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Seit 1. Juli erhält jeder in Bayern, der das möchte, einen kostenlosen Coronatest. Aber ist das auch sinnvoll?

Georg Miedl rät weiter zu Vorsicht

Coronatests für alle: Freisinger Ärztesprecher rechnet mit Überraschungen

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Mit seinen kostenlosen Coronatests für alle hat Bayern eine bundesweite Kontroverse ausgelöst. Freisings Ärztesprecher Georg Miedl hat dazu eine klare Position. 

Freising – Seit 1. Juli bietet der Freistaat Bayern für jeden Bürger kostenlose CoronaTests an und hat damit eine bundesweite politische Kontroverse ausgelöst. Das FT hat beim Freisinger Ärztesprecher Georg Miedl nachgefragt, wie er diesen bayerischen Sonderweg aus medizinischer Sicht bewertet. Er berichtet, welche Aufschlüsse er sich davon erhofft, warum er mit Überraschungen rechnet, und wie er im Augenblick das Risiko einer Ansteckung bewertet.

Herr Miedl, der Freistaat bietet als einziges Bundesland nun flächendeckend Coronatests an. Was halten Sie davon?

Prinzipiell ist es richtig, viel zu testen. Unsere Praxis ist voraussichtlich ab Mitte der Woche dabei. Wir machen das gerne für die Bevölkerung und im Sinne der Gesamtgesundheit. Ich bin gespannt, zu was das führen wird, denn wir können natürlich Überraschungen erleben.

Testergebnisse sollten binnen 48 Stunden vorliegen

Inwiefern?

Bisher haben wir ja nur bei Menschen getestet, die ins Cluster gefallen sind oder eine medizinische Indikation hatten. Dann kamen die Reihenuntersuchungen in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern, Seniorenheimen und Kitas hinzu. Jetzt kann sich jeder testen lassen, auch wenn er nicht krank ist. Da kann es sein, dass wir über diesen Weg auf einen Corona-Träger stoßen, der gar keine Symptome hat. Interessant wird sein, ob diese neuen Erfahrungen nun zu einer anderen wissenschaftlichen Aussagekraft führen.

Wie laufen die Tests für Freiwillige ab?

Wie bisher auch hat jeder Arzt die Möglichkeit, den Rachenabstrich selbst vorzunehmen oder die Teststrecke zu nutzen.

Wann können die Testpersonen mit einem Ergebnis rechnen?

Derzeit ist es so, dass bei medizinischen Verdachtsfällen eine Testung binnen 24 Stunden stattfindet, und auch binnen 24 Stunden ein Ergebnis vorliegt. Bei Freiwilligen besteht nun der Wunsch der Politik, dass beides jeweils im Rahmen von 48 Stunden stattfindet.

Georg Miedl sagt: „Wir können Überraschungen erleben.“

Die Testperson erhält das Ergebnis also spätestens nach vier Tagen.

Richtig. Da inzwischen die entsprechenden Kapazitäten geschaffen wurden, sollte das auch funktionieren.

Erwarten Sie eine deutliche Mehrbelastung für Ärzte durch die freiwilligen Corona-Tests?

Bisher haben sich vier Personen für einen freiwilligen Test gemeldet. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Allerdings stellt dieser bayerische Sonderweg die Verwaltung vor neue Herausforderungen. Denn diese Tests werden ja nicht mit der Krankenkasse abgerechnet, sondern über einen politischen Fördertopf bezahlt. Für die neuen Abrechnungsmodalitäten mussten wir eine Lösung finden, und das sehr kurzfristig umsetzen. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen herzlich bedanken für die geleistete Arbeit der letzten Monate und für die Kraft, auch diese politische Vorgabe professionell umzusetzen.

Ärztesprecher rechnet mit „Zufallstreffern“

Sollten sich die Ärzte bei Tests von freiwilligen Personen genauso schützen wie bei denjenigen, bei denen ein medizinischer Verdacht auf Corona
besteht?

Ich empfehle das. Ich werde jedenfalls auch in diesen Fällen bei PCR-Tests neben Mund-Nasen-Schutz auch Brille, Kittel und Handschuhe tragen. Denn die Möglichkeit, einen Zufallstreffer zu landen, ist ja vorhanden. Und nach jetzigen Erkenntnissen ist die Ansteckungsgefahr ein, zwei Tage vor Ausbruch der Symptome besonders hoch.

Einen Erkenntnisgewinn bieten diese Tests aber ohnehin nur bei diesen Zufallstreffern. Für jemanden, der negativ getestet wurde, ist die Aussagekraft des Ergebnisses hingegen ziemlich gering.

Das stimmt. Das Ergebnis sagt nur aus, dass die Person zum Zeitpunkt des Rachenabstrichs nicht mit Covid-19 infiziert war oder nach zu kurz zurückliegender Infektion noch keine Viren nachweisbar sind. Danach besteht das gleiche Ansteckungsrisiko wie zuvor. Allerdings dürfen Menschen auch wiederholt solche Tests vornehmen. Das ist keine einmalige Möglichkeit.

Auch der Antikörpertest gibt keine 100-prozentigen Garantien

Wären nicht dennoch flächendeckende Antikörper-Tests aufschlussreicher?

Wir bieten solche Tests ja ebenfalls an – allerdings nicht kostenfrei.

Wie viel müssen Interessierte dafür bezahlen?

Bei uns etwa 50 Euro. Interessanterweise sind diese Tests aber günstiger als die PCR-Tests, die bei über 100 Euro liegen. Das hängt mit den unterschiedlichen Verfahren zusammen.

Rentiert sich die Investition in einen Antikörper-Test?

Das muss jeder für sich entscheiden. Dieser Test stellt fest, ob jemand mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit durch die Krankheit durch ist oder bisher nicht infiziert war. Aber selbst, wenn sich bei jemandem bereits Antikörper gebildet haben, heißt das nicht, dass er für immer aus dem Schneider ist. Noch gibt es keine sicheren wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie lange sich die Antikörper im Organismus halten.

Miedl: „Wir dürfen da nicht nachlässig werden“

Befürchten Sie, dass es im Herbst zur Viren-Saison eine zweite Infektionswelle gibt, wenn das Immunsystem der Menschen stärker belastet wird?

Es ist auf jeden Fall möglich. Es besteht auch die Gefahr, dass sich eine Coronawelle mit der üblichen Influenzawelle überkreuzt. Aber das Risiko der Ansteckung ist auch jetzt da. Das sieht man überall, wo viele Menschen aufeinandertreffen und keine Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Ihr Fazit?

Ich empfehle jedem, weiterhin Mund-Nasen-Schutz zu tragen, Abstand zu halten und Händehygiene zu betreiben. Da haben wir inzwischen wirklich die Erkenntnis, dass sich Menschen auf diese Weise gegenseitig wirksam schützen können. Wir dürfen da nicht nachlässig werden.

Auch um die „Privilegien“, die wir nach dem Lockdown zurückgewonnen haben, nicht wieder zu verlieren?

Ja. Es wäre schade, wenn wir diese Freiheit leichtfertig wieder herschenken würden.

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