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Für Alte und Kranke: Nachbarschaftshilfe über Facebook gegründet

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Von: Magdalena Höcherl

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Einkäufe und mehr bietet die „Nachbarschaftshilfe Stadt und Landkreis Freising!“ älteren und kranken Menschen an. © dpa

„Nachbarschaftshilfe Stadt und Landkreis Freising!“ heißt die Facebook-Gruppe, die seit Kurzem existiert und enormen Zulauf hat. Angeboten werden nicht nur Einkäufe in Zeiten von Corona.

Freising – Dass jede Krise auch eine Chance birgt, davon ist Melanie Wolf überzeugt. Damit die Landkreisbürger ihren Alltag in Zeiten von Corona gut meistern können, hat die 40-jährige Freisingerin zusammen mit ihrer Freundin Monika Thalhammer die Facebook-Gruppe „Nachbarschaftshilfe Stadt und Landkreis Freising!“ ins Leben gerufen. Dort finden Interessierte Unterstützung und Austausch. Mit dieser Aktion wollen die Frauen zudem ein Zeichen setzen: für mehr Miteinander – auch in einer Zeit nach Corona.

Natürlich sei die Gruppe aufgrund der aktuellen Situation gegründet worden. „Aber wir wollten sie nicht Corona-Gruppe nennen, denn wir möchten sie auch danach aufrechterhalten“, erklärt Wolf im FT-Gespräch. Das Virus sei zwar der Anstoß gewesen. „Jetzt ist jeder ein bisschen wachgerüttelt, dass man aber auch so einmal Hilfe brauchen kann.“

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Alle weiteren News und Infos zum Coronavirus und den Auswirkungen im Landkreis Freising lesen Sie auch immer in unserem Freisinger Coronavirus-News-Ticker.

Nachbarschaftshilfe ist nicht nur über Facebook erreichbar

Auf ältere Mitbürger und kranke Menschen muss derzeit besonders Rücksicht genommen werden. Aber viele haben auch einfach Angst, das Haus zu verlassen, oder stehen unter Quarantäne. Um sie nicht im Stich zu lassen, können sich Freisings Bürger nun vernetzen. „Wir können die Krise nur meistern, wenn wir uns koordinieren, uns zusammentun und organisieren“, sagt Wolf. Einkaufen, mit dem Hund Gassi gehen, Besorgungen anbieten: „Es muss keine große Sache sein. Viele kleine Teile ergeben das Puzzle.“

Hier kommt die Nachbarschaftshilfe ins Spiel. Damit jeder davon erfährt, informieren Wolf und Thalhammer nicht nur auf Facebook: Sie haben einen Info-Flyer mit Abrisszetteln für Telefonnummern entworfen. Gruppenmitglieder können den Flyer ausdrucken und schnell und einfach in ihrem Haus auf die Aktion aufmerksam machen. „Weil nicht jeder einen Drucker hat, kann man die Flyer auch im CoMedicum an der Freisinger Haydstraße 17 abholen.“

Unterstützung möglich ganz ohne Kontakt - schon mehr als 300 Helfer

Natürlich werde darauf geachtet, die notwendigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Wer Hilfe braucht, meldet sich telefonisch – und gibt zum Beispiel die Einkaufsliste durch. Nach dem Einkauf wird – wieder übers Telefon – der Betrag mitgeteilt. Der Einkäufer stellt die Waren vor die Tür und kann das Geld, das etwa unter der Fußmatte deponiert wurde, mitnehmen. „So hat man überhaupt keinen Kontakt und schützt sich gegenseitig“, sagt Wolf.

Am vergangenen Freitag wurde die Nachbarschaftshilfe-Gruppe gegründet. Mittlerweile hat sie über 300 Mitglieder und etliche Beiträge, in denen Menschen ihre Hilfe anbieten, sich gegenseitig motivieren und daran erinnern, dass niemand allein ist. Wolf ist zufrieden: „Wir hatten schon erste Erfolge.“

„Jetzt ist es an der Zeit, zusammenzuhalten“

Die Motivation, eine solche Plattform zum Austausch zu gründen, habe auf der Hand gelegen. Wolf ist Krankenschwester, Monika Thalhammer medizinische Fachangestellte. „Wir haben diese Berufe gewählt, weil wir Leuten helfen möchten“, sagt Wolf. Zudem wisse sie durch ihre Arbeit zur Genüge, dass es viele Menschen gibt, die niemanden haben. Diese dürften jedoch gerade jetzt nicht in Vergessenheit geraten.

Mit der Aktion wollen die beiden Frauen das Miteinander wieder mehr in den Fokus rücken. „In den letzten Jahren sind die Menschen immer egoistischer geworden.“ Jetzt sei eine Zeit, in der man merke, dass es auch andere gibt. „Das Virus ist eine unglaubliche und riesige Herausforderungen für jeden von uns.“ Deshalb lautet Wolfs Appell: „Jetzt ist es Zeit, zusammenzuhalten und unseren persönlichen Beitrag zu leisten.“ Die Krise sei eine Chance für mehr soziale Wärme – auch nach dem Ende der Pandemie.

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