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Ein Probe aus dem Landkreis Freising musste bisher an der Charité in Berlin noch nicht einem Corona-Schnelltest unterzogen werden.

„Jeder weiß, was zu tun ist“

Coronavirus schon im Landkreis Freising angekommen? So bereitet sich das Klinikum vor

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Das Klinikum Freising bereitet sich auf den ersten Corona-Fall im Landkreis vor. Laut Experten soll das Virus schon hier angekommen sein. Den Medizinern macht bislang aber vor allem die Grippe zu schaffen.

Freising – Am Klinikum Freising bereitet man sich auf den ersten Corona-Fall im Landkreis vor: Regelmäßig treffen sich Geschäftsführung, Ärzte und Pflegepersonal zu Gesprächen. Abläufe und Maßnahmen für den „Ernstfall“ werden besprochen – und generell herrsche „sehr hohe Aufmerksamkeit und Sorgfalt“, wie Klinikum-Sprecher Sascha Alexander betont – vor allem bei der Patientenaufnahme. Noch aber macht den Medizinern im Landkreis vor allem die Grippe zu schaffen. Bis jetzt wurden bereits 530 Influenzafälle gezählt, mehr als in der gesamten vergangenen Grippesaison (518). Noch ist laut Gesundheitsamt kein Ende der Erkrankungswelle abzusehen. Im Grippewinter 2017/2018 waren es 786 Fälle. Da gab es 25.000 Grippetote in Deutschland. Sascha Alexander sagt: „Der große Killer – das ist die Influenza.“

Noch kein Corona-Schnelltest notwendig

Ob Corona oder Grippe – am Klinikum ist alles standardisiert: Wenn Patienten mit einschlägigen Symptomen in die Notaufnahme kommen oder per Krankentransport angeliefert werden, wird grundsätzlich nach festgelegten Richtlinien abgeklärt, was dahintersteckt. Hat der Patient schwere Symptome, wird er schon in der Notaufnahme in einen separaten Raum gebracht und kommt in ein Isolierzimmer mit zusätzlichen Hygiene- und Sicherheitsstandards.

Jetzt hat man natürlich auch alle Antennen Richtung Coronavirus ausgefahren. Alexander berichtet von einem Patienten mit sehr hohem Fieber, der mit dem Sanka angeliefert wurde. Die Sanitäter hatten die Notaufnahme schon vorgewarnt – und der Kranke wurde von Personal in Schutzanzügen in Empfang genommen. Wie in allen Fällen bisher konnte aber rasch abgeklärt werden, dass der Patient „nur“ die Grippe hatte. Noch musste man keine Abstriche zum Corona-Schnelltest an die Charité nach Berlin schicken, wie Alexander berichtet.

Erster Fall nur eine Frage der Zeit? 

Doch das kann sich schnell ändern. Schon angesichts der Nähe Freisings zum Flughafen und der in diesen Tagen zu erwarteten Rückkehrer aus dem Italienurlaub sei der erste Corona-Fall nur eine Frage der Zeit. Passagiere, die krank aus dem Ausland zurückkehrten, landeten oft in der Flughafen-Klinik, aber auch am Klinikum Freising. Und sicher hätten auch Landkreisbürger ihren Skiurlaub in Südtirol verbracht. „Das Problem ist, dass man gar nicht richtig mitbekommt, wer infiziert ist“, sagt Alexander. Zum einen zeigten einige Infizierte gar keine Symptome, zum anderen sei die lange Inkubationszeit von bis zu vier Wochen zu bedenken. Experten seien sich daher einig, dass das Coronavirus schon hier angekommen ist. Ist das Klinikum dann für einen Massenanfall an Patienten gerüstet?

Das gesamte Personal „gibt sein Bestes“

Zum einen gibt es nur am Schwabinger Krankenhaus einen Hochisoliertrakt. Zum anderen sind die Intensivstationen der Kreiskrankenhäuser meist ohnehin gut belegt. Wie viele Patienten man dort oder auf den normalen Stationen aufnehmen kann, hänge also ganz von der momentanten Belegsituation an, erklärt Alexander. Meist habe die Corona-Infektionen bisher einen leichten Verlauf genommen. Erkranke hier ein Patient schwer am Coronavirus, werde er wohl nach München verlegt. Alexander betont: Das gesamte Personal „gibt sein Bestes“. Im Ernstfall wisse jeder, „wo sein Platz ist und was zu tun ist“.

Das Gesundheitsamt Freising ist dabei eine wichtige Schnittstelle. Es weist die Ärzte und das Klinikum fortlaufend auf aktuelle Infos sowie Handlungsempfehlungen des Robert-Koch-Instituts hin und steht beratend zur Seite. Am Gesundheitsamt, das in engem Kontakt mit der Task Force Infektiologie steht, wurde eine Rufbereitschaft eingerichtet, die rund um die Uhr erreichbar ist. Einzelne Verdachtsfälle auf das Coronavirus würden systematisch abgearbeitet, so Landratsamtssprecher Robert Stangl.

Lesen Sie auch: Coronavirus: Frau aus dem Landkreis Freising infiziert

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