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Projekt „Sicheres Klassenzimmer“ in Freising: So gut helfen Luftfilter wirklich gegen Corona

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Von: Magdalena Höcherl

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Richtig benutzt, haben Luftreiniger durchaus positive Effekte auf die Luftqualität im Klassenzimmer – richtiges Stoßlüften aber auch. Symbolbild: Hoppe/Dpa
Richtig benutzt, haben Luftreiniger durchaus positive Effekte auf die Luftqualität im Klassenzimmer – richtiges Stoßlüften aber auch. © Sven Hoppe

Wie effizient sind Luftfilter in Klassenzimmern? Dazu gab der Kreis Freising ein Forschungsprojekt in Auftrag. Jetzt sind die Daten ausgewertet. Das Ergebnis ist durchaus überraschend.

Landkreis – Das Ziel war von Anfang an klar: Schüler sollten im Unterricht bestmöglich vor einer Corona-Infektion geschützt werden. Über die Marschroute waren sich die Verantwortlichen uneins. Der Landkreis Freising wollte es genau wissen und hat daher an dem Forschungsprojekt „Sicheres Klassenzimmer“ der Hochschule München teilgenommen. Die Daten stellte Professor Christian Schwarzbauer am Dienstag bei einem Pressetermin in der Realschule Gute Änger vor. Die Quintessenz: „Pauschal alle Klassenzimmern mit Luftfiltern auszustatten, ist nicht nötig.“

Lüftungsmethode verändert CO2-Konzentration und Viruslast

Ein Schuljahr lang wurden an 68 Schulen im Großraum München sowie in Mainz die Luftqualität in den Klassenzimmern gemessen. Im Landkreis Freising wurden insgesamt 55 Klassenzimmer in 14 Schulen mit Sensoren ausgestattet, die Daten von insgesamt 10 000 Unterrichtstagen erfassten. Die Werte wurden mit einem sogenannten „Referenzklassenzimmer“ verglichen: ein Raum mit 200 Kubikmetern, 24 Schülern, einer Lehrkraft sowie einer Lüftungsanlage mit dreifachem Luftdurchsatz.

Schwarzbauer zeigte auf, wie sich die CO2-Konzentration sowie die Virus-Konzentration in den Klassenzimmern je nach Lüftungsmethode verändern. Das Ergebnis der Gesamtdatenauswertung: Beim Stoßlüften über die Fenster lag die CO2-Konzentration 21 Prozent der Unterrichtszeit über dem von Umweltbundesamt empfohlenen Wert. Waren mobile Luftreiniger im Einsatz, war der CO2-Wert 22 Prozent der Zeit zu hoch, in Räumen mit fest verbauten Raumlufttechnischen Anlagen 23 Prozent der Unterrichtszeit.

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In puncto Viruslast gingen die Werte deutlich weiter auseinander: Wurde über die Fenster gelüftet, lag die Virus-Dosis im Raum fast die Hälfte der Unterrichtszeit über dem empfohlenen Wert. Bei mobilen Luftreinigern war die Dosis nur an zehn Prozent der Tage zu hoch, bei den fest verbauten Anlagen an knapp 20 Prozent. Das bedeutet: Mit dem Einsatz von Luftreinigern könne man das Infektionsrisiko freilich reduzieren. Sie müssten aber richtig konfiguriert und funktionstüchtig und vor allem unterrichtstauglich, sprich leise, sein. Das sei nicht immer der Fall gewesen. Allerdings machte Schwarzbauer auch deutlich: „Der Zusatzeffekt ist aber eher klein, wenn schon sehr gut gelüftet wird.“

„Stoßlüften ist nicht so schlecht wie sein Ruf“

Stichwort Lüften: „Stoßlüften ist nicht so schlecht wie sein Ruf“, kommentierte Schwarzbauer die Forschungsergebnisse. Sie zeigten jedoch auch, dass der Faktor Mensch sozusagen der Dreh- und Angelpunkt sei. Durch eine Art Werbekampagne und entsprechende Schulungen für Lehrkräfte könne man hier Verbesserungen erreichen.

In zwei Wochen werden die detailliert aufgeschlüsselten Daten dem Landrat auf 350 DIN A4-Seiten übergeben. Zudem bekommt jede Schule individuelles Feedback und Empfehlungen.

Landrat Helmut Petz machte erneut deutlich, dass es natürlich keine Frage sei, Klassenzimmer, die sich schlecht lüften lassen, mit entsprechenden Geräten auszustatten. Auch sollen Neubauten künftig mit RLT- oder ähnlichen Anlagen ausgerüstet werden, um nicht nur Schüler und Lehrer besser gegen durch Aerosole übertragbare Infektionen zu schützen, sondern auch, um für eine dem Lernumfeld angemessene Luftqualität zu sorgen.

Für die bestehenden Schulen, die der Landkreis unterhält, sei es jedoch wichtig zu wissen, dass richtiges Lüften bereits sehr gute Effekte erzeuge – wenngleich das Thema Lüften mit Blick auf den Winter und die Energiepreise ein schwieriges Thema sei. Welche konkreten Maßnahmen den Forschungsergebnissen folgen, müssen letztlich der Schulausschluss und die politischen Gremien entscheiden.

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