Hochbetrieb an der Drive-In-Strecke in Zolling: Ab Samstag unterstützt das BRK das Gesundheitsamt an der Teststrecke. 
+
An der Corona-Teststrecke des Landkreises Freising, die zunächst in Zolling eingerichtet war, halfen auch Kräfte des BRK Freising mit.

Gefährlich, belastend und zunehmend anstrengender

Corona setzt Retter unter Druck: Die Arbeit des BRK Freising wird immer schwieriger

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
    schließen

Die Mitglieder des BRK Freising gehören zu den Kräften, die die Corona-Pandemie besonders fordert. Dem Druck könnten leider nicht mehr alle standhalten, berichtet der BRK-Chef.

Freising – Sie sind diejenigen, die gesund bleiben müssen: Geschäftsführer Albert Söhl und die etwa 180 hauptberuflichen sowie ehrenamtlichen Einsatzkräfte des BRK-Kreisverbands Freising. Der Rettungsdienst gehört zum Katastrophenschutz – und trotzt der Pandemie jeden Tag.

„Seit März sind unsere Leute der Gefahr ausgesetzt“

„Seit März sind unsere Leute der Gefahr ausgesetzt, sich anzustecken“, sagt BRK-Chef Söhl. Das sei mitunter eine immense Belastung für seine Leute: Eine Mitarbeiterin, die sich mit dem Virus infiziert hatte und mittlerweile wieder genesen ist, kämpfe noch immer mit den psychischen Folgen und der Sorge, erneut zu erkranken. Eine zweite habe aus Angst vor einer Infektion sogar gekündigt. „Das ist ein großes Problem.“

Die Erfahrung der vergangenen Monate habe gezeigt, dass es immer wieder zu Ansteckungen kommen könne. „Man kann beim Krankentransport noch so vorsichtig sein: Erst heißt es, die Person sei negativ, doch dann werden wir einen halben Tag später informiert, dass der Test doch positiv war.“ Hundertprozentige Sicherheit könne schlicht in keinem Fall garantiert werden. Das habe er schnell gelernt, sagt Söhl.

Was wir früher in einem Jahr verbraucht haben, brauchen wir jetzt in einer Woche

BRK-Chef Albert Söhl über Schutzausrüstung

Die Rettungskräfte sind nicht nur verstärkt einem Infektionsrisiko ausgesetzt: Ihre Arbeit ist auch deutlich aufwendiger geworden. Zudem sei der Verbrauch an Schutzmaterialien extrem gestiegen. „Was wir früher in einem Jahr verbraucht haben, brauchen wir jetzt in einer Woche“, sagt der BRK-Chef. Die volle Ausstattung – sprich FFP2- oder sogar FFP3-Mundschutz, Kittel, Brille, Visier und doppelt Handschuhe – habe man vor der Pandemie nur bei Patienten mit Tuberkulose oder dem Krankenhauskeim MRSA benötigt. „Und natürlich nicht in diesen Mengen.“

Lieferengpässe habe es „Gott sei Dank“ noch nicht gegeben, das BRK habe rechtzeitig Vorräte angeschafft. Zudem habe man geholfen, das bayerische Pandemielager einzurichten, um die verschiedenen Kreisverbände, aber auch Einrichtungen wie Seniorenheime mit Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel auszustatten. „Zusammen mit den Münchner Kollegen haben wir mit unseren zwei Lkw fast ganz Oberbayern beliefert“, berichtet Söhl.

BRK-Gemeinschaft leidet und Corona

Was sein Team in den vergangenen acht Monaten geleistet habe und immer noch leiste, sei enorm. Jeder und jede trage die Verantwortung und die Maßnahmen mit – das gehe schließlich nicht anders. „Ich bin stolz auf jeden Einzelnen“, betont der Kreisgeschäftsführer.

Dass die Leute „nicht mehr so richtig“, sondern nur noch in Teams beziehungsweise in Schichten zusammenkommen könnten, findet er jedoch sehr schade. Wie zahlreiche Vereine und Organisationen habe man sämtliche Treffen und Feierlichkeiten absagen müssen. Die Tragweite sei schlicht riesig: „Wenn wir etwa bei unserer Weihnachtsfeier eine infizierte Person dabei hätten, könnten wir den Rettungsdienst nicht mehr aufrechterhalten“, erklärt Söhl. „Aber die Gemeinschaft geht den Leuten ab.“

Seinen Wunsch dürften viele teilen: Mit Corona werde die Gesellschaft leben müssen. Albert Söhl: „Aber ich hoffe, dass wir bald einen Impfstoff bekommen und das Virus dann wirksam bekämpfen können.“

Der hohe Anstieg des Corona-Inzidenzwerts im Landkreis Freising hat Konsequenzen: Ab sofort gelten verschärfte Corona-Regeln für diverse Bereiche.

Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Freising ist am Freitag auf 46,81 gestiegen. Das Landratsamt erlässt eine Allgemeinverfügung. Die Schulen reagierten schnell.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare