Hopfenfeld
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Sechs Gemeinden im Norden des Landkreises Freising kommen als Atommüll-Endlager in Frage – wie die Hälfte Deutschlands. Symbolbild

Erich Irlstorfer warnt vor „Aktionismus“

„Kein Grund zur Hektik“: CSU-Bundestagsabgeordneter wittert beim Thema Atommüll-Endlager Wahlkampf der FW

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Freisings CSU-Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer bezeichnet die Debatten um die Suche nach einem Atommüll-Endlager als „unausweichlich“, warnt aber vor „Aktionismus“ und kritisiert die Freien Wähler.

Freising – Als „unausweichlich“ bezeichnet der CSU-Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer die Debatten rund um die Suche nach einem geeigneten Atommüll-Endlager. Denn der „Zwischenbericht Teilgebiete“ der Bundesgesellschaft für Endlagerung hat diese Diskussion im Landkreis befeuert, weil bekanntlich der nördliche Bereich des Landkreises als prinzipiell geeignet erklärt wurde – so wie 54 Prozent des Bundesgebiets. Dass man ihm nun vorwirft, nicht genug informiert zu haben, rechnet Irlstorfer dem anstehenden Bundestagswahlkampf zu. Und: Es bestehe „kein Grund für Hektik oder Aktionismus“, so der MdB im FT-Gespräch.

Herr Irlstorfer, wie ist denn nun genau der Stand der Dinge bei der Suche nach einem Nachfolger für Gorleben?

2017 wurde der Ausschuss Gorleben abgeschlossen, danach wurde die Bundesgesellschaft für Endlagerung gegründet. Die hat den Auftrag, bis zum Jahr 2031 eine Lösung für die Atommüllendlagerung zu finden. Der erste Schritt ist nun also dieser Zwischenbericht, in dem steht, dass auf den ersten Blick 54 Prozent der Bundesfläche als Endlager geeignet seien. Nach der Trichtermethode werden dann nach und nach Gebiete herausgefiltert, bis man 2031 dann ein Endlager gefunden hat. Die nächsten Schritte sind sogenannte Teilgebietskonferenzen – drei Stück, von denen die erste am Wochenende jetzt stattfindet. Da wird es ausschließlich um die Methodik des weiteren Vorgehens gehen. Rund 1600 kommunale Vertreter werden teilnehmen, dazu ein 18-köpfiges nationales Begleitgremium.

CSU-Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer ärgert sich über den „Aktionismus“.

Sind Sie auch dabei?

Die Mitarbeiter in meinem Büro werden abwechselnd die ganze Zeit an der Konferenz teilnehmen. Außerdem ist Günther Beckstein, der zu dem Begleitgremium gehört, mein direkter Ansprechpartner, sodass ich stets über den Stand der Dinge informiert bin. Ich werde am Montag mit ihm ein Gespräch führen. Das ist das übliche Tagesgeschäft eines Bundestagsabgeordneten. Da brauche ich keine Aufforderung von Karl Ecker (ehemaliger Bürgermeister von Au und designierter Bundestagskandidat der Freien Wähler; Anmerkung der Redaktion), dass ich mich darum kümmern soll. Das weiß ich schon selber. Und wenn der Herr Ecker etwas wissen will, kann er mich ja gerne anrufen.

Wie groß sind denn die „Gefahren“, dass Bayern oder der nördliche Landkreis Freising ein Atommüllendlager bekommen?

Die Granitvorkommen im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge haben zwar schon einen gewissen Charme, aber ein geeigneter Standort muss ja ganz viele Anforderungen erfüllen. Er muss beispielsweise eine Million Jahre unverändert bleiben – wer immer das beurteilen will. In dem jetzt folgenden Ausscheidemodus muss man in den Jahren zwischen 2023 und 2025 auf zehn Prozent der Bundesfläche kommen. Das Ziel der Bayerischen Staatsregierung, und das steht auch so im Koalitionsvertrag mit den Freien Wählern, ist es, dass es in Bayern kein Endlager geben wird. Aber das wird eine fachliche und geologische Entscheidung sein, auch wenn am Ende der Bundestag beschließen muss.

Karl Ecker soll offenbar zum Retter der Hallertau stilisiert werden.

Erich Irlstorfer

Wie sollte sich der Landkreis jetzt verhalten?

Ich finde es schon bizarr, wenn jetzt schon Demonstrationen organisiert werden, und man daran denkt, Bürgerinitiativen zu gründen. Es gibt keinen Grund zur Hektik. Hektik, da hat Angela Merkel recht, ist etwas für Anfänger. Jetzt ist die Stunde der überparteilichen Zusammenarbeit. Und die biete ich an. Das Verfahren wird vollkommen transparent sein, ich werde den Stand der Dinge bei Bürgermeister-Besprechungen, den Landräten und auch dem Kreistag berichten, sofern das gewünscht ist. Es wird von mir die übliche Informationspolitik geben – auf Fakten basiert, nicht als Glaskugelleserei.

Vor allem die Freien Wähler nutzen das also für den Wahlkampf, meinen Sie?

Ja, denn in den sechs betroffenen Gemeinden gibt es nur FW-Bürgermeister. Und Karl Ecker soll offenbar zum Retter der Hallertau stilisiert werden. Es ärgert mich schon, dass Vertreter von Parteien, die der Anti-Atomkraft-Bewegung sehr nahe stehen, sich vor Ort nicht dagegen wehren, dass Bayern als Standort infrage kommen könnte. Das finde ich eine Unsäglichkeit erster Güte. Die Bevölkerung muss wissen, was Sache ist, muss transparent informiert werden. Aber es gibt keinen Grund zu Aktionismus. Man muss wachsam bleiben, aber nicht hektisch agieren.

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