Walter Flad aus Freising, ein engagierter Ehrenamtler.
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Der Mann im Hintergrund: Walter Flad aus Freising bezeichnet das Vereinswesen als überaus wichtige Säule für die Gesellschaft.

Walter Flad engagiert sich seit 1979 beim TSV Jahn Freising ehrenamtlich – und nicht nur da

Freising: Ein Tausendsassa hinter den Kulissen

  • vonPeter Spanrad
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Sportvereine leben vor allem vom ehrenamtlichen Engagement vieler ihrer Mitglieder. Vorbildlich macht das seit Jahren Walter Flad aus Freising (65).

Herr Flad, seit wie vielen Jahren engagieren Sie sich schon für den TSV Jahn Freising?

Ich bin seit 1979 im Verein aktiv.

Wie sind Sie überhaupt zum Basketball gekommen? Haben Sie selber früher aktiv gespielt?

Ja, ich habe begleitend zu meinem Brauerstudium in Weihenstephan Basketball in der Herrenmannschaft des TSV Jahn gespielt. Trainer waren damals Jürgen Schröder, Wolfgang Bauer und andere. Aufgrund von Studium, Beruf und Talent hat es nur für die Kreisklasse gereicht.

Welche Bedeutung, welchen Stellenwert hat für Sie der Basketball?

Der Freitagabend, also der Trainingsabend, war für mich heilig. Basketball ist für mich ein idealer sportlicher Ausgleich neben Familie und Beruf, eine überaus sympathische Ballsportart. Wichtig war mir auch der dadurch entstandene Freundeskreis. Später habe ich in der Freizeitmannschaft gespielt, die Uli Grabenweger trainiert hat.

In welcher Weise unterstützen Sie die Basketballer des TSV Jahn Freising?

Ich bin Mitglied und Kassier im Förderverein.

Wie ist es zur Gründung des Fördervereins gekommen?

Die Idee stammte vom damaligen Abteilungsleiter Ernst Berg. Der Förderverein ist im November 1992 mit zwölf Mitgliedern gegründet worden.

Welche Aufgaben übernimmt der Förderverein in der Basketballabteilung?

Generell geht es um die Förderung der Basketballabteilung mit den Schwerpunkten Jugendarbeit, Mannschaftsklima, Förderung des ehrenamtlichen Engagements, Unterstützung von Aktivitäten der Mannschaften wie Turnierteilnahmen. Zwei besondere Daueraktivitäten haben sich etabliert: Werner Link (ehemaliger aktiver Spieler, später Jugendwart und Abteilungsleiter, Anm. d. Red.) hatte die Idee eines Basketball-Schnuppertrainings in Freisinger Grundschulklassen der dritten und vierten Jahrgangsstufe herausgearbeitet und mithilfe des Fördervereins organisiert und finanziert. Am Schluss dieser jährlichen Aktion wird eine Basketball-Stadtmeisterschaft im Turniermodus ausgespielt. Hierdurch konnten wir viele Kinder für den Basketballsport interessieren und unsere Jugendarbeit im Laufe der letzten Jahre auf eine viel breitere Basis stellen. Ein großer Erfolg sind auch die mit Unterstützung des Fördervereins ausgerichteten Basketballcamps. Geboten werden zwei Tage Basketballaction in den Faschingsferien als sportliches Ferienprogramm mit Ganztagesbetreuung der Jugendlichen. Die Camps werden von Fall zu Fall besonders gewürzt, so zum Beispiel durch Mitwirkung von Profis des FC Bayern München oder zuletzt im Rahmen eines improvisierten Inklusionsprojekts mit Rollstuhlbasketballern.

Wie finanziert sich der Förderverein?

Durch Beiträge und Spenden. Der Förderverein ist ein eingetragener Verein und als gemeinnützig im Sinne der Sportförderung anerkannt. Im Verlauf seines Bestehens wurden Förderbeiträge in Höhe von rund 80 000 Euro geleistet.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen dem Förderverein und der Abteilung vorstellen?

Wir sind an den Schnittstellen zwischen Abteilungsleitung, Trainern und Mannschaften tätig. Erster Vorsitzender des Fördervereins ist derzeit Michael Englbrecht, Julia Grabenweger ist die Zweite Vorsitzende und gleichzeitig Vertreterin der Abteilungsleitung.

Wie haben Sie das vergangene Jahr mit der Corona-Pandemie erlebt? Hat der Sport durch die bislang zwei Lockdowns Schaden erlitten? Hatte die Corona-Krise bisher Auswirkungen auf die Förderbereitschaft der Mitglieder?

Es sieht so aus, dass die Mitglieder des TSV Jahn und die unseres Fördervereins geduldig sind und uns weiter die Treue halten. Eine Austrittswelle ist nicht erkennbar. Ein anderes Verhalten wäre auch kurzsichtig, denn alle aktiven Sportler vermissen den gemeinsamen Breitensport schmerzlich.

Wenn Sie einen Blick in die absehbare Zukunft wagen: Wie geht es in Zeiten von Corona mit dem Amateursport, dem Basketball und insbesondere dem Kinder- und Jugendsport weiter?

Wir befinden uns derzeit in einer äußerst schwierigen Lage. Großes Lob für alle Ehrenamtlichen in der Leitungsebene und für alle Trainer, die mit aller Kraft versuchen, Angebote unter Beachtung der sich ständig ändernden Auflagen zu bieten. Das kostet viel Zeit, Energie und Durchhaltevermögen. Meine große Sorge ist, dass es durch den langen Stillstand einen Bruch gibt mit dem Nachwuchs im Ehrenamt, ob Trainer, Übungsleiter, Schiedsrichter. Das war schon zuvor nicht ganz einfach und es dürfte nun außergewöhnliche Anstrengungen erfordern, den Anschluss zu finden. Mancher, der sich jahrelang stark engagiert hat, mag auf den Gedanken kommen, dass man mit weniger Stress durchs Leben gehen kann. Allerdings sollte nicht verkannt werden, dass ehrenamtliches Engagement im Verein auch ein hohes Maß an Dopamin ausschüttet. Und gerade das fehlt uns doch in diesen schweren Zeiten besonders.

Werden viele Jugendliche dem Sport den Rücken kehren?

Vielleicht erkennen die Kinder und Jugendlichen durch den Lockdown und den damit verbundenen Mangel den Stellenwert und die Wertigkeit des gemeinsamen Sporttreibens und wenden sich nicht vom Sport ab und können die Rückkehr kaum noch erwarten.

Sie engagieren sich nicht nur innerhalb der Basketballabteilung des TSV Jahn Freising ehrenamtlich, sondern auch beim Lions Club Freising. Zusammen mit Ihrer Frau Inge organisieren Sie schon seit vielen Jahren das attraktive Big-Band-Konzert der Freisinger Schulen. Wie ist es dazu gekommen?

Einer meiner Söhne hatte Trompetenunterricht und wurde am Freisinger Dom-Gymnasium in die Big Band aufgenommen. Dadurch wurde ich aufmerksam auf das unglaubliche musikalische Potenzial an den Freisinger Schulen. Da dachte ich mir, dass diese Bands nicht nur in geschlossenen Schulkonzerten, sondern auch in der Öffentlichkeit auftreten sollten. Daher habe ich im Freisinger Lions Club, bei den Big-Band-Leitern und Rektoren der drei Freisinger Gymnasien, aber später auch an der Realschule Freising dafür geworben, ein gemeinsames öffentliches Big-Band-Konzert der Freisinger Schulen zu etablieren, dessen Erlöse der Förderung der Jugend sowie der Jugendkulturarbeit zufließen sollten.

Warum hat sich das Big-Band-Konzert zu einem Publikumsmagneten entwickelt?

Da steht an erster Stelle die hervorragende Qualität der Bands, gepaart mit wirklich fettem Sound und einer hinreißenden Musikauswahl, die durch die Big-Band-Leader vorgenommen wird. Dazu haben wir natürlich ein sehr fachkundiges und emotional gebundenes Publikum, da ja fast jeder der Besucher einen oder mehrere der fast 100 Akteure auf der Bühne persönlich kennt. Somit war bisher jedes der Konzerte quasi ausverkauft.

Im vergangenen Jahr musste das Big-Band-Konzert wegen Corona ausfallen. Wie sehen die Planungen für heuer aus?

Leider mussten wir ja schon 2020 unser 17. Konzert wegen der Corona-Auflagen ausfallen lassen. Dies war zu einem Zeitpunkt, als die Bands noch eingespielt waren und voll im Saft standen. Bis heute ist die Probentätigkeit im Orchester nicht möglich. Wir befürchten daher, dass der vorgesehene Konzert-Termin am 12. Mai 2021 nicht gehalten werden kann, selbst wenn zu diesem Zeitpunkt Veranstaltungen dieser Art wieder zugelassen sein sollten. Uns blutet das Herz!

Als Geschäftsführender Gesellschafter des Technischen Büros Weihenstephan üben Sie beruflich eine sehr verantwortungsvolle und vor allem auch zeitintensive Tätigkeit aus. Wie schaffen Sie es, sich ehrenamtlich so intensiv zu betätigen, und warum tun Sie das?

Der Vereinssport ist eine überaus wichtige Säule der Gesellschaft. Er ermöglicht es allen Bürgern, sich in der eigenen Region unter fairen Bedingungen sportlich zu betätigen. Herausragend ist in meinen Augen die vorbildliche Jugendarbeit, die von den Vereinen organisiert wird. Die sportliche oder kulturelle Betätigung in Jugendgruppen ist ein wertvoller Bestandteil der Persönlichkeitsbildung von Jugendlichen. Dazu gehören nicht nur die Sportvereine, sondern alle möglichen Organisationen wie Pfadfinder, religiöse Institutionen, Musikschulen und viele mehr. Weder der Staat noch private Unternehmen können diese enorme Breitenwirkung auch nur ansatzweise erzielen. Hier sehe ich mündige Bürger in der Pflicht, selbst Verantwortung zu übernehmen und nicht nur zu konsumieren. Meiner Überzeugung nach braucht jeder neben seiner Einbindung in Familie und Beruf ein soziales Netzwerk. Ich schöpfe aus meinen ehrenamtlichen Engagements heraus Kraft, Motivation und Lebensfreude. Das ist natürlich eine Sache der Prioritäten, die einer setzt. Es kann mir aber niemand erzählen, dass das in der ein oder anderen Form nicht möglich ist.

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