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Der letzte ihrer Art: Atemmasken sind in Freisings Apotheken derzeit nicht zu bekommen. Ihre Schutzwirkung ist ohnehin dürftig. Das beste Mittel, sowohl gegen Grippe als auch gegen Coronavirus, ist Hygiene. 

Mundschutz in Freising ausverkauft

Coronavirus: Freisinger Experte warnt vor Panik – „Influenza ist ansteckender“

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Das Coronavirus hat Bayern erreicht. Das Klinikum Freising ist vorbereitet. Jedoch warnt der Hygienebeauftragte vor Panikmache – und vor der Grippewelle, die jetzt oft verharmlost werde.

Landkreis – Der Erreger ist in Bayern angekommen: Ein 33-jähriger Mann, der im Landkreis Landsberg am Lech lebt und im Landkreis Starnberg arbeitet, hat sich bei einer Arbeitskollegin aus China mit dem Coronavirus infiziert. Für die Bevölkerung im Landkreis Freising besteht jedoch nur eine sehr geringe Gefahr, betont Dr. Christian Fiedler. Der Leiter der Notaufnahme und Hygienebeauftragte am Klinikum Freising warnt vielmehr vor der Grippewelle, die langsam auf den Landkreis zurolle – und die in der Aufregung um das neue Virus oft verharmlost werde.

„Coronavirus offensichtlich weniger ansteckend als Influenza“

Bislang hätten schon einige Menschen aus dem Großraum München am Klinikum angerufen – mit dem Verdacht, sich möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert zu haben. Das Prozedere verlaufe so gut wie identisch zu anderen Krankheiten, die per Tröpfchen beziehungsweise über die Luft übertragen werden, erklärt Fiedler. „Dafür gibt es klare Regeln: Wir machen eine Anamnese, der Patient wird isoliert, das Personal trägt Schutzkleidung.“ Das einzig Neue: „Wir fragen nach, ob der Betroffene kürzlich in Wuhan oder Umgebung war, oder ob er engeren Kontakt zu jemandem hatte, der in China war.“ Sollte das tatsächlich der Fall sein, stehe das Klinikum in engem Kontakt mit verschiedenen spezialisierten Zentren. Ein Virologe oder Mikrobiologe könne jederzeit nach Freising beordert werden.

Die Ansteckungsgefahr für die Bevölkerung im Landkreis schätzt der Hygieneexperte für sehr gering ein. Hysterie und Panikmache seien nicht angebracht. Vielmehr dürfe man das Augenmaß nicht verlieren. „Das neue Virus ist offensichtlich weniger ansteckend als die Influenza“, betont der Mediziner. „Uns droht jetzt wirklich die Grippewelle, auf die wir schon seit einigen Wochen warten.“ Gerade bei alten und abwehrgeschwächten Menschen könne die Influenza zu schweren Verläufen führen. „Dass man sich dagegen aber impfen kann, wissen viele gar nicht.“ Fiedler möchte den Erreger aus China keineswegs verharmlosen. Er unterstreicht jedoch auch: „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen und Coronavirus und Influenza nicht vermischen.“

Mundschutz in Freising nicht mehr erhältlich

Aus Sorge vor dem neuen Erreger erleben die Apotheken derzeit eine enorme Nachfrage nach Atemmasken. In der Engel-Apotheke in Freising ist der Mundschutz mittlerweile ausverkauft, berichtet Apothekerin Beate Widmann am Dienstagvormittag auf Anfrage. Nachbestellungen seien nicht möglich: „Im Großhandel sind auch keine Masken mehr verfügbar.“ Das gilt auch für die Stadtapotheke Freising. Nachschub wird dort frühestens ab Montag erwartet.

Um sich vor dem Influenza- ebenso wie vor dem Coronavirus zu schützen, rät die Apothekerin, derzeit verstärkt auf Hygiene zu achten. Dazu gehöre, sich regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen, wenig Hände zu schütteln und zu Personen, die Grippe- beziehungsweise Erkältungsanzeichen wie Husten, Schnupfen und Co. zeigen, Abstand zu halten.

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Atemmasken bieten kaum Schutz

Das bestätigt Hygienebeauftragter Fiedler. Den Mundschutz sieht er kritisch: Das Tragen sei übertrieben und bringe wenig. Wird man direkt angehustet, biete die Maske keinen Schutz – genauso wenig, wenn man sich mit einem Erkrankten längere Zeit, sprich 15 Minuten und mehr, im selben Raum befinde, da sich das Virus auch über die Luft ausbreite. Fiedler sagt aber auch: „Wenn sich jemand in der U-Bahn damit wohler fühlt, soll er ihn tragen.“

Alle Informationen und Hintergründe zum ersten Coronavirus-Fall in Deutschland lesen Sie hier.

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