in dem Gebäude waren zu jeder Zeit mit vier Helfern besetzt. Nach jeweils 60 bis 90 Minuten wurde das Personal in den Räumen gewechselt. Auch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes beteiligten sich an den Abstrichen. Zudem verfolgten der Betriebsrat und die Abteilung für Klinikhygiene den Ablauf mit.


„Alles lief reibungslos“, berichtete Fiedler. Um 12 Uhr waren bereits mehr als 500 Mitarbeiter getestet. Um 14 Uhr wuchs die Schlange dann nochmals: Zu diesem Zeitpunkt rückte die Spätschicht des Klinikums an. Dann aber hatten es die Tester geschafft.

Pandemie-Beauftragter: „Die Folgen sind nicht absehbar“

Jetzt heißt es, auf die Ergebnisse warten. Fiedler weiß, dass viele Blicke auf die Klinik gerichtet sind. „Auch andere Krankenhäuser wollen natürlich wissen, was jetzt herauskommt.“ Statistischen Schätzungen zufolge hat rund ein Prozent der Bevölkerung Corona, ohne es zu wissen. Auch der Pandemiebeauftragte rechnet mit positiven Fällen. Die Auswirkungen aber vermag er noch nicht einzuschätzen. „Die Folgen sind nicht absehbar.“ Das hänge auch davon ab, wen es treffe.

„Angesichts unserer sehr knapp gestrickten Personaldecke schmerzt gerade im Pflegebereich jeder Ausfall“, betont Fiedler. Besonders empfindlich treffen würde es das Krankenhaus aber auch, wenn etwa einer der Fachärzte positiv getestet würde – oder wenn eine ganze Abteilung in Quarantäne müsste. „Wenn das OP-Team ausfällt, oder wir die Radiologie schließen müssten, dann ist ein normaler, sinnvoller Krankenhausbetrieb nicht mehr möglich.“ Daher liege sogar ein 14-tägiger Notbetrieb oder Klinik-Lockdown im Bereich des Möglichen.

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