Eine erste Bilanz zum Thema „Digitaler Impfpass“ zieht auch Apothekensprecherin Ingrid Kaiser.
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Eine erste Bilanz zum Thema „Digitaler Impfpass“ zieht auch Apothekensprecherin Ingrid Kaiser.

Apothekerinnen berichten

Digitaler Impfpass: Eine Gruppe hat noch das Nachsehen - „Es tut mir leid, sie wegschicken zu müssen“

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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Seit vier Wochen stellen Apotheken digitale Impfpässe aus. Eine Zeit mit lustigen, aber auch nervenaufreibenden Momenten.

Update, Freitag, 9. Juli, 9.36 Uhr:

Seit Freitag, 9. Juli, können auch Genesene einen digitalen Impfpass beantragen. Das teilte der Deutsche Apothekerverband mit.

Freising – Es ist ein an und für sich eher seltenes Bild, das es derzeit aber des Öfteren zu bestaunen gibt: Menschen, die nicht krankheitsgeplagt, sondern beschwingt aus der Apotheke kommen. Der digitale Impfpass macht es möglich. Seit knapp vier Wochen können Apotheken den virtuellen Wisch ausstellen. Vier Wochen mit Glückshormonen, aber auch nervenaufreibenden Momenten, lustigen Begebenheiten und einer ganzen Gruppe, die bis dato das Nachsehen hat.

Der digitale Impfpass ist in den Apotheken derzeit der Hit. Das zeigt eine Umfrage des FT unter Pharmazien. Bei der Engel-Apotheke in Lerchenfeld wurden bis dato rund 1600 Impfpässe ausgestellt. Bei der easyApotheke in den Freisinger Schlüterhallen sind es bislang etwa 1300. Und Claudia Pröbstl von der Franziskus-Apotheke in Neufahrn spricht von mehr als tausend Ausstellungen. „Die Nachfrage ist weiterhin konstant hoch“, sagt sie, während Sabrina Pirner von der easyApotheke einen rückläufigen Trend konstatiert: „Der großen Andrang, den wir anfangs hatten, ist inzwischen vorbei.“

Software-Abstürze sorgen für unangenehme Momente

Dafür funktioniert die Software, die das Robert-Koch-Institut den Apothekern zur Verfügung gestellt hat, um dort die digitalen Impfpässe zu registrieren, inzwischen besser. „Anfangs ist uns der Server einige Male abgestürzt“, berichtet Ingrid Kaiser von der Engel-Apotheke. Das sei natürlich angesichts wartender Kundschaft unangenehm und nervenaufreibend gewesen. „Aber die Leute haben großes Verständnis gezeigt und sind überhaupt sehr geduldig.“ Inzwischen funktioniere das System „ganz gut“.

Immer noch nicht in die Software eingespeist werden können Genesene, die nach STIKO-Empfehlung derzeit nur eine Impfung erhalten. Das Mitgefühl von Claudia Pröbstl gehört daher vor allem ihnen. „Die Genesenen wollen natürlich genauso ihren digitalen Impfausweis. Es tut mir extrem leid, sie tatenlos wieder wegschicken zu müssen.“

Für Seniorin wird es nichts mit dem digitalen Impfpass, sie nimmt es mit Humor

Mit Humor nimmt es hingegen manche Seniorin, die letztlich ebenfalls das Nachsehen hat, wie Claudia Pröbstl weiter berichtet. „Erst kürzlich habe ich einer älteren Dame die QR-Codes ausgedruckt. Erst danach haben wir beide festgestellt, dass die Kundin damit gar nichts anfangen kann, weil sie nämlich gar kein Handy besitzt.“ Zweimal habe die Seniorin noch nachgefragt: „Muss man das wirklich haben?“ Im Anschluss habe sie gelacht und sich verabschiedet: „Dann geh’ ich halt wieder.“

Damit sich niemand einen digitalen Impfpass erschleicht, schauen sich die Apothekerinnen die Dokumente ganz genau an. „Betrogen hat noch keiner“, sagt Ingrid Kaiser. Aber ein paar ungewöhnliche Fälle hat es schon gegeben. So wunderte sie sich etwa darüber, dass ein Mann zu ihr kam, der laut gelben Pass von einem Frauenarzt geimpft worden war. „Da habe ich schon nachgefragt und festgestellt: alles okay.“ Der Mann war als Angehöriger einer schwangeren Frau in den frühen Genuss einer Impfung gekommen.

Apothekerinnen erleben besondere Fälle

Auch Sabrina Pirner erinnert sich an einen ungewöhnlichen Fall. Ein Hausarzt hatte eine bereits Anfang Januar vorgenommene Impfung ausgestellt. „Dabei haben Arztpraxen zu diesem Zeitpunkt ja noch gar keine Impfungen vorgenommen.“ Doch dann stellte sich heraus, dass der Geimpfte in einem Altenheim arbeitet und in dieser Funktion nicht in ein Testzentrum gehen musste, sondern von einem mobilen Impfteam versorgt wurde. Auch hier: alles astrein.

Digitaler Impfpass kann in wenigen Minuten ausgestellt werden

Die Ausstellung des digitalen Impfpasses ist eine Frage von wenigen Minuten und kann in der Apotheke erfolgen. Mitzubringen sind der Personalausweis und das gelbe Impfheft. Wichtig: Nur wer bereits beide Impfungen intus hat, kann den digitalen Impfpass beantragen. Deshalb haben Genesene, die nur eine Impfung erhalten haben, bis dato das Nachsehen. Von der Apotheke erhält der Kunde für beide Impfungen je einen QR-Code, der per Handy und entsprechender Software eingescannt werden kann. Unter anderem eignen sich die Corona-Warn-App und die Cov-Warn-App.

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