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Mit Christoph von Schilling referierte ein Onkologe von hoher Reputation.

Medizin im Dialog

Krebs heilen - wie weit sind wir? Freisinger Chefarzt klärt auf

Der Andrang war enorm, als der Chefarzt der Onkologie am Klinikum Freising referierte. Die Krankheit Krebs beschäftigt eben viele Menschen – und so stieß der Vortrag auf größtes Interesse. Christoph von Schillings Botschaft: Noch ist der Krebs nicht besiegt – aber man hat bereits große Fortschritte gemacht.

Freising „Sieg gegen den Krebs – wie weit sind wir?“ – mit diesem Titel war der Abend überschrieben, und von Schilling gab zu: „Der Titel ist sehr vollmundig, aber das ist unser Traum.“ Dass man diesem Traum zumindest ein Stück näher gekommen ist in den vergangenen 15 Jahren, das zeigte er an diesem Abend. Aber auch, dass noch immer ein gutes Stück Weg zurückzulegen ist, bis der Krebs wirklich besiegt ist. Die Möglichkeiten der Früherkennung und neue Therapieformen hätten jedoch ihren Beitrag dazu geleistet, dass Krebs heute nicht mehr gleichzusetzen sei mit einem Todesurteil. Im Vergleich zu 1990 können heute laut Schilling zum Beispiel rund 30 Prozent mehr Brustkrebserkrankungen geheilt werden.

Aber auch die Patienten selbst tragen durch Vorsorge zu besseren Heilungschancen bei. Und nicht zuletzt sei laut von Schilling auch die Hilfsstruktur besser als noch vor 15 Jahren. Er hob hier vor allem die Arbeit der Selbsthilfegruppen sowie von Vereinen hervor wie „Maria und Christoph“.

Was den Auslöser der Krankheit angeht, gebe es verschiedene Faktoren. Neben genetischen Voraussetzungen und Umwelteinflüssen spiele auch der Zufall eine Rolle. Man gehe in der Forschung heute davon aus, dass oft die Mutation einer einzigen Zelle Auslöser der Krankheit sei. Eindeutig nachweisbar sei dies bei einigen Formen von Blutkreb, weshalb hier auch der Behandlungserfolg groß sei. Doch sei diese Krebsformen relativ selten. Bei häufigeren Formen wie Brust-, Darm- oder Lungenkrebs habe man Fortschritte gemacht, aber noch keine finalen Lösungen gefunden. Ein wichtiger Ansatz sei die Stärkung des Immunsystems. Da Krebszellen vom Immunsystem lange nicht erkannt würden und getarnt ihr Unwesen im Körper treiben können, sei ein Weg, das Immunsystem in der Erkennung zu unterstützen. So erziele man immer bessere Erfolge mit einer Antikörper-Therapie, die unter andrem bei Haut-, Lungen- oder Blasenkrebs zur Anwendung komme. Allerdings träten hier immer wieder noch starke Nebenwirkungen auf wie spontane Entzündungen, wie der Onkologe deutlich machte. Aber: „Es ist das sich derzeit am schnellsten entwickelnde Feld.“

Diskutiert wurden anschließend immer wieder Gentests als Möglichkeit, Auslöser von Krebs zu erkennen und entsprechende Therapieformen daraus abzuleiten. Derzeit allerdings würden die Krankenkassen diesen Test erst bezahlen, wenn konventionelle Methoden wie Bestrahlung und Chemotherapie nicht anschlagen. Von Schilling sieht das kritisch: Würde der Test umfassend angewendet, könnte man seiner Meinung nach bei einem Drittel der Brutskrebspatientinnen die Chemotherapie vermeiden.

Zu neuen Ansätzen wie Fasten während der Chemo-Behandlung oder dem Einsatz von Cannabis konnte der Mediziner keine wissenschaftliche Aussage treffen, betonte aber, dass es durchaus wert sei, diese Richtungen weiter zu verfolgen.

Auch die Nähe zum Flughafen kam im Dialog mit den Zuhörern zur Sprache. Von Schilling stellte fest, dass die Rate der Lungenkrebs-Erkrankungen im Landkreis auffällig hoch sei. „Eine finale Aussage zum Zusammenhang möchte ich aber nicht treffen.“

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