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Neue Bahnsteige, neue Bedachung, neue Gleise: In Freising hat die Deutsche Bahn schon investiert. Als „Zukunftsbahnhof“ soll Freising nun vor allem noch fahrradfreundlicher werden.

„Erste Klasse“ in die Zukunft

DB-Sanierung: Viele Mängel im Landkreis – Freising soll „Zukunftsbahnhof“ werden

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  • Armin Forster
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Milliarden werden in den nächsten Jahren in das Bahnnetz investiert. Im Landkreis Freising gibt es einiges zu tun - zum Beispiel in Sachen Barrierefreiheit. Ein Überblick über die Stationen.

Landkreis 86 Milliarden Euro erhält die Deutsche Bahn (DB), um in den nächsten zehn Jahren Schienen, Bahnhöfe und – vor allem – Brücken zu sanieren und zu modernisieren. Da werden sicher einige Bürgermeister (und Pendler) im Landkreis hellhörig – die Mängelliste an manchen Bahnhöfen ist nämlich lang. Aber es gibt auch positive Ausnahmen. Etwa Freising, das sogar ein „Zukunftsbahnhof“ werden soll.

Freising

Hier hat die Deutsche Bahn (DB) schon vorgelegt: 2019 wurden die Bahnsteige und die Bedachung erneuert, 2018 der komplette Schienenstrang von Freising bis Feldmoching. Die Toilettenanlagen sind zumindest in einem erträglichen Zustand und die Aufzüge, die noch vor einigen Jahren dauerdefekt waren, funktionieren jetzt meist.

Die Defizite: Der Bahnhofsvorplatz ist unansehnlich, die Personenunterführung ein nasskalter, unfreundlicher Schlauch, es fehlen Wegweiser und Schließfächer – und natürlich Radlabstellplätze sowie Kapazitäten auf dem P+R-Platz, der schon am frühen Morgen voll belegt ist.

Allerdings ist Abhilfe in Sicht: Freising soll einer von zwei „Zukunftsbahnhöfen“ in Bayern werden, die man für die Reisenden besonders attraktiv gestalten will. Ein echter Glücksfall für Freising also, denn was die Bahn hier kurzfristig umsetzen will, klingt schon fast nach Luxus-Bahnhof: So soll dort ein Fahrrad-Parkturm für rund
400.000 Euro errichtet werden (der zu 75 Prozent bezuschusst würde), ebenso eine Fahrrad-Werkstatt und ein Coffee-Shop. Generell soll der Vorplatz aufgewertet werden. Die Fußgänger-Unterführung will die Bahn verschönern, das Wegeleitsystem für Sehbehinderte und Blinde verbessern sowie ein Bike-Sharing-Modell einrichten. Ortstermine mit der Bahn gab es bereits.

Mehr Abstellplätze für Fahrräder: Hier will die Stadt Freising rasch Abhilfe mit Doppelstockparkern schaffen. Im Rahmen des Projekts „Zukunftsbahnhof“ soll sogar ein Fahrrad-Parkturm entstehen.

Dass die Kapazitäten an Rad-Abstellplätzen ausgebaut werden müssen, haben auch die Stadtväter längst erkannt. So soll es kurzfristig mithilfe von Doppelstockparkern 402 neue Stellplätze am Bahnhof geben.

Für das gesamte Bahnhofs-areal hat die Stadt Freising ein Strukturgutachten in Auftrag gegeben, das den derzeit sehr flächenintensiven und trotzdem überfüllten P+R-Parkplatz einschließt. Ziel ist hier eine Reduzierung der benötigten Fläche durch den Bau von Tiefgaragen oder Parkdecks – eine komplexe Planung, die völlig unabhängig vom Projekt Zukunftsbahnhof zu betrachten ist.

Alfred Schreiber, Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), hat noch einen weiteren großen Wunsch: eine Unterführung unter den Gleisanlagen hindurch für Fußgänger, Radler und Stadtbusse nach Lerchenfeld. Dieser Tunnel würde den weiten Umweg der Busse über die Hochtrasse überflüssig machen, dürfte aber nicht für Autos freigegeben werden. 

Verdreckt und unansehnlich ist die Fußgängerunterführung in Freising. Die Bahn will das bald ändern, schließlich soll Freising binnen zehn Jahren ein Vorzeigebahnhof werden – auch was den Vorplatz betrifft.

Moosburg

Obwohl Moosburg mit täglich tausenden Reisenden einer der größten bayerischen Pendlerbahnhöfe außerhalb von S-Bahn-Netzen ist, herrscht dort seit Jahren Frust: Das Bahnhofsgebäude ist so heruntergekommen, dass selbst Bürgermeisterin Anita Meinelt von einer „Katastrophe“ spricht und einmal gesagt hat: „Am Moosburger Bahnhof ankommen, das ist nie schön.“ Nicht nur die marode Optik wird bemängelt, sondern auch das Angebot: Zwar gibt es einen gut funktionierenden und kompetenten DB-Reiseservice, doch wer sich für seine Zugfahrt mit Kaffee, Snacks und Getränken versorgen möchte, geht leer aus oder muss hoffen, dass der Dönerwagen gegenüber besetzt ist. Zeitungen oder Zeitschriften sucht man vergebens. Auch in Sachen Barrierefreiheit hapert es. Der Aufzug beispielsweise war zuletzt monatelang defekt. Zudem wird die zu geringe Zahl an Fahrradständern immer wieder kritisiert.

Nach Jahren des Bittens und Hoffens auf Investitionen durch die Deutsche Bahn hatte die Stadt nun die Nase voll von Vertröstungen: Die Kommune hat das Bahnhofsgebäude zum Jahresbeginn gekauft und plant nun eine Modernisierung auf eigene Faust. Bereits im Frühjahr sollen erste Arbeiten an der Außenfassade beginnen. 

Marzling

Von 2005 bis 2007 wurde der Bahnhof Marzling verlagert und dabei modernisiert. Er ist nun behindertengerecht, die Bahnsteige sind neu, es gibt eine Lärmschutzwand. Marode aber ist die Unterführung an der Straße zum Sportplatz. „Die ist auch nur drei Meter hoch“, berichtet Bürgermeister Dieter Werner. „Da passt nicht einmal unser neues Feuerwehrauto durch.“ Die Bahn sollte also umgehend die alte Brücke ertüchtigen. 

Langenbach

Seit im September 2010 der Umbau des Bahnhofs abgeschlossen wurde, können beide Gleise nahezu barrierefrei sowohl vom Bahnhofsvorplatz als auch von der westlich des Bahnhofs liegenden Dorfstraße erreicht werden.

Dennoch: Ganz barrierefrei geht es, etwa für Rollstuhlfahrer, derzeit nur am Gleis  1 in Richtung Landshut. Nach wie vor fehlt nämlich ein Aufzug. 2013 hat die Gemeinde das Langenbacher Bahnhofsgebäude erworben, das zunächst weiter vor sich hin gammelte. Bis zum Juni 2019. Da packten die Pfadfinder an, gestalteten die Räumlichkeiten im ersten Stock in einer 72-Stunden-Aktion um und weckten das Gebäude aus dem Dornröschenschlaf.

Es gibt noch einiges zu tun, bevor weitere gemeindliche Einrichtungen dort einziehen können. Etwa – allerdings nur vorübergehend – die Kleiderkammer, die derzeit noch im Rathaus untergebracht ist. Schön wäre es auch, wenn es am Bahnhof eine kleine „Versorgungsstation“ gäbe, etwa eine Bäckerei mit Tagescafé. 

Hallbergmoos

Die Barrierefreiheit ist das große Thema am Hallbergmooser S-Bahnhof. Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen haben einen langen Weg vor sich, wenn sie mit der S-Bahn aus München ankommen und in den Bus nach Hallbergmoos auf der gegenüberliegenden Seite der Gleise einsteigen wollen. Weil die Unterführung dorthin nur über zwei steile Treppen erreichbar ist, müssen sie die 630 Meter lange, offizielle Querungshilfe der Deutschen Bahn über B 301, St 2053 und den P-&-R-Platz nutzen. Trotz etlicher Anläufe der Gemeinde für Verbesserungen – zum Beispiel ein Aufzug – haben sowohl Bayerischer Verwaltungsgerichtshof als auch Landtag die Hallbergmooser Haltestelle als barrierefrei anerkannt. Doch die Kommune gibt nicht auf und hat inzwischen ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob der Zugang am Bahnhof im Einklang mit der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen steht. 

Eching

Definitiv nicht barrierefrei ist Echings S-Bahnhof. Seit dem Jahr 2017 bemüht sich die Gemeinde immer wieder um einen entsprechenden Ausbau. Offensichtlich wurde in den Vorjahren versäumt, rechtzeitig eine Aufnahme in das Aktionsprogramm der Bahn von 2019 bis 2021 zu beantragen. Doch auch im Anschluss, so lauteten die Auskünfte von Bahn und Verkehrsministerium, hat Eching wohl keine guten Karten für eine schnelle Berücksichtigung. Anderswo sei der Bedarf einfach größer.

Im Mai 2019 hat sich der Gemeinderat trotzdem dazu entschlossen, bei der Deutschen Bahn die Kosten für eine Voruntersuchung beziehungsweise eine Machbarkeitsstudie zum behindertengerechten Umbau für den Zugang zu den Gleisen und die Bahn-Unterführung in Erfahrung zu bringen.

In besagter Fußgänger-Unterführung geht es seit November 2018 ziemlich bunt zu. Graffiti-Künstler haben – beauftragt von Rathauschef Sebastian Thaler – dort ein Unterwasser-Konzept umgesetzt. Thalers Wunsch: „dem tristen, weiß gefliesten Tunnel Leben einzuhauchen“. Das ist den Jugendlichen mit ihren Spraydosen tatsächlich gelungen.    

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